40 Jahre bin ich nun... was einmal war...
Letzthin beim Räumen meiner Kleiderschubladen fiel mir ein Tuch und Tanzschuhe in die Hände, welche mich schmunzeln liessen... es war einmal...vor gar nicht so langer Zeit... und dieser Satz führte mich zu einer weiteren Geschichte aus meinem Leben...
Ich sinnierte darüber, was mich zu dem machte, was ich heute bin - eine Patientin sagte einmal zu mir: "Frau Bösse, sie sind unglaublich, was SIE alles schon gemacht haben!"
Damals lächelte ich über den Satz. Es ist immer einfacher über die Taten und Erzählungen anderer zu staunen, als sein eigenes Leben zu reflektieren und wertschätzen.
So sehr ich nach vorne schaue und an meiner Zukunft baue. Hier soll ein Platz auch für das Vergangene sein. Vielleicht waren ja gerade Sie bei der einen oder anderen Geschichte mit dabei und können so auch darüber Schmunzeln, was wir damals alles so angestellt haben, damals als....
Tanzen, bis die Böden zittern...
Hier sehen sie die wohl einzigen Bilder, die jemals von meiner "Tanzkarriere" gemacht wurden. Das war 2009... (Himmel, ist das wirklich schon sooo lange her!!!??)
Die Schuhe von damals waren es auch, die mir in der Schublade in die Hände kamen. Die Aufnahmen stammen von einer Vorführung, die ich niemals vergessen werde (mal abgesehen davon, dass es eine der ganz ganz wenigen Vorstellungen waren, die ich jemals tänzerisch vor Publikum machte... ausser die Musicals... aber das ist eine andere Geschichte...). An diesem Tag musste ich mich entscheiden - Feuerwehr Jahrhundertübung (im Kantonsspital Olten, mit mehreren Feuerwehren, kurz vor Abbruch und Neubau des Hauptgebäudes) oder die Vorführung mit meiner Bauchtanztruppe, welche über ein Jahr vorbereitet wurde... Grundsatzentscheidung. Mochte ich noch nie.
Ergebnis: ich blieb genau bis ich meine Tänze durch waren, fuhr dann zum Spital, zog mich dort aus dem Kofferraum um und rannte bei 30° C (ja - hatten wir damals schon!) mit voller Feuerwehrmontur zum Sammelplatz um sogleich auf der Aussentreppe in den 5. Stock geschickt zu werden. Mein damaliger Feuerwehrkollege Pit schaute mir dort oben nur in's Gesicht, hiess mich hinsetzen und betätigte die Notöffnung der Feuerwehrjacke - nahe an Hitzeschock. Tja, was man damals nicht alles machte... der Einsatz endete damit, dass mir die Trage, auf welcher wir zu viert einen Figuranten die 5 Stockwerke runtertrugen einfach aus der Hand glitt. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Kräfte.
Aber es war ein Tag, der sich in meine Lebensgeschichte einbrannte und ich nie mehr vergessen werde. *kicher*
Eigentlich - ja eigentlich ist ja meine Mutter schuld. Wie so oft! *schmunzl*
Bevor jetzt irgendwelche Kommentare aufkommen: sie hat in der Primarschule bereits dafür gesorgt, dass ich JazztanzUnterricht bekam. Das war damals noch ein Angebot der Schule - man konnte zusätzlich Unterricht beziehen in unterschiedlichsten Gebieten. Jazztanz war der Grundstein meiner Tanzleidenschaft. Was darauf folgte war Standardtanz während des Gymnasiums (ich musste immer den Männerschritt lernen, weil ich so gross war! *protest!!*), MusicalChoreografien während meiner Zeit im Musical Chor, CountryLineDance während des Studiums und schliesslich Bauchtanzen, als ich Physio wurde. Letztere zwei wechselnd, immer mal wieder, bis ich keine Zeit mehr dafür fand, weil mein Leben immer komplizierter wurde.
Auch heute noch träume ich davon, Tango italiano zu lernen (nein, nicht argentino...), aber finden sie mal die Zeit in einem voll ausgelasteten Berufsleben und vor allem: einen Tanzlehrer dazu... den Tanzpartner hätte ich inzwischen! *schmunzl*
Und so liegen die Tanzschuhe in meiner Schublade und warten darauf, dass ich mein Leben wieder endlich in die Richtung drehe, in welcher der Tanzboden Platz hat und mein erhitztes Gesicht vor Freude strahlt. Tanzen ist nämlich pure Lebensfreude.
Tatüütataaa....18 Jahre Feuerwehrfrau...
Eine meiner längsten Konstanzen in meinem Leben war die freiwillige RegionalFeuerwehr unterer Hauenstein. Im November 2000 wurde ich offiziell angefragt, ob ich da per Januar 2001 mitmachen wolle, so wie es üblich ist in meinem Heimatdorf. Für mich keine grosse Diskussion. Ich wusste, dass ich in Basel Biologie studieren möchte und sah darin eine Gelegenheit, den Kontakt zum Wohnort nicht zu verlieren. Ausserdem war ich all die Jahre zuvor immer begeistert beim Ferienpass dabei, wenn mein Bruder im Graben hinten das Palettenfeuer mit uns Kindern "löschte". Also ja.
Dass daraus 18 Jahre Feuerwehrdienst werden würde, konnte niemand ahnen und schon gar nicht, was für Einsätze ich machen würde.
Mein allererster Einsatz war ein Waldbrand hinter der Steilwand bei der Naturfreundehütte beim Rumpel. Er war für mich bescheiden. Ich musste schliesslich nur mit drei anderen ein Notstromaggregat über das Gelände vor Ort bringen - an mehr kann ich mich gar nicht erinnern. Da hatten die Männer an der Feuerfront einiges mehr zu tun. Ein Dienst, der mir aufgrund der Hörgeräte nie möglich wurde (mit Hörgeräten hört man gar nix mehr mit Atemschutzmaske und Funkkontakt). Aber nach dem Einsatz Morgens um 3 Uhr völlig verschwitzt auf dem Grat eines Hügels zu sitzen, eine Flasche Mineralwasser in der Hand neben zig anderen Feuerwehrkollegen, welche aller in einer Reihe auf dem Boden sitzen und in's Tal hinunter zu schauen, wo die Lichter der Zivilisation ein Zauberbild malen... unvergesslich.
In den Jahren danach kam der PapageienOverall dazu - ich wurde neben Maschinistin Verkehrsdienstlerin und schliesslich VerkehrsGruppen-Chef wodurch ich dieses schmucke Ding in GelbRot tragen musste. Ein Kleidungsstück, das von uns allen belächelt wurde und schliesslich ausgemustert, weil einen Kombi UND die Uniform darüber anzuziehen im Einsatz unendlich viel mehr Zeit kostete. Das kleine Mädel auf meinem Arm war übrigens 2007 meine erste Nichte - damals am Ferienpass, an welchem ich mit Herzblut als Feuerwehrlerin weitermachte, bis er abgeschafft wurde.
Die anderen Bilder entstanden 2016... die Kleider haben sich verändert in den Jahren, aber nicht der Ernst im Gesicht, wenn das Adrenalin hochschiesst und man einfach nur überlegt, was als nächstes zu tun ist, damit die Sache möglichst gut über die Runden kommt. Egal welchen Posten man hat.
RUNG und die Samariter...
Noch länger zurück liegen die Zeiten von meiner Leidenschaft als Schminkfee - realistische Unfallgestaltung (kurz RUNG) war eigentlich nur so eine weitere Idee mit Basteln von mir nach meinem eigenen Nothelferkurs - 2006 dann der Höhepunkt mit den Samaritern von Dagmersellen: eine Feuerwehrübung zweier Dörfer in der Mitte des Furkatunnels (ja - IM Tunnel) schminken und als Figurant daran auch teilnehmen. Meilenstein nach einigen Jahren Kursen und sehr witzigen Bekanntschaften. Seien es nun die Nothelferkurse in Olten, welchen ich am letzten Tag etwas Schocktherapie verpasste, weil Unfälle plötzlich relativ echt aussahen, meine Kreischeinlagen als Brandopfer in Dagmerseller Gärten oder eben diese Übung in dem Tunnel, in welchem ich einen Beckenbruch simulieren sollte (recht schweigsam und eher geschockt als Rolleninhalt) und schliesslich mit tausend Glassplittern in Nacken und T-shirt um 1 Uhr Morgens auf dem Schotter unter dem Berg sass.
Auch hier - unvergessliche Erlebnisse mit meiner schrägen Art, ungewöhnliches Ausprobieren zu wollen.
In der Folge zog es mir den Ärmel in den Verein rein. Was bei den Kursen zum Schminken sich schon herauskristallisierte: ich hatte das Zeug zum Führung übernehmen in einer Notfallsituation. Nach Betteln und Bitten der Vereinsleitung in Olten machte ich die Ausbildung zur Samariterin und war auch an einigen Anlässen mit verschiedenen Arbeitgebern beteiligt, wo ich unter anderem zum ersten und hoffentlich letzten Mal einen eröffneten Schleimbeutel zu Gesicht bekam. Manchen mag dies jetzt Gänsehaut über den Rücken jagen oder gar das Klo aufsuchen lassen. Kann ich verstehen. Aber für mich war und ist das immer pure Faszination. Eben - etwas komisch, die Frau Bösse... *kicher*
Im Frühtal zu Berge wir gehn...
Nun ja... ich bin eigentlich ein richtiger Naturmensch und Wanderratte... es gab einmal eine Zeit, in welcher ich Mittwochs frei hatte und praktisch jedes Mal frühmorgens in Oltem am Gleis stand. Ehrlich gesagt vermisse ich diese Tage. Den Rucksack habe ich noch - er war selten voll. Wasser, etwas zu Essen, eine Jacke... das nötigste für einen Tag und los!
Ich hatte viele lustige, nette, aufregende und liebe Begegnungen in der Zeit. Am innigsten war mir der Aufstieg zum Creux du Van, den sie im Bild sehen. Ich hatte irgendwo was aufgeschnappt von diesem "Canyon der Schweiz" und wollte den mal sehen. Ich guckte auf der Karte (ja - Papier, damals war das noch völlig normal), wo denn der nächste Bahnhof ist und kaufte mir ein Billet. So einfach war das.
In Noiraigue suchte ich den Wanderwegweiser und lief los. Tatsächlich war das wirklich so einfach.
Vor dem Creux du Van war dann allerdings eine Entscheidung zu treffen: links oder rechts hoch?? Wie es der Zufall so wollte kam mir ein Wandersmann entgegen, den ich schon im Zug bemerkt hatte (damals guckte man sich im Zug noch an, das Handy hatte damals Tasten und war nur für Telefonate oder SMS nutzbar - hach, wie vermisse ich diese Zeiten!). Es stellte sich heraus, dass ich einen Pilger vor mir hatte, der mit GPS ausgerüstet war. Er erzählte mir, dass er von einigen Leuten den Hinweis hatte, dass es besser sei auf der rechten Seite hochzugehen und links runter, wenn man nicht auf dem Creux du Van dann weiter auf dem Pilgerweg weitergehen möchte so wie er.
Also ging ich mit ihm mit.
Zum Glück.
Nein, wir sind keinem Bären begegnet... keine Angst. Und auch keinen Räubern. Dafür der Natur. Der Weg wurde sehr rasch sehr sehr steil. Wir kletterten gemeinsam über die Steinblöcke und mehr als einmal reichte er mir seinen Wanderstab runter, damit ich überhaupt hoch kam. Dazu waren die Felsen nass vom Morgentau - akute Ausrutschgefahr. Kurz: ich war heilfroh war der Mann bei mir und half!
Die Belohnung da oben dann an der Bergkante war grandios! Bald verabschiedete sich der herzensgute Wanderer und jeder ging seines Weges.
Dieser Tag da oben war gekrönt von sehr speziellen Begegnungen mit lauter fremden Menschen. Beim kiesigen Abstieg (ich war sehr dankbar, dass ich diese Route genommen hatte, umgekehrt wäre unmöglich gewesen) traf ich auf ein Pärchen, das wie zu Salzsäulen erstarrt auf dem Weg stand und in den Wald hinein schaute. Ich folgte ihrem Blick: eine ganze Herde Gemsen. Direkt vor uns.
Zusammen diese Tiere zu beobachten gibt ein ganz sonderbares Gefühl von Welt umarmen.
Wanderschuhe müssten auch noch irgendwo in meinem Schrank stehen.... *grübl*
Musical Chor Kanti Olten...
Es wird einige Leute in der Region Olten geben, welche jetzt ein riesengrosses Ausrufezeichen denken. Der Musical Chor mit Ueli Trautweiler war eine Sensation. Meine Zeit war 1996 bis 2001. Ich habe die Musicals Grease Olten 1996 und die Uraufführung Blubb 1999 miterlebt. Es war eine sehr wilde Zeit voller Scheinwerfer, Schminke, Pailletten und vor allem Groove.
Was ist geblieben? Meine Fotofestplatte reicht bis 2002, es existiert kein digitales Foto von der damaligen Zeit. Meine Fotos, Noten und Andenken sind in Kisten verpackt in den Untiefen meines Kellers. Ich habe sie noch - doch um sie zu holen und fotografieren brauche ich Zeit. Die Koralle auf dem Foto ist ein Stück der Schiffsdekoration von Blubb. Ein Original, das ich all die Jahre aufbewahrt habe, bis es diesen Februar an der Fasnacht als Teil meines Meereskostüms wieder auferstanden ist. und das zurzeit einzige Foto, das an diese Zeit zurückerinnert.
All die Liedtexte könnte ich jetzt wohl nicht mehr wiedergeben. Auch die Choreographie nicht. Doch unvergesslich die Ouvertüre von Blubb, welche auf den Knien getanzt wurde, der Kniefall bei Grease vor meiner Tanzpartnerin (JA, auch da musste ich wegen meiner Körpergrösse im 2. Akt wieder Männerschritt tanzen - mit dem Sakko und der Lederkrawatte meines Bruders! *kicher*). Die schmissigen Refrains, deren alle 4 Stimmen ich im Schlaf mitsingen konnte. All das hat sich tief in meiner Seele eingegraben und sorgt auch heute noch auf spontane Gesangseinlagen - sehr zur Erheiterung meines scheinbar peinlich berührten Lebensgefährten - ist doch meine Stimme inzwischen völlig eingerostet und wird wohl schiefer klingen als zwei asynchron spielende Guggen auf demselben Platz (für alle nicht Dialekt Versteher: das sind die Musikgruppen an der Schweizer Fasnacht). Aber es goovt... noch immer und im ganzen Körper. Man möchte gleich mittanzen und die Welt begeistern mit der Leidenschaft die sowas simples wie ein choreografiertes Musikstück eben hervorzaubern kann.
Grease, ist the word, have you heard, is the word, is the groove is the...
Freundschaftsbänder...
Hach, wer hat sie damals nicht getragen?! Es war vor 1993 - soweit bin ich mir schon mal sicher - denn als ich ins Gymnasium kam, habe ich mir die Muster und zig Meter Garne schon selbst beigebracht und erworben.
Ich war mit dem kleinen Kunsthandwerk am Hosenbein montiert ähnlich vergiftet begeistert wie mit den Mehndi's (siehe Registerblatt "Y eigeter Sach...").
Einmal habe ich auf Video (jaaaa.... VHS, tatsächlich...) meine geliebte FernsehSerie mit den drei Hexenschwestern angeguckt - und da trug "Phoebe" ein Freundschaftsarmband, das so breit und genial aussah, dass ich mir die Stelle vermutlich stundenlang im Pausenmodus angeschaut habe, Berechnungen anstellte und so lange herumtüftelte, bis ich das Muster und die benötigte Anzahl Garne dazu selbst rekonstruierte... das Band war etwa 8cm breit - ich arbeitete 5 Jahre daran.
Und ja, nicht alles am Stück. Es gab Phasen, da mochte ich die Garne nicht mehr sehen. Es war auch eher am Ende meiner FreundschaftsbänderProduktionszeiten.
Doch ich nahm dieses Monsterprojekt immer wieder in die Finger.
Und vollendete es auch.
Und dann gefiel es mir an meinem Arm nicht. *kreisch*
So bin ich nun mal, Geduld und Energie bis zum bitteren Ende und dann bin ich vielleicht doch nicht zufrieden und verwerfe alles wieder.
Ich warf dieses Band natürlich nicht in den Müll. 5 Jahre Arbeit waren mir dann doch etwas zu viel um es zu verbrennen. Aber es passte nicht mehr zu mir und meiner Form vom Handgelenk. Ich hatte nie die Linien eines indischen Unterarmes, aber es passte einfach nicht mehr zu meinem eher stämmigen Körper.
Also verschenkte ich es ein paar Jahre später an meine jetztige Schwägerin... muss sie mal fragen ob sie es immer noch hat *schmunzl*.
Letzthin habe ich wieder ein paar gemacht: Schlüsselanhänger, Glücksbringer für Prüfungen... es ist nicht mehr ganz so extrem, aber eine gewisse Versessenheit mit Knoten so einen Bändel zu basteln ist immer noch da *zwinker*