Geschichten aus meinem Leben...
...wer gerne daran erinnert werden möchte, wenn eine neue veröffentlicht wird, kann mir via Kontakt eine Nachricht schicken.
Eine verrückte Reise und ihre Folgen
Mehr als ein Jahr habe ich darauf hingefiebert und gewartet. Mehr als ein Jahr dauerte es, bis ich endlich den Kurs besuchen konnte, den ich UNBEDINGT machen wollte - egal was es kosten würde.
Nun ja, dass das Schicksal oder was auch immer das SO wörtlich nehmen würde hätte ich nicht gedacht.
Dass es nicht so einfach werden würde musste ich leider schon letztes Jahr bemerken, als ich die Kursgebühren bezahlte ... und herauskam, dass ich die Unterkunft nicht frei wählen konnte sondern von der Kursleitung klar kommuniziert wurde, dass ich die Unterkunft vor Ort buchen müsse - ein vegetarisches Hotel, kein Frühstück.
Mein Fleisch-Geniesser-Teil meines Seins schrie damals schon auf und wie ich mit 2 Mahlzeiten pro Tag einen körperlich ordentlich anstrengenden Kurs überstehen soll, der zudem in Süditalien stattfindet wo es sooo viele Leckereien aus Fleisch gibt war mir schleierhaft. Aber ich wollte den Kurs unbedingt, also biss ich in den vermeintlich sauren Apfel und liess mich recht teuer zur Kasse bitten.
Als ich dann umzog nach Fuerteventura wurde langsam klar, dass das nicht das Ende des Rattenschwanzes sein würde. Kein Flug von Fuerteventura direkt nach Süditalien ... ich spielte alle Szenarien durch, die irgendwie möglich waren, aber alles endete damit, dass ich für 7 Tage Kurs 14 Ferientage hingeben musste ... *grmpf*.
Schliesslich entschied ich mich für eine Variante mit möglichst wenig Zeit in der Luft und ein paar Tagen vor dem Kurs in Otranto - nichtsahnend, was mich dort erwarten würde - und einen Tag vor Abflug in Rom - was mich eigentlich gar nicht so sehr reizte, da ich GrossStädte schon mein ganzes Leben lang nie mochte, aber wenn man schon mal in Rom ist wegen dem Rückflug ... blöd wenn man da nicht mal reinschaut , da man schon nen Tag übrig hat erzwungenermassen.
Sie lesen schon - dieser Blog heute wird etwas länger als auch schon *kicher*, aber die Story ist wirklich aberwitzig ...
Als ich nämlich in Süditalien endlich ankam erwischte mich nicht nur der ausgesprochen heisse Sommer der italienischen Stiefelspitze ... sondern auch jede Menge Mücken und ... Durchfall.
Nicht schon wieder - ich hatte in den ersten Hälfte des Jahres mit einem Heliobacter das Vergnügen und wurde ihn pünktlich vor der Reise los... doch jetzt sass ich wirklich nach jedem Essen und dazwischen auf dem heimlichen Thron und konnte die absolut phantastische Stadt Otranto kaum geniessen. Hier spürt man die italienische Seele wie kaum sonst wo. Hier wird abends flaniert, hier brummen die Gassen und die Beleuchtung und Geschäfte der Einheimischen zaubern eine Stimmung, die unvergleichlich ist. Zum ersten Mal in meinem Leben ging ich abends mit Lust aus dem Zimmer, nur um diese Magie aufzusaugen - Darmprobleme hin oder her.
Da meine Krankenkassenkarte abgelaufen ist (und ich nicht wusste, dass das geht) konnte ich vor Ort nicht zu einem Arzt... also harrte ich die vollen 2 Wochen in der Fremde mit dieser auslaugenden Lebenssituation aus... *seufz*
Der Kurs konnte noch so spannend sein, die Anlage der Unterkunft noch so anheimelnd... die Mücken gaben mir zu der buchstäblich austrocknenden Problematik noch den Rest dazu.
Das Essen war herrlich, wider erwarten hatte ich keinerlei Hunger vor dem Mittagessen (wohl auch wegen meinem Bauch) und trotzdem war es nur ein Aushalten und versuchen trotzdem möglichst viel vom Kurs zu lernen.
Rom - war dann eine einzige Wanderung mit über 15 km bei 40° Celsius im Schatten ... eine Herausforderung, jedoch auch ein Abenteuer sondergleichen, da an jeder - wirklich jeder - Ecke Geschichte atmet und existiert. Sehr alte Geschichte.
Aber ich war dann irgendwann einfach nur noch froh, zu Hause anzukommen. Zu Hause ... das nun das erste Mal die Insel Fuerteventura ist. Fühlt sich schon schräg an, wenn man aus dem Flugzeug steigt. *grins*
Kaum angekommen ging's auf den Notfall - insgesamt in der ersten Woche 2 mal plus Hausarztbesuch direkt im Anschluss, Husten der übelsten Klasse gleich nach 2 Tagen auch noch dazu kassiert ... und seither bin ich krankgeschrieben.
Plopp.
Einfach so.
Die erste Woche versuchte ich noch im heimischen Zimmer in unserem Clubhotel auszuharren (wenn man krankgeschrieben ist, darf man die Clubanlage nicht betreten - man hat für die Gäste unsichtbar zu sein). 24h Husten brachten mich und meinen Liebsten dann allerdings an den Rand des Möglichen, obwohl ein Therapeut in traditioneller chinesischer Medizin mir endlich Hilfe zukommen liess und den Durchfall recht schnell beendete.
Kein Schlaf, kein Lüften möglich bei 30° C im Zimmer und mein Lebensgefährte, der für einen sehr strengen Job volle Konzentration aufbringen muss, kurz vorm Durchdrehen.
Also: Ausquartieren. Ich miete mir seitdem eine Ferienwohnung und habe nun endlich Ruhe, Luft, Platz und mein geliebtes Meer direkt vor der Nase.
Wie schwierig es aber ist, sich zum Schwimmen aufzuraffen, rauszugehen und etwas für sich zu tun, wenn man so im Keller ist, dass schon die Türe zum Krankenhaus halb offen steht glaubte ich zuvor nicht, obwohl ich ja schon Ähnliches vor 2 Jahren erlebte.
Ein echter Kampf mit mir selber trage ich nun aus. Noch nicht einmal die Fotos von Italien habe ich angeschaut... ausser dasjenige, das diese Geschichte hier ziert.
Ich habe Zeit - meine Chefin steht hinter mir, mein gesamtes Team im Spa sagt auch "werd zuerst gesund", mein Arzt hat mich sogar gleich nochmal 2 Wochen krankgeschrieben, da ich immer noch huste und schwächele und mein Liebster will mich nicht in einem schlecht gelüfteten Zimmer leiden sehen bis ich wieder fit bin...
So viel Unterstützung anzunehmen ist schwer.
Die Kraft aufzubringen, mich aus dieser Asche wieder herauszuhieven - glaubt mir - ist noch schwerer, vor allem wenn man alleine in einer Wohnung ist.
Aber da muss ich durch, um endlich auf der Insel anzukommen und mein Leben hier zu gestalten.
Zurückblickend könnte man jetzt meinen, ich hätte die Reise nicht machen sollen ... schliesslich bin ich nun einen Monat krank und immer noch nicht gesund.
A-ber ... (da kommt immer mein Bär mit dem grossen A auf der Stirn ... *kicher*) ... hätte ich diese absolut verrückte Reise nicht gemacht - ich hätte wohl nie gelernt wie einfach es sein kann zwischen zwei Flugzeugen umzusteigen (wenn man nur Handgepäck hat) ... und ich hätte nie gelernt, dass ich so unterschiedliche Teil-Reisen nur mit Handgepäck bewältigen könnte (tatsächlich hab ich viel zu viel mitgenommen *grööölquietschlach*).
Ich hätte nie dieses unglaublich geniale Nightlife von Italien erlebt und lieben gelernt, ich hätte die Erfahrungen von dem Kurs nicht mitnehmen können und ... ich hätte niemals diese unglaubliche Wucht erlebt, als ich in Rom zu Michelangelos Piazza del Campidoglio unterwegs war und dabei plötzlich das gesamte Forum Romanum bis hin zum Kolosseum überblickte.
Und wer weiss, wo mich jetzt die Reise noch hinführt - wo mir so viel Zeit im Umgang mit mir selbst geschenkt wird ...
27. Juli 2026
Tranquilo, tranquilo ...
Ferien.
Der fleissige Leser wird sagen: schon wieder?
Meine Antwort: Ja, die ersten richtigen und gemeinsamen Ferien mit meinem Lebenspartner, seit ich in Fuerteventura heimisch geworden bin.
Dachte ich im März noch, dass ich jetzt endlich durchstarten kann mit geniessen und Insel erleben, musste ich den vergangenen Monat mich vor allem mit meiner Verdauung auseinandersetzen. Geschlagene 5 Wochen Durchfall liegen hinter mir, welche schliesslich in einer Antibiotika-Kur endlich ihren Schlusspunkt fanden.
Entsprechend geschwächt und energielos sitze ich nun auf der Terrasse der winzigen Ferienwohnung, welche wir uns auf Costa Calma gegönnt haben. Das Wetter ist seit 2 Tagen eher mau, was aber gerade gut ist, damit wir endlich runterkommen und auf uns selbst mal acht geben.
Dazu gehört auch der Quiromasajista (Manualtherapeut), den ich nach über 13 Jahren nun wieder am Markt in Costa Calma gefunden habe... inzwischen noch mehr ein Meister seines Faches und meine Rettung der Stunde.
Ein Leben ohne Uhr ist der aktuell grösste Luxus in meinem Sein. Und das dürfen wir jetzt 2 Wochen geniessen.
Und nein - ich bin nicht seit neuestem tätowiert. Wer mich kennt weiss, dass ich viel zu wild bin um mich ein Leben lang auf ein Muster oder Ornament festzulegen. Aber ich freue mich ungemein, dass an meinem liebsten Markt (in La Lajita) eine Henna-Künstlerin mit einer sehr kreativen Ader zugegen ist.
"Tranquilo, tranquilo ..." - nur mit der Ruhe - mit diesen Worten bremst mich für gewöhnlich Rafa (mein Mentor bei den "Kochdiensten"), damit ich nicht die Teller bereits vorbereitet habe und kalt werden lasse, bevor die Menschen in's Restaurant strömen. Dieses Motto wird immer mehr auch eine sanfte Ermahnung an meine Seele. Schön langsam. Physisch bin ich zwar nun schon ein Vierteljahr auf der Insel - aber mein Körper hat das Alte noch nicht losgelassen und das Neue noch nicht annehmen können. Und auch im Kopf bin ich hier nach wie vor noch nicht zu Hause. So schnell geht es nun mal nicht und obwohl ich einfach mit jedermann und -frau gleich munter drauflosquatsche ohne Rücksicht darauf, dass ich ja kein Wort davon verstehe, was mir gesagt wird ... wird mein Spanisch auch nicht gerade in WarpGeschwindigkeit besser. Und dass DAS der wichtigste Aspekt ist, um sich in einer neuen Welt wohl zu fühlen, wusste ich schon seit Jahrzehnten - bestes Beispiel dafür waren meine Nachbarn, Schulkollegen und Patienten aus fernen Ländern, die eben keine der vier Landessprachen der Schweiz erlernen konnten oder wollten.
Nun denn... Tranquilo, tranquilo ... ich übe mich in Geduld ... mit meinem Körper und allem sonst, was da noch drinn ist.
Nachmachen hilft in vielerlei Lebenslagen, das kann ich nun aus eigener Erfahrung berichten ... *schmunzl*
29. April 2026
FuerteSuerte
Die Reise zur nächsten Etappe meines Lebens war äusserst wild, intensiv und zäh.
Dachten ich und mein Lebensgefährte zuerst, dass es vor allem das Auflösen sein wird, das Kräfte zehrt, wurden wir dann doch etwas überrascht von den Strapazen auf der Reise und der Ankunft auf der Insel unserer Zukunft.
Mal so 3'500 km mit Auto und Fähre haben es in sich, auch wenn man das Ganze auf 7 Tage verteilt.
Dazu kamen ein paar Reisesouvenirs mit, die ich lieber nicht haben wollte: Husten, Achillessehnenentzündungen, Verbrennung 2. Grades am Unterarm... allerlei Erschöpfendes eben.
So lebe ich zwar schon fast 2 Monate auf Fuerteventura, nehme aber erst jetzt wahr, nachdem auch der Husten endlich abgeklungen ist und ich ein paar Tage Urlaub bewilligt bekommen habe um mich etwas zu erholen, wie wundervoll die Insel und die Geschehnisse der letzten Wochen eigentlich ist und waren.
In meiner Seele ist immer noch nicht ganz angekommen, dass das hier jetzt mein neues Zuhause ist, aber ich fühle, dass es ein Zuhause werden wird.
Es scheint, als wäre hier noch ein kleinesbisschen heile Welt.
Die Menschen sind herzlich, auch mir Ausländerin gegenüber die kaum einen vollständigen Satz auf Spanisch über die Lippen bringt (aber mit sehr viel Lachen und entschuldigen in allen Sprachen ausser Spanisch sich durchwurschtelt).
Das Wetter ist alle 5 Minuten anders und obwohl sich alle beklagen, wie kalt es doch sei, wie nass es doch war , obwohl es nur mit 3 Decken erst kuschlig wurde in einer winzigen Wohnung ohne Heizung bei bis zu 13° C Aussentemperatur in den Nächten - es ist immer ordentlich Action im Himmel und Langeweile kommt nie auf. Ganz im Gegensatz zu den grauen Deckeln der letzten Jahre in Mitteleuropa.
Es ist schon richtig - ein Ortswechsel wird einem nie ermöglichen, vor den eigenen Problemen zu fliehen.
Auch hier strudle ich und muss sehr gut aufpassen, mich selbst vor lauter Geben und Behandeln nicht zu verlieren.
Die Tage als Mitarbeiter eines Club's sind lang. Die Gäste sprechen einem auch beim Frühstück, Mittag und Abendessen an - aber gerade diese Begegnungen machen den Arbeitsort auch zu einem Lebensort. Ruhe ist hier auf dem Gelände und im eigenen Kabäuschen durchaus möglich, aber an den Arbeitstagen nun mal nur vor Frühstück und nach Abendessen (das für mich frühestens um 19.30 Uhr beginnt).
Umso kostbarer muss mir meine eigene Zeit sein und ich freue mich auf die kommenden Tage - wieder gesund und fit genug am Morgen noch was anderes zu machen als spät, lahm und verschlafen zum Frühstück zu latschen.
Selbst meine Schwäche mit dem Zeitmanagement musste ich hier rigoros an den Wurzeln packen und zu Tode schütteln. Sich zu verspäten ist bei einem Minuten-Zahlenden Gast ein absolutes No Go und bringt nur riesigen Ärger mit sich. Also macht man es schlicht nicht.
Witzig, wie mir nach 17 Jahren Physio das nun endlich gelingt. *kicher*
Wir - mein Liebster und ich - nennen unsere neue Welt FuerteSuerte. Suerte heisst auf Spanisch "Glück". Da Fuerteventura eigentlich die Insel des starken Windes ist ergibt sich nun für uns persönlich also das starke Glück.
Man kann vor seinen Problemen nicht fliehen. Aber dieser Ort hier macht es mir einfacher, meine Probleme anzupacken.
Habt Ihr auch schon Euren Ort gefunden, der Euch hilft in den eigenen Spiegel zu sehen und hineinzulächeln?
18. März 2026
Schwerer Abschied ...
Die vergangen Monate waren ausserordentlich geprägt von Loslassen und Abschied nehmen.
Gefühlt 99 % davon viel mir erstaunlich leicht.
Das Bewusstsein, dass ich auswandere und neben den Habseligkeiten, die mit in's Doppelzimmer auf Fuerteventura kommen und in's Auto passen, lediglich ein Lager mit 11 Quadratmetern bleibt, in welches von mir und meinem Lebensgefährten passen muss, wovon wir uns noch nicht trennen können und im besten Fall zu einem späteren Zeitpunkt nach Fuerteventura umgezogen wird, sobald wir dort so sehr verankert sein werden, dass wir uns eine Wohnung suchen ... legte in mir wohl einen recht grossen Schalter um in Sachen Verkaufen, Verschenken und Müllen.
Nicht nur das - auch Abschiede von liebgewonnenen Menschen - nicht für immer ... schliesslich habe ich 6 Wochen Ferien pro Jahr und werde bestimmt immer mal wieder eine "Tour de Suisse" machen - füllten die letzten Wochen zwischen Büroarbeiten und Bizepstraining bei Entsorgungen.
Aber eben ... ich blicke zurück und staune über mich selbst.
Ich weiss, dass ich in besonderen Situationen zum extremen Pragmatiker werde und dadurch nach aussen oft als sehr mutig wirke. Doch meinen Grundcharakter als Bewahrerin des Vergangenen, als Schätzende der Erinnerungen so um 180° drehen zu können... wow.
Zwei Dinge waren es jedoch, die mir die Tränen dann trotzdem in die Augen trieben...
Zuerst war es unsere Buche.
Ein Baum an einem ganz besonderen und persönlichen Ort, Hüterin und Symbol sozusagen über die Beziehung zwischen mir und meinem Lebensgefährten.
Wir beide liebten diesen Baum so sehr.
Bei unserem Abschied vom Mittelland besuchten wir also auch unsere Buche ... und fanden vor, was Sie im Bild von dieser Geschichte sehen.
Zerbrochen im letzten Winter, zerborsten in den Stürmen.
Ein Hauptast lebt noch, so wie es uralten Bäumen oft eigen ist - sterben tun sie irgendwie nie, wenn man es zulässt. Doch das stolze, den Umständen trotzdende Dasein ist bereits von dieser Welt gegangen, bevor wir uns mit unserem Besuch von ihr verabschieden konnten.
Einerseits ein Zeichen, dass es Zeit ist jetzt zu gehen.
Andererseits ein scharfer Schmerz voller Verständnis.
Loslassen auf die wohl schwerste Art, die ich kenne.
Ebenso erging es mir sehr überraschend mit einem Gegenstand am Abend vor unserer Abreise.
Ich musste mich von meinem Fahrrad trennen.
Es ist bloss ein Velo!!
Aber ... dieser Drahtesel begleitete mich 25 Jahre und machte nie Probleme - keine Platten, immer treu mich an's Ziel bringend - egal ob auf meinen Trainingsstrecken im Mittelland mit bis zu 80 km pro Tag oder in den letzten 5 Jahren am Bodensee, wo ich wirklich alles mit dem Rad erledigte. Egal ob der Korb auf dem Gepäckträger leer war oder bis zum Anschlag und darüber hinaus gefüllt mit kiloweise Wäsche - festgezurrt wie das Material auf einem indischen MarktfahrerZweirad... es tat seinen Dienst für und mit mir.
Ich erwartete nicht, dass dieses bisschen Metall mir so sehr an's Herz ging, als ich es zurückliess.
Aber es ist nun Zeit, andere Wege zu gehen.
Abschied zu nehmen.
Loslassen zuzulassen.
Denn das, was kommt. Die Veränderung. Ist naturgegeben und unumstösslich.
Und völlig genial.
24. Januar 2026
Traditionen ...
Es ist wieder einmal eine jener Nächte, in denen ich kurz nach 3 Uhr morgens wach bin und nicht mehr an Schlaf zu denken ist. Also aufstehen.
Nein, das möchte ich eigentlich nicht zur Tradition machen *kicher* - aber was mich im Wohnzimmer begrüsst ist dieses ganz eigene, zauberhafte Licht, das ich schon mein ganzes Leben lang liebe: draussen liegt Schnee.
Nur ein bisschen, aber genug um mein Flotti (ja, mein Auto trägt tatsächlich einen Namen) wunderschön ins Rampenlicht zu rücken und mich vehement nach draussen zu locken... das Fenster öffnen für das Foto hat mir jetzt aber genügt - meine Güte ist das kalt draussen!! *bibber*
Früher war Schnee die Verheissung, dass es eine ganz angenehme klare Luft draussen hat und ich konnte mich nie halten - musste sofort raus, den ersten Schneeball machen, meinen Mini-Schneemann bauen ... tempi passati, auch hier.
Genauso verlieren sich auch Traditionen in meinem Leben... so scheint es mir zumindest.
Bin ich noch extrem klassisch mit einem Weihnachten aufgewachsen, an dem das Christkind den Baum geschmückt hat (ich dann statt die Stube stürmen in den obersten Stock rannte um das Christkind beim Abflug zu sehen... *schmunzl*), zusammen gesungen , Klavier gespielt wurde, ein riesiges Gekoche alle Teilnehmer bis nach Silvester durchfütterte und die Geschenke noch mit Überlegen was der Beschenkte brauchen könnte gemacht wurden... tempi passati.
Nun ja - mittlerweile gibt es statt frittierte Pouletschenkeli ein Kalbslebergeschnetzeltes und ein betont ruhiger Abend. Anders eben. Betont weg von allem, was mittlerweile von Aussen einem aufgedrückt wird im Sinne von Luxus und tausend Geschenken, die niemand will und nach dem Fest im Geschäft umtauschen geht.
Und dieses Mal sowieso - zwischen Luftmatrazen statt Sofa und Umzugskisten.
Unsere Auswanderung steht kurz bevor und der Jahreswechsel hat den letzten Countdown vor unserer Abreise zum Ticken gebracht.
Am 15. Januar sind wir auf der Strasse nach Barcelona - Cádiz - Puerto del Rosario. Komme was wolle. Und ja, mit dem Auto. Hauptsache kompliziert, aber das scheint ja mein Lebensmotto zu sein. Einfach war nie.
So sehr die Traditionen wie Schneeballschlacht und rausrennen im ersten Schnee, Geschenke machen bei denen dann Augen leuchten und Weihnachtslieder plärren bis um mich herum die Ohren zugehalten werden verschwinden - so sehr dieses Jahr so überhaupt kein Gespür und Wahrnehmen von Advent möglich war (Auswandern ist wirklich nicht witzig und richtig zeit- und nervenraubend), so sehr war ich darauf bedacht eine neue Tradition für mich zu beginnen. Eine sehr, sehr alte Tradition aus meinem Wurzelwerk wieder aufleben zu lassen.
Konstanz hat mir nicht viel gegeben in den letzten Jahren ausser einem: die Karbatsche.
Eine Fasnet-Tradition aus der alten alemannischen Kultur ist das Karbatschen-Schnellen.
Und das ist, was ich unbedingt beherrschen lernen wollte und hier auch gezeigt bekam.
Ja, ich bin zwar ein absoluter Fasnachts-Böögg (so nennen wir in meinem Geburtsort jene, die sich Verkleiden und auf der Strasse tanzen und Musik machen an Fasnacht) - aber mit der alemannischen Kultur hat das nichts zu tun.
Das Geisle chlöpfe (so nennt sich das Knallen mit den geflochtenen Hanfseilen in meinem Dialekt) ist für mich persönlich etwas, das mein Grossvater an Silvester getan hat, um die bösen Geister vom neuen Jahr fern zu halten.
Niemand scheint darüber etwas zu wissen - weder mein Onkel oder sonst jemand aus meiner Familie und auch nicht der Stadtarchivar von Olten. Ich habe nur die Erzählungen meiner Mutter darüber. Aber ich finde die Idee so faszinierend und schön, dass ich das unbedingt machen will.
In der heutigen Zeit, wo man in Sachen Umwelt und Klimadiskussionen nur noch graue Haare bekommt - Lösungen für Feuerwerksersatz in Dingen sucht, die dann ihrerseits Strom brauchen, den wir ja sparen sollten (und immer mehr Dinge bauen und erfinden, die genauso Strom benötigen) ist für mich diese uralte Idee von der niemand weiss woher sie kommt, wie ein kleiner Lichtstrahl aus einem Leuchtturm. Es gibt die Lösungen ohne noch mehr Probleme... wir müssen sie nur sehen wollen.
Und deshalb stand ich kurz vor Mitternacht an Silvester vor unserer Wohnung auf der Strasse und chlöpfte mit meiner kleinen Geisle das alte Jahr aus.
Frevel in der Alemannen-Stadt (dort ist das Karbatschen schnellen vor dem 06. Januar verboten). Doch das war mir in diesem Moment egal.
Es war wunderschön, da der Sternenhimmel sich für uns alle auftat und ich mir einbildete, dass mir mein Grosspapi von da oben zublinzelte.
Das Video dazu kann ich witzigerweise hier nicht einfügen - ihr mögt mir verzeihen...
Doch die Geisle kommt mit auf Fuerteventura - 100%ig.
Was auch mitkommen kann, seid ihr...
Hier werde ich das Geschreibsel weitertippeln (hoffentlich mehr als im 2025 *jesses*), auf www.lybondseele.ch (meine alte Praxis-Seite) werde ich auch ab und zu mal Fotos veröffentlichen von der Reise und später... und dank einer Idee von meinem Lebensgefährten kann man uns jetzt - ganz modern - auch auf Instagram folgen. Dort heisst's dann e_und_h_wandern_aus
Na dann, allen ein wundervolles neues Jahr!
Man liest sich *schmunzlblinzl*
03. Januar 2026
Was einmal war...
Meine Geschichten aus dem Leben gibt es tatsächlich schon bald 4 Jahre!!
Damit hier etwas Ordnung herrscht finden sie diejenigen aus den alten Jahren künftig hier unten im Archiv:
2025:
Meer im Kopf ...
Ich geniesse ja meine Urlaube am Meer immer unglaublich. Meine Seele gehört einfach dort hin.
Aber was letzthin nach meiner Rückkehr von meinem persönlichen Paradies geschah, ist mir wahrlich in meinem Leben noch nie untergekommen...
Jene welche mich persönlich kennen wissen, dass ich - nun ja - nicht gerade die vorsichtigste Person mir selbst gegenüber bin. Wunden und Narben gehören zu meinem Charakter, obwohl ich mich selbst nicht als Wildfang wahrnehme - sehr zum Leid des mich umsorgenden Wesen meines Lebensgefährten ("Du kriegst zu deinem nächsten Geburtstag einen Sturzhelm!") *schmunzl*
Nun, am Strand in Costa Calma (Fuerteventura) erwischte mich irgendein sehr beisslustiges Insekt und verpasste mir zwei Andenken. Da mein Körper dann immer ein Katastrophenprogramm ablaufen lässt ... kratzte ich die zwei Stellen auf - wie immer. Die eine verheilte innerhalb kürzester Zeit - wie immer. Die andere nicht.
Leider wurde die Stelle zu einem richtiggehenden Krater mit rotem Hof. Gefiel mir gar nicht, da ich als ehemalige Samariterin und Physio wusste, dass durchaus eine Blutvergiftung die Fortsetzung sein könnte.
Auch das desinfizierende Gel von der Apotheke vor Ort nutzte nix. Was ich leider auch erwartete aufgrund der Konsistenz des Mittels.
Zu Hause also die gute alte Vita Merfen drauf (ohne dass ich hier Werbung machen möchte, der Pharmakonzern bezahlt mich ja nicht *kicher* - aber die hilft bei meinem Körper immer am besten), bloss dass die Tube fast leer war.
Daraus folgend die erste Priorität am ersten Tag zurück in deutsch-schweizerischen Landen: ab zur Apotheke, hast ja eh auch entzündete Augen von Sonne, Wind und vor allem Klimaanlagen und ne ausgetrocknete Nasenschleimhaut.
Da stand ich nun an der Theke und schaute die sehr freundliche Apothekerin mit osteuropäischem Namen und entsprechendem Akzent im thurgauer Dialekt an, als wäre sie ein hellblauer Panda mit Tütü auf einer Las Vegas - Bühne ... bis ich begriff, dass die Frau mit mir schweizer Mundart sprach und ich lauter spanische und englische Wörter im Kopf bereit hielt, um ihr zu erklären, was ich denn brauche ... nun ja. Offenbar ist mein Kopf noch nicht vom Meer zurückgekehrt. *prust*
Und spätestens als ich in der Wohnung mich fragte, was nicht stimmt und mich ständig die Stirne runzeln liess musste ich mir eingestehen, dass dieses Mal meine Seele wirklich anders unterwegs war als sonst nach den Ferien: das fehlende Rauschen der Meeresbrandung vor dem Hotelzimmer brachte mich komplett durcheinander.
Denkwürdig auch die Tage der "mareas del pino" (spezielle Gezeiten um die Tag/Nachgleiche auf Fuerteventura) - Springfluten, die mit einem unkontrollierbar hohen Tidenhub über den Strand spühlten. Die Geräusche meines geliebten Salzwassers waren so gewaltig, dass ich sie ohne Hörgeräte wahrnehmen konnte. Tränen in den Augen vorprogrammiert, denn kein Hörgerät dieser Welt lässt mich das Meer so hören wie ich es früher mit meinen eigenen Ohren tat.
Ausserdem waren wir dieses Mal nicht nur für Entspannung und Erholung auf der Insel...
Nach sehr vielen Gesprächen und Inputs und Zeichen aus allen Richtungen haben wir den Entschluss gefasst, nach Fuerteventura auszuwandern.
*Bumm*
Bombe.
Der graue Deckel im Winter und der kaum vorhandene Sommer hier, wie sich die Gesellschaft entwickelt und vor allem wie sich meine rheumatoide Arthritis zeigt (nämlich mit Zunge rausstrecken gegenüber jedem Medikament und jeder Lebensveränderung oder DiätAnsatz) haben uns schliesslich nahezu in diese Richtung gedrängt.
Drei Tage auf der Insel am und im Atlantik: *plupp* kaum eine Entzündung mehr da. EIN Tag am Bodensee: Juhuuu! Schmerzende und entzündete Fingergelenke.
Das Vorstellungsgespräch in einem Club Hotel im Süden der Insel verlief sehr positiv und wir haben dieser Tage per Mail die Zusage für ein neues Leben anfangs 2026 erhalten.
Mit solchen Gedanken im Hinterkopf (wie wäre es, hier zu LEBEN statt nur hier Gast zu sein) war das Erlebnis Urlaub natürlich etwas völlig anderes als jemals zuvor.
Logo - meine eigene Praxis, mein "Baby" wie man so schön sagt, aufzulösen ... meine mir lieb gewordenen Patienten vor den Kopf zu stossen (sorry, nach Weihnachten müssen sie zu einem anderen Physio - KREISCH) ... keine leichte Entscheidung. Und ja, mein Herz blutet.
Aber genauso sehr und noch mehr weiss ich auch, dass es JETZT Zeit ist für das wohl grösste Abenteuer meines und unseres Lebens.
Wann war oder beginnt übrigens Ihres? *neugierigbin*
Und nein: meine Geschichten hier werden nicht verschwinden. Versprochen. *schmunzl*
22. Oktober 2025
Zeit ...
... meiner Meinung nach eines der wertvollsten Dinge der heutigen Gegenwart: Zeit.
Zeit zu geben, zu schenken oder mit jemandem zu verbringen ist mittlerweile für mich ein unglaublich intensives und herzliches Gut geworden.
Letzthin bekam ich Besuch von einer Freundin. Sie ist Zahnärztin und hat für gewöhnlich gar keine Zeit - nicht einmal für sich selbst. Aber sobald sich die Verstrickungen ihres Terminkalenders auftun und ein Tag dabei herauskommt fragt sie mich immer für ein spontanes Treffen. Auch wenn sie dafür einmal quer durch die ganze Schweiz reisen muss. Ich bin es ihr offenbar wert. Und das ehrt mich aus tiefster Seele.
Wir kennen uns seit der GymnasiumZeit und unsere Leben kreuzten sich in einem schicksalhaften Jahr: 2014.
Nicht nur, dass ich in diesen Monaten meinen jetztigen Lebensgefährten kennengelernt habe. In diesem August heiratete diese unglaubliche Frau und fragte mich, ob ich Ihre Trauzeugin sein würde. Eine Überraschung für mich und seither scheinen unsere Leben miteinander verbunden zu sein.
So vieles, das parallel läuft... Umziehen, kleinere Wohnung suchen, sich im Job verlieren, Sehnsüchte ... es ist immer wieder auf's Neue spannend zu hören, was seit dem letzten Treffen geschah und wie wir immer wieder von ähnlichen Themen beschäftigt werden.
Sie sagte mal: weisst du ... mit dir ging ich durch dick und dünn und dann wieder durch dick ... na, du weisst schon *kicher* - ja, ich weiss was sie meint.
Solche Freundschaften, die über Jahrzehnte hinweg (Jesses! Es sind tatsächlich JahrZEHNTE *HILFEEEich bin alt!*) halten und nie abbrechen - noch dazu in einem so gegenseitigen Verständnis andauern - sind selten. Und ich bin unglaublich dankbar dafür, dass es diese Frau in meinem Leben gibt (es Grüessli öbere uf Aarau, cara mia!). Man braucht nicht immer einen Ratschlag, oft haben wir beide auch keine Zeit für Kontakt. Aber wir wissen, dass die andere da ist, wenn es brennt und einfach auch zuhören kann ohne zu urteilen. Und das tut so richtig gut.
Zeit hat auch die Clivie gesehen, welche für das Foto der heutigen Geschichte Modell gestanden ist. Sie ist mein "Grosspapi" und mein Freund seit ich denken kann. Ihr genaues Alter weiss ich leider nicht, aber angeblich ist sie über hundert Jahre alt und gehörte bereits meinem Grossvater. Daher auch ihr Name.
Ich habe schon sehr viele Jahre keine Blüte mehr bei ihr gesehen - allerdings dürfte dies an den ungünstigen Standortbedinungen liegen und weniger an ihren Jährchen. Mal sehen, was hier die Zukunft bringen wird.
Zeit ist auch bereits wieder viel vergangen seit meinem letzten Geschichtchen... Der Sommer war halbehalbe und wir sehr mit dem Auflösen unseres Kellers beschäftigt - alles darin war verschimmelt und musste grösstenteils entsorgt werden. Schmerzhaft oft, da Souvenirs unserer Leben unwiederbringlich zerstört wurden. Aber auch ein Rückblick, was man im Keller zurückliess ... und im Alltag vergessen ging.
Diese Zeit hat mir auch gezeigt, wie sehr die Wahrnehmung von der eigenen Gesundheit abhängig ist. Wieder geriet ich in's "ackern" - nichts mehr wahrnehmend ausser der Arbeit, Haushalt und Zahlungspflichten. Gezeichnet durch Müdigkeit und Energielosigkeit.
Wie mein Rheumatologe erklärte: ein typisches Zeichen meiner RheumaErkrankung. Die permanente Entzündung in meinem Körper ist verantwortlich für diese Symptome. So verwundert es mich heute nicht, warum ich keine Gedanken für meine Geschichten hier hatte.
Ein neues Medikament lässt mich nun Hoffnung schöpfen. Andere Wirkungsart und ... so muss ich zugeben - bereits jetzt nach recht kurzer Umstellungszeit erste Zeichen von mehr Leben. Und der Hoffnung wegzukommen von Kortison und Rheumamitteln, welche auf Dauer Knochen und Organe angreifen und beschädigen.
Genau in dieser Zeit besuchte mich eben auch meine Freundin aus Aarau.
Mir wurde bewusst, wie gut sozialer Kontakt in der Seele tut. Ich muss nur darauf achten, dass er auf eine Art und Weise stattfindet, die meinen Bedürfnissen auch dient (Schwerhörigkeit lässt grüssen). Und ja - wir haben auch über meinen Blog (neudeutsch für meine Schreibereien hier) gesprochen und dass ich keine Idee hätte... es waren Ihre Worte: "... schreib doch über die Freundschaft ..." Danke für den Input!
Eine weitere alte Freundschaft ist meine Chöubi - die traditionelle Kirmes in Olten am letzten Tag von den Sommerferien. In meiner Kindheit herrschte die allgemeine Überzeugung, dass der Herbst am Chöubi-Montag beginnt (der Jahrmarkt hat immer seinen Abschluss am ersten Schultag, damit die Erstklässler am Nachmittag noch einmal an's Fest können) - und tatsächlich war es IMMER so, dass am Montag zum ersten Mal Nebel über der Aare und an den Hügelflanken schwaberte.
Hier in Konstanz zeigt sich die Zeit dieser Zeichen auch bereits in Regenstürmen und den ersten braunen Blättern auf der Seepromenade.
So intensiv wie noch nie in meinem Leben nehme ich diese Zeichen wahr. Die Zeichen der Zeit.
Vielleicht weil ich mir nun wieder die Zeit nehme, auch die Kraft dazu habe, abends nach der Arbeit oft noch etwas auf die Treppe am Ufer zu sitzen und die Füsse in den See zu tauchen.
Zeit, die Zeit wahrzunehmen.
Und sie zu geniessen.
23. August 2025
Wissen schützt vor Dummheit nicht ...
Oder doch?
Was dieses Foto eines wunderbaren Moments der imposanten Macht des Atlantiks mit Dummheiten zu tun hat?.... jaaa, sie kennen mich doch... dafür muss ich etwas weiter ausholen... ich weiss schon, warum meine Deutsch-Lehrer geseufzt haben, wenn ich meine PrüfungsAufsätze abgegeben habe... immer mindestens doppelt soviel Geschreibsel wie die anderen... *kicher*
Was an Weihnachten so klar wie Klossbrühe war: wir mussten dieses Jahr unbedingt und wirklich richtig gute Ferien haben, sonst würden sowohl mein Liebster wie auch ich in die Region eines Burnouts wandern. Die vergangenen zwei Jahre waren geprägt von Entäuschungen während sogenannter Ferien und Krankheiten, die uns auf eine sehr harte Probe stellten.
Aber jetzt musste die Erholung kommen, sonst ist unter dem Zahnfleisch wirklich nur noch Parodontose...
Anfang März war es dann so weit. Die Insel rief uns. Fuerteventura. Für mich ein Heimkommen an den Strand, den ich vor Jahren als Ruhepol und unverhoffte Rettung in turbulenten Zeiten kennengelernt hatte.
Mit dabei war ein Pakt. Wir versuchten als Paar das, was wir in den letzten 10 Jahren (es sind tatsächlich bald 11! Himmel! Wie die Zeit vergeht!) nie geschafft hatten: NICHT zusammenkleben *grins*
nicht das Gefühl haben, wir müssten alles gemeinsam erleben und machen, sondern jeder soll für sich die Ferien machen, die er braucht.
Da mein Lebensgefährte als Fotograf und Schattensucher genau das Gegenteil meines Strandtaschen und "egalwiekaltdasWasseristichschwimme!" - Daseins ist, machten wir in der Vergangenheit ständig denselben Fehler: einer musste leiden.
Nun denn... tatsächlich gelang das Experiment und ich ging zurück zu dem, was mir früher den Tank gefüllt und der Seele geschmeichelt hatte: Sonnenbräune, Schwimmen im Meer, Denken, Schreiben.
Und das hat unglaublich gut getan.
Ja. Ich hätte es wissen müssen. Es esch emmer so gsy (zu deutsch = war schon immer so). Wenn ich diese Ferien nicht hatte oder meine AufPapierSchreiberei vernachlässigte ging es mir schlecht. Und zwar mit genauso viel Sicherheit wie ein Kirchturm bequem in der Mitte vom Bodensee Platz hat. Eben. Wissen schützt vor Dummheit nicht.
Ist es nicht oft so, dass wir genau wüssten, was das Beste ist - in sooo vielen Situationen... und es trotzdem andersrum machen?
Ich versuche zu lernen. Jeden Tag.
Oft von meinen Patienten, immer mehr auch von meinen eigenen Fehlern.
Diese Zeit auf Fuerteventura war für mich eine unglaublich reichhaltige Schule. Die Küche im Hotel war tausend Anreize in 14 Tagen all inclusive verpackt. Die Mitarbeiter des Hauses eine Inspiration in Lebensfreude und sogar Ergonomie beim Putzen (Ich vergesse dieses Bild nie mehr: die Dame mit dem Wischmop bewegte sich, als würde sie tanzen!) und ich entdeckte, dass ich locker meine Schreiberei mit den FotoSessions meines Geliebten kombinieren kann - und so trotzdem mit ihm die wunderschönen Orte entdecke, die wir nur gemeinsam finden.
Ich gebe es zu... dürfte schon witzig aussehen: er hinter der Kamera am Rumklettern und Motive erhaschen, sie irgendwann auf nem Stein in der Sonne sitzen und vor sich hin schreiben. Aber... so waren es wirklich perfekte Ferien.
Wissen schützt vor Dummheit nicht, aber man kann dies ja auch erkennen und versuchen zu ändern.
Aus diesem Grund sitze ich jetzt im Zug... nein, nicht nach Fuerteventura. Das wäre zu schön um wahr zu sein. *schmunzl*... nein, ich sitze im Zug auf dem Weg nach Hofheim am Taunus. Dort findet ein Kurs statt auf den ich auf genauso verrückte Weise gestossen bin, wie ich jetzt anreise: mit leichtem Gepäck und 6h Zugfahrt.
Zurück zu dem, was ich mal war - zu dem, was mir immer gut getan hat.
Dass ich ein verrücktes Huhn bin, wird Ihnen meine liebe Freundin aus Mittenwald in Bayern von Herzen bestätigen - sie ist nämlich auch eines und das haben wir in unseren gemeinsamen Jahren mit allen Kräften auch ausgelebt. Sie bereitet sich gerade auf einen 100km in 24h Marsch vor... DAS schaffe ich dann leider doch nicht, aber an der Stelle ganz herzliche Grüsse über die Berge rüber!
Ich bin gespannt, was mir an Neuem begnen wird. Gut tun wird es mir auf jeden Fall. DAS weiss ich ... *schmunzl*
24. April 2025
Grenzen neu ausloten ...
In Anbetracht dessen, dass es bereits Februar ist möchte ich Ihnen heute etwas erzählen, das schon eine Weile zurück liegt. Hat aber an Gültigkeit in keinster Weise in der Zwischenzeit verloren.
Das Bild hier neben dem Text stammt vom Silvester des mittlerweile vergangenen 2024.
Damals suchten mein Liebster und ich verzweifelt die Sonne - wie so oft im Winter, seit wir am Bodensee leben. Eine unserer fast sicheren Zufluchten heisst Hemberg. Ein winziges Dörfchen mit kleiner Skipiste - meist eben genau über dem Nebelfladen, der sich quer durch die Schweiz und Süddeutschland fläzt.
Die grosse Überraschung am Silvester war die Tatsache, dass es Silvester-Kläuse nicht nur im Appenzell gibt, so wie es die Frau Bösse aus einem klugen Buch gelernt hat. Eine unglaublich urige und schöne Stimmung lag im Dorf und die wundersamen Gestalten jodelten sich von Haus zu Haus ... nach verlässlicher Quelle noch mehr am 13. Januar, dem Silvester nach altem Kalender.
Was aber an diesem Tag geschah war etwas, das noch viel wichtiger für mich wurde... wie bereits bekannt befanden sich meine Wenigkeit und mein Lebensgefährte auf Fasten-Pfaden... und als wir dann oben auf dem Berg standen, die Stelle hinter uns lassend, die wir bei unserem ersten Besuch da oben erreichten und die die Stelle hinter uns lassend, die wir bei unserem letzten Besuch erreichten... sagte mein Liebster zu mir: "... offenbar ist dort der schöne Aussichtspunkt" und zeigte auf eine Stelle noch weiter entfernt, noch weiter oben, auf der Spitze des nächsten Buckels, wo "es Bänkli" stand (zu deutsch: eine Sitzbank).
Ich schmunzelte und sagte nur: "wotsch?" (zu deutsch: willst du da hin laufen?). Es hagelte Befürchtungen. Zu wenig Wasser dabei, sowieso alles auf Notstrom, schon späterer Nachmittag... die Sonne ist vielleicht dann schon hinter dem Horizont, wenn wir zurückkehren würden - zugegeben, dann ist es wirklich sofort saukalt!
Ich stichelte weiter, an diesem Tag war ich so abenteuerlustig unterwegs wie kaum einmal in dem mühsamen 2024... bis wir schliesslich da hin liefen.
Grenzen sind da, um immer wieder ausgelotet zu werden und eben - neu gesetz zu werden.
Beim Zurücklaufen juckte mich die Sache noch mehr. Aus einer verrückten Idee heraus, hatte ich zuvor einen "Meschtsack" in meinen Rucksack gesteckt (zu deutsch: Müllbeutel - und ja... im schweizerdeutschen gibt es gefühlt eine halbe Million Begriffe für dieses Objekt *kicher*) - man weiss ja nie, ob man noch schlitteln möchte.
Meine letzte Schlittenfahrt lag über 10 Jahre zurück... und trotzdem. Eben genau darum...
Und als wir da bei der Berghütte standen, wo alle Kinder runterrutschen wie sie auf dem Bild oben erkennen können juckte es mich erst recht!
Da mein geliebter Lebensgefährte für vielerlei Spinnereien meinerseits zu haben ist, aber nicht für alle... trennten wir unsere Wege. Er wollte noch ein Foto von der Kuppe links runter... also Treffpunkt bei den Bäumen links im Bild.
Und ja. Ich habe es getan. Zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich mit über 44 meine erste Schlittenfahrt auf einem Müllbeutel hingelegt. Die Menschen um mich herum haben mich ziemlich komisch angeschaut. Keine Ahnung warum... *scheinheiligschallendlach*
Die Blutergüsse auf meinem Hintern hielten gleich drei Wochen bei mir aus - aber dieses Jauchzen beim durch den Schnee flitzen konnten sie nicht auslöschen!
Grenzen neu ausloten. Grenzen neu stecken. Aber auch Grenzen ganz bewusst neu ziehen.
Dass dies zum Motto meines Jahresstartes 2025 würde hätte ich an dem Tag nicht gedacht. Aber es ist es.
In der Praxis auch mal bewusst nein sagen, anstatt die kostbare Zeit nach Feierabend mit noch einem Patienten belegen, der den Termin am Morgen vergessen hat.
Nein sagen, wenn jemand zum x-ten Mal kurzfristig absagt und das Gefühl hat, ich habe dann nächsten Monat gleich einen Doppeltermin am Wunschtag frei, wenn meine Praxis schonst schon aus allen Nähten platzt.
Und auch Grenzen, die man ständig selbst weiter ausweitet bewusst werden, was man zuvor nicht bemerkte - und sei es auch nur durch ein so schönes Kompliment wie dasjenige meines Akustikers: "...sie sind schon bemerkenswert... sie machen eigentlich immer das, was mit ihrem Gehör unmöglich zu sein scheint."
Es wird ein sehr spannendes Jahr, dieses 2025.
Welche Grenzen haben Sie bereits erkannt... und bewusst versetzt?
17. Februar 2025
2024:
ver-rückte Festtage
Was Sie hier im Bild sehen ist eine Pflanze, die normalerweise als erste des Jahres ihre Blüten präsentiert (und übrigens herrlich duftet) - eben... erste des Jahres. Ich habe das Foto aber letzthin auf meinem Weg zur Kontrolle beim Rheumatologen gemacht. Ende November. N-o-v-e-m-b-e-r. Auf der Mainau (ich habe ja eine Jahreskarte von meinem Lebensgefährten letzte Weihnacht geschenkt bekommen) blühte der Klatschmohn der Frühlingsbepflanzung bereits vor dem ersten Schnee! Und auf dem Heimweg huschte ein rotes Eichhörnchen über die Strasse vor uns... *Jöööö!* - aber ehm... Winterschlaf? Scheint kein Thema zu sein bei dem Tierchen...
Bei mir entsteht somit der Eindruck, als wäre alles etwas ver-rückt gegenüber meinem Empfinden von Norm und Standard.
Als wäre dem nicht genug - überdenke ich auch gleichzeitig einige Traditionen und Normen meines eigenen Denkens.
Ich bin ja den Jahreszeiten nicht abgeneigt und geniesse wirklich die Besonderheiten der Quartale.
Aber letzte Woche habe ich den netten Typen kennengelernt, der samstags die Reisebusse auf KleinVenedig einweist. Keine Ahnung, warum das Grenzgebiet am See von Konstanz so genannt wird. Da ist weder ne Lagune, noch sieht irgendetwas so aus wie Chioggia - die Stadt, welche in Italien Klein-Venedig genannt wird (hmmm, warum wohl? Weil sie aussieht wie Venedig!)
Jedenfalls habe ich den freundlichen Mann in Neongelb angesprochen und gelobt, dass heuer auf der Hafenkante mit ner Spraydose Parkplätze für die Cars eingezeichnet wurden, was bestimmt dem bisherigen Chaos mit über 10 kreuz und quer parkenden Riesenautos endlich einen Riegel schiebt.
Er schmunzelte nur und meinte, DA hätte es ja noch ein paar Plätze frei, dort aber nicht mehr - und zeigte damit in Richtung See wo sich auf dem Wiesengelände, wo sonst im Oktober das Festzelt aufgebaut wurde.... 25 Reisecars aneinander reihten!!
Ich zählte wie in Trance weiter, während ich der Hafenkante entlang weiter meinem Heimweg entlang lief. An Radfahren war nicht mehr zu denken - zu viele Fussgänger. Bei 31 hörte ich auf. Schluck. Alle Pläne mit Mittagessen in der Stadt oder am soeben begonnenen Weihnachtsmarkt dahin.
Sorry - aber wo soll da noch eine weihnächtliche Stimmung entstehen?
Ich meide sonst schon jeden Samstag die Stadt wegen den vielen Touristen - mittlerweile meide ich auch täglich die Hafenkante auf der Heimfahrt. Und wenn ich dann über die Strasse fahre, unter der die Menschenmassen sich durch die Weihnachtsmarktständte quetschen frage ich mich doch noch ab und zu.... guckt da überhaupt noch jemand, was die Marktfahrer verkaufen möchten?
Daher verkrümle ich mich in der Küche und backe ab und zu was - in Fortführung meiner Erinnerungen an die Adventszeit in meiner Kindheit - und versuche so, "mein" Weihnachten zu bewahren.
Weihnachten - auch da... die einen fliehen in die Ferien. Die meisten erzählen, dass sie eigentlich keine Geschenke mehr machen (ja, wer kauft denn die ungaublichen Mengen an Geschenken, die in den Geschäften stehen?)... und ich? Ich werde heuer an den Festtagen mit meinem Lebensgefährten fasten.
Als ich das zum ersten Mal selbst gesagt habe, musste ich lachen. Der Entschluss ist rein praktischer Natur.
In den zwei Wochen ist arbeitstechnisch am wenigsten los und wir werden sowieso keine Ferien in der Ferne machen.
Fasten nach Buchinger wurde mir wärmstens von einer Patientin empfohlen, welche diesselbe Rheumaerkrankung hat, wie ich neuerdings. Mit dem Heilfasten lässt sich offenbar das Immunsystem "umpolen" - die Not der fehlenden Nahrung bringt es dazu, andere Prioritäten zu setzen, als den Körper anzugreifen, in dem es drinsteckt.
Also ran an den Speck!
Meine Devise bei solchen Dingen ist eh: wenn schon so eine geniale Info... Machen! Nicht nur darüber reden.
Ich muss einige Dinge bei dieser Fasten-Art für mich beachten. Da is nix mit Fruchtsäften oder Salz in Gemüsesäften... darf i ned. Wird also richtig intensiv.
Aber je mehr ich mich darauf vorbereite und Info's sammle, wie ich das anstellen soll, desto mehr kommen auch philosophische Gedanken... eigentlich finde ich das eine schöne Idee.
In der Zeit, wo man der Völlerei fröhnt und Prunk im Vordergrund steht ... alles umdrehen und den Verzicht mal auf die Bühne zerren.
Jetzt völlig ohne religiösen Moralgeschichten: Maria und Josef hatten ja auch nix. Jesus wurde in ärmlichsten Verhältnissen geboren. Was liegt dann diesem Fest, dessen ursprünglicher Grund eine Geburt in der Einöde ist, nicht näher als der Verzicht?
Kann man darüber diskutieren - ist mir schon klar.
Auch mit der Info, dass Weihnachten ja eigentlich auch die heidnische Feier der Wintersonnenwende ist...
Aber mir gefällt einfach der Gedanke vom Aufräumen, bevor ein neues Jahr beginnt.
Usputzete (zu deutsch: Ausputzen) zwischen den Jahren sozusagen.
Und auch ein ganz bewusstes Abwenden von der aktuellen Kaufwut.
Wir haben alles.
Ich brauch nix, ausser etwas Ruhe und die Natur um Kraft zu tanken für einen neuen Lebensabschnitt.
Früher - Weihnachten in meiner Kindheit - waren die Festtage auch immer ein Grund, mal die Möbel in der Stube abzustauben und nicht selten packte mich da auch die Lust, mein Zimmer völlig auf den Kopf zu stellen. Jetzt geht es mir und meinem Lebensgefährten auch so.
Zeit haben, endlich das Lager aufzuräumen, in der Wohnung die Möbel vielleicht anders stellen, sich auch hinterfragen, was man wirklich braucht und was nicht... bei Essensgewohnheiten wie auch bei den Dingen um einem herum. Innen und Aussen putzen und aufräumen. Ver-rückte Festtage eben *schmunzl*
Wer weiss, vielleicht habe ich Sie nun auch etwas zum Grübeln gebracht und Sie ertappen sich dabei, im Kopf Möbel herumzurücken und was Neues für das neue Jahr auszutüfteln... wenn ja... geniessen! Der Zauber des Neuen ist so köstlich! *zwinker*
06. Dezember 2024
Lehrpflaster 1259...
3 Monate... ein ganzes Quartal... Puha... dieses Lehrpflaster (Nr. 1'258 hatte ich ja in der vorhergehenden Geschichte schon gelernt) hatte es wirklich in sich.
Zugegeben... ich überlege schon mehr als eine Woche am Titel für diese Geschichte hier rum... da wären gewesen: "Der Wendekreis einer Schnecke", "Leben an der Grenze", "Good things (Gute Dinge) ...", "Schnell - sogar die Wäsche" und "Ich bin wieder hier..."
Warum all diese seltsamen Überschriften?
Nun ja - ich war mit einem Multi-Infekt einen vollen Monat komplett ausser Gefecht und rapple mich seither so laaaaaaaangsaaaaam, ganz laaaaaaaaaaaangsaaaaaaaam wieder auf in Richtung normales Leben. Zeitweise bewegte ich mich wirklich mit der Geschwindigkeit einer Schnecke. Allerdings musste ich im Moment der Aufnahme des Fotos der heutigen Geschichte staunen, wie schnell diese Tierchen auf winzigstem Raum eine komplette 180° Wende hinkriegen! Ein Velo mit einem so engen Wendekreis wäre mein grösster Traum!
Mein Leben an der Grenze zum Machbaren war jedoch geprägt von einem grossen Ausbruch der bereits in der letzten Erzählung erwähnten rheumatoiden Arthritis, kombiniert mit Schädelhöhlenvereiterung, Husten und Fieber. Eine Woche lang 39° Fieber, das sich nicht durch die üblichen Mittel dauerhaft senken liess produzierte sehr interessante Halluzinationen im Delirium und zeigte mir auf, wo meine Grenze des Lebens ist.
Nach Antibiotika war ich zwar fieberfrei, hatte aber kaum Sauerstoff im Blut und einen Puls von 130 - immer. Zusätzlich zu den zig entzündeten Gelenken.
Eben. Grenzwertig.
Dass ich dann auf einen Satz von einem American Footballspieler stosse (des mit dem eiförmigen Ball - bin komplett Fan davon!), der genau das bezeichnete, was mir in dieser Zeit durch meine Patienten widerfuhr war ein wunderschönes Einkleiden meiner Gefühle in einer Zeit, als ich einzelne Stunden wieder an die Behandlungsliege trat: Greg Dorth sagte "Good things come those who work!" im schönsten Slang, grammatikalisch nicht 100% korrekt aber klingt im Englischen so schön rund... zu deutsch: Gute Dinge kommen zu denen die arbeiten.
Gute Dinge... ja, von denen wurde ich geradezu überhäuft.
Nur ein, zwei Patienten mussten wirklich die Therapie bei mir abbrechen und in anderen Praxen unterkommen - einfach weil ihre Gesundheitsprobleme zu akut waren um zu warten. Alle anderen - und damit meine ich wirklich ALLE - sagten bei jeder Absage, die ich wieder machen musste und immer mehr schlechtes Gewissen hatte weil schon wieder eine Woche keine Behandlung möglich war: "Schauen Sie zu sich, Frau Bösse. Ich komme gerne wieder, wenn es Ihnen besser geht."
Wow.
Sowas hatte ich noch nie erlebt. In keiner Phase meines Lebens.
Dieses Wohlwollen, diese Geduld, dieses Verständnis, ja diese Loyalität mir und meiner Arbeit gegenüber!
Einfach wow.
Und Merci!
Und an dieser Stelle auch ein mindestens ebenso grosses Danke an meinen Lebensgefährten - der jede freie Sekunde bei mir war um mir irgendwie zu helfen und beizustehen als gar nichts mehr zu gehen schien.
Dass dies nicht selbstverständlich ist, merkte ich immer wieder, da sich die Geschwindigkeit des Lebens ständig mit meinem momentanen Gesundheitszustand biss.
Sogar die Wäsche im Wäschesalon ist heutzutage innert 30min fertig!! Nix mit stundenlang Zeitung lesen und warten daneben...
Alles war viel zackiger unterwegs als ich.
Wie schnell normal tatsächlich ist realisierte ich erst nach der ersten Kortisontablette, als Blutwerte und Ärzte grünes Licht gaben, der Behandlung der Gelenksentzündungen (Schmerzskala 8 nonstop für alle die wissen, was das heisst) gegenüber derjenigen der Lunge den Vortritt zu geben.
Innerhalb der ersten 3 Stunden verzehnfachte sich meine Bewegungsgeschwindigkeit! Keine Lüge. Wirklich!
Nach diesen 3 Stunden konnte ich beide Arme wieder vollständig heben. Was vorher nur bis zur Tischplatte bewegbar war, war plötzlich mit Schwung und Lachen wieder über Kopf.
Erst da realisierte ich, was in den vorangegangenen 2 Monaten täglich Realität war. Ein Leben ohne Leben, eine Schnecke an der Grenze des Lebens war ich gewesen!
Die Köstlichkeit einer schmerzlosen Bewegung in normaler Geschwindigkeit ist wie ein Schluck aus einem Bergbach. Ein reineres, erfrischenderes und mehr Freude machenderes Wasser werden Sie nirgendwo anders kosten können.
Dieses Wasser des Lebens durfte ich kosten.
Und nun arbeite ich täglich daran, nicht zu vergessen wie es geschmeckt hat. Denn der Zahn des Alltags, die Geschwindigkeit der jetztigen Gesellschaft droht diese Erfahrung allzu schnell zu überdecken mit (oftmals falschen) Pflichtgefühlen und Erwartungen (von aussen wie auch an sich selbst).
Marius Müller-Westernhagen hat ein Lied gesungen, dessen Titel "Ich bin wieder hier..." lautet. Ich habe es seit diesem Tag mit der ersten Kortisontablette im Ohr. Gönnen Sie sich eine alte Aufnahme davon zu hören, der Herr besingt diese Worte mit einer herrlichen Melancholie.
Ja, ich bin wieder da. Und ich werde nie wieder gehen. Aber ich bin auch eine Andere geworden.
Mehr als je zuvor habe ich eine riesige Ohrfeige eingesackt, die mir sagt, was ich zu tun habe. Auf mich selbst aufpassen, damit ich das tun kann, was ich so sehr liebe: den Menschen zu helfen.
Aber das kann ich nur, indem ich meinen Körper nicht wütend auf mich selbst mache. Und DAS meine lieben Leser, ist ein Lehrpflaster, das wirklich schwierig ist umzusetzen.
Denn ich bin noch nicht aus dem Schneider. Die Entzündungen grassieren noch immer und das Kortison ist nur eine Hilfe, Zeit zu schinden um zu lernen was gut ist und was nicht. Und ob diese rheumatoide Arthritis sogar meine Lunge angeknabbert hat wird sich erst zeigen, wenn ich das Kortison vollends abgesetzt habe - was bekanntlich nur langsam geht.
Also... weiter lernen. Sehen, dass gute Dinge zu denen kommen, die ehrlich arbeiten. Fühlen, dass Leben nicht selbstverständlich aber unglaublich köstlich ist. Nein sagen, wenn etwas zu viel ist - auch wenn es die eigene kleine Stimme in einem selbst ist, die das Zuviel fordert.
Ich bin wieder hier - sitze in der Sonne am Bodensee nachdem ich vom Sommer keine Sekunde mitbekommen habe - und sauge das Licht auf, das mir vom Herbst geschenkt wird.
Und diesen Moment wünsche ich Ihnen allen.
19. September 2024
Was es bedeutet, niemals aufzugeben...
Die Zeiten in denen ich mich gerade bewege sind äusserst turbulent und der Blick auf das letzte Veröffentlichungsdatum bestätigt mir, dass die Wochen wieder einmal davonfliegen wie nix.
Doch es sind äusserst denkwürdige Wochen voller Premieren mit Staunen, Zuversicht und Tiefschlägen - und sogar Rekorde!
Es sind Wochen die mir in's Ohr flüstern, dass ich mit meinem Lebensmotto "es ist genauso richtig, wie es jetzt gerade ist" richtig liege und mich regelrecht umhauen mit dem Schrei "GIB NIEMALS AUF!" (ich hoffe, dass Sie jetzt nicht gleich taub geworden sind - sorry! *schmunzl*)
Premieren - wie dieser Farn auf dem Bild... wie oft habe ich schon über die spiralig eingerollte Spitze gestaunt - doch haben Sie jemals gesehen wie majestätisch sich die Arme darunter ausbreiten? Wie eine Tänzerin, die im Begriff ist, sogleich die gesamte Welt zu umarmen.... und doch nur eine einfache Pflanze...
Oder dieses andere "erste Mal" - ich begleitete meinen Lebensgefährten nach München zu zwei Metallica-Konzerten. Ich... die in ihrem ganzen Leben noch an keinem solchen GrossAnlass zugegen war. Ich war auch noch nie in dieser Stadt geschweige denn in so einem grossen Stadion. Das Maximalste war damals in Studiumzeiten die Aufführung von Aida im Joggeli-Stadion in Basel.
Nun ja - das OlympiaStadion hat mich mitsamt dem darum herum angelegten Park architektonisch sehr angesprochen und es ist wirklich extrem imponierend, wenn man die Treppe runter auf die Stadionmitte herunterläuft und sich so langsam bewusst wird, wie gross das eigentlich alles ist. Aber die Stadt selbst - sorry liebe Münchner - nicht meins. So schön diese altehrwürdigen Bauten sind - das Gehetze der Menschen darin zerstört für mich alles.
Dazu kam der Besuch bei einem HNO-Arzt ebenda, der sich auf Musiker spezialisiert hat. Eine eher traurige und ernüchternde Erfahrung. Mein Gehör hat sich noch weiter verschlechtert - eigentlich wäre ich ein Kandidat für Cochlea-Implantate. Dann würde ich noch 36 Töne maximal hören können, die dafür gut. Will ich nicht. Mit aller Vehemenz. Denn ich will singen und hören wie die Welt ist, mit allen Zwischentönen, die es noch irgendwie in meine Ohren schaffen - oder in mein Gehirn, wenn man es genauer sagen will. Das Deprimierende an dieser Konsultation war aber nicht diese Info - das wusste ich ja schon vorher. Nein, mein Gehör ist es, das mich die Töne der Musik oder des Klaviers meines Gesangsleherers falsch hören lässt. Es verschiebt den Ton auf die nächste Frequenz, die ich noch hören kann. Fatal. Nicht das Hörgerät allein ist schuld. Ich werde immer falsch hören und raten müssen, was ich denn wirklich singen soll. *uff*
Und trotzdem: ich kann singen, ich hab nen Lehrer, der sich die Mühe macht, mit mir solche Hürden zu überwinden, und ich will mich nicht unterkriegen lassen von solchen Diagnosen.
Dann folgte die Premiere als Marktfahrerin ... am Kreuzlinger Markt mit selbstgemachten Dekoartikeln und etwas Beratung vom Physio mit Werbung für meine Praxis ... bei ströööömendem Reeeegen ... na, den Test für Wasserdichte habe ich definitiv bestanden *kicher*, denn ich habe natürlich wie immer alles mit dem Rad transportiert. Im September folgt die zweite Partie mit demselben Anlass - sie glauben es kaum, aber ich hoffe seeeehr auf trockenes und warmes Wetter... *prust*
Ganz nett - ergab sich in den letzten Tagen der leider recht sichere Verdacht, dass ich mit einer weiteren Premiere ein Familienerbe antrete: dutzende Gelenksentzündungen an Füssen, Händen, Knien, Hüften, Schultern und sogar Kiefer gleichzeitig läuten bei mir die rheumatoide Arthritis ein.
Ganz ehrlich: ich wusste ja, was mir Tante und Bruder von den Symptomen immer erzählten - und habe auch einige Patienten schon mit derselben Krankheit begleitet.
Aber selbst zu erleben, wie jeder kleinste Schritt, jeder noch so kleine Handgriff Schmerzen auslöst, die einem innerlich schreien lassen ... ich lerne wieder einmal demütig, Respekt vor den Menschen zu haben, die mit solchen Schmerzen ihren Alltag bewältigen.
Einfach weil es nicht anders geht.
Ich bin auf gutem Weg. Habe Hilfe gefunden bei einem sehr engagierten Arzt. Aber dennoch. Lehrpflaster 1'258 erhalten und sich hinter die Ohren geschrieben.
Nächste Woche wird mein Debut als Fortbildungsleiterin folgen - ich bringe das Thema "Umgang mit schwerhörigen Patienten" aus Tapet der Pflegenden - da muss ich noch wirklich ran, in dem Getrubel bin ich natürlich kaum mehr dazu gekommen, diese Schulung auszufeilen und alle meine Ideen einzubauen.
Und was schleicht sich in diesen wahren Wirbelsturm von Premieren des Lebens und unterschiedlichster Gefühle so klammheimlich hinein?
Ein Rekord.
32.
Was am 14. August 2021 mit einer einzigen Behandlung begann und in den Jahren darauf ständig mit etwa 13 TherapieSitzungen pro Woche herumköchelte - mit Hochs und Tiefs, die einem schlottern liessen - fand dieses Jahr Mitte Mai zum zweiten Mal seinen Höhepunkt seit Bestand meiner Praxis mit 20 und diese Woche mit unglaublichen 32 geplanten Behandlungen den absoluten Rekord!
Klar, der Durchschnitt von 20 sollte erst mal bleiben, damit alle Kosten gedeckt wären. Aber diese Zahl - 32 - die heute Realität wurde, musste ich Ihnen jetzt unbedingt hier niederschreiben. Mein ganz persönliches Zuprosten an Sie!
Denn ohne Sie, meine Bekannten, ehemaligen Patienten, Freunde ... Sie alle - ohne Sie wäre ich nicht die Person, die ich heute bin, ohne Sie wäre diese Praxis nie entstanden. Und diese Woche ist zum ersten Mal die Hoffnung da, dass die Praxis auch dauerhaft bestehen wird.
Da ich keinen Alkohol mag, habe ich anstelle eines Sekt skandieren mir ein SchokoladenSoufflé gebacken und genossen.
In diesem Sinne: Hoch den SchoggiLöffel!
Niemals aufgeben. Nie.
05. Juni 2024
Aprilwetter
Der Abend ist schon etwas alt und ich wundere mich, dass ich überhaupt die Augen noch offen halten kann.
Offenbar macht meine Energie momentan dieselben Achterbahnkapriolen wie das Wetter hier.
Ja. Es ist April. Dennoch ist es ein bisschen extrem mit 26° an einem Tag und 7° am anderen... und diese Woche will die Prognose wissen, dass es nachts dann auch locker so gegen und unter Null werden kann. Allerdings hat in den letzten Monaten die Prognose tatsächlich noch NIE gestimmt. Lassen wir uns also überraschen.
Das Wetter beruhigt mich auch ein kleinesbisschen. Es ist April und das Wetter ist wie im April meiner Kindheit. Wechselhafter als im gesamten restlichen Jahr. Da ist dann doch etwas Hoffnung, dass das Jahr tatsächlich halbwegs normale Jahreszeiten hervorbringen könnte. Das wäre doch das Nonplusultra der letzten Jahrzehnte!
*schmunzl* hätte nie gedacht, dass ich mal in solchen Zeitabständen denke - ich werde wohl langsam alt... *prust*
Mein Leben selbst scheint das Thema Aprilwetter auch gerade voll auszukosten - von Himmelhochjauchzend zu Zutodebetrübt scheint gerade täglich zu wechseln...
Aber was so richtig Energie gibt ist die Aussicht, scheinbar endlich das Rezept für meine Praxis gefunden zu haben, das mir am meisten entspricht:
ich träume von einem Stand an Märkten in Kreuzlingen, von einem Tag der offenen Tür in meiner Praxis, von "Gwunder Obe" - einer Vortragsreihe in kleinem Rahmen ebenda und gar von Schulungen für Gesundheitsfachpersonal zum Thema "Umgang mit schwerhörigen Patienten" ... und ich bin fleissig am organisieren, damit diese Träume wahr werden.
So gesehen haben die Ereignisse aus meiner letzten Geschichte einen ganzen Staudamm eingerissen und das zutage gelegt, was ich eigentlich schon immer mit Herzblut gemacht habe. Ich war blind. Jetzt aber sehe ich, mit welchen Mitteln ich auf mich aufmerksam machen kann - und das mit einer ganzen Ladung Enthusiasmus.
Es würde mich unheimlich freuen, wenn ich jemanden von Euch treuen Lesern an meinem ersten Marktstand am 01. Juni in Kreuzlingen treffen dürfte. Kleiner Tipp: auf der Homepage meiner Praxis unter "Aktuelles" findet sich, wo ich künftig überall ausserhalb der Therapiezeiten anzutreffen bin. Und die Website finden Sie, wenn Sie meinen Namen bei Google eingeben ... oder einfach hier draufklicken *schmunzl*
Und wenn Sie das Leben auch gerade so richtig durchschüttelt: alles neu macht der Mai wie es so schön heisst... dauert ja nicht mehr solange *zwinker* ...
18. April 2024
Würfel des Lebens ...
Endlich sitze ich mal auf einer Bank, die Sonne scheint mir in's Gesicht und ich geniesse die warmen Temperaturen vor dem Wochenende mit Schneeprognose. Tatsächlich gestaltet sich das Wetter sehr aprilhaft - und das schon seit mehreren Wochen.
Für mich ist allerdings nicht nur das Wetter gerade ein stetes Durcheinander - insgesamt steht meine Welt grad etwas sehr auf dem Kopf. Ich frage mich nur, bei wem dann die Welt auf den Füssen steht - vielleicht bei jemandem in Australien *grübl* - na ja, lassen wir den Gedanken mal stehen...*kicher*
Kennen Sie dieses Spiel "Story Cubes"?
Ich habe es vor doch schon einigen Jahren im Bücherladen in Olten entdeckt: es sind mehrere Würfel mit lauter Symbolen anstelle der Zahlen auf den Flächen. Die Idee ist, dass man würfelt und aus den Symbolen dann eine möglichst lustige Geschichte erfindet. Für mich mit meiner überbordenden Phantasie natürlich ein gefundenes Fressen... und meine Nichten lachen heute noch, sobald ich nur schon im entferntesten zu den Worten "es war einmal, vor laaaaaaanger, laaaaanger..." ansetze. Diese "laaang" zog ich dann so sehr in die Länge um dann zu sagen "vor gar nicht allzu langer Zeit", dass sie sich schon auf dem Boden kugelten vor Lachen bevor ich überhaupt so etwas ähnliches wie eine Geschichte zusammenbröselte...
Tatsächlich kommt es mir aber wirklich so vor, als hätte ich gerade diese Spielwürfel geworfen und erlebe nun einen Teil meines Lebens mit einer völlig abstrusen Story.
Angefangen hat alles schon vor einigen Wochen mit Hoch's und Tief's in allen Bereichen - ich habe neue Nachbarn bei meiner Praxis und der nette Therapeut bot an, um sich kennen zu lernen mal nen Termin auszumachen. Dabei entdeckte er, dass ich auf MilchEiweiss offenbar mit einer hochgradigen Unverträglichkeit reagiere. Ich wusste, dass ich als Neugeborene diese schon hatte - normalerweise verliert sich die aber in den ersten Lebensjahren.
Bei mir scheinbar nicht. Das kommt selten vor heisst es in der schulmedizinischen Literatur. Mein neuer Nachbar wusste aber, dass rund 25% der Erwachsenen diese Unverträglichkeit haben.
Das tröstete mich nur wenig. Meine Ernährung war bis dato geprägt von Milchprodukten - ich liiiiebe Käse, Joghurt, Mascarpone, Frischkäse etc etc. - und unser Kühlschrank war gerade frisch gefüllt.
Leider - oder zum Glück - wurde wenig später die Diagnose von anderer Seite bestätigt. Und das Weglassen von praktisch allem, was bisher mein Essen ausmachte zeigte, dass ich seit Jahren den Grund meiner Blähungen und Erschöpfungszustände an falscher Stelle gesucht hatte.
Mein Leben wurde einfach mit diesem einen "du verträgst Milch nicht" in kürzester Zeit komplett umgestülpt. Hallelujah!
Mittlerweile muss ich ehrlich sagen: habt mehr Respekt vor Leuten mit einer Allergie!
Egal ob es Laktose (ist was anderes als Milcheiweiss!!), Gluten oder andere Lebensmittelbestandteile sind. Es ist ein extremer Aufwand, sich "anders" zu ernähren. Immer und ständig sagen zu müssen, dass man was nicht essen darf. Echt - Hut ab!
Ich hatte ja vorher schon viel Verständnis für so Geplagte, aber jetzt selber sich durchboxen müssen durch das Unverständnis von Mitmenschen ("des ist doch ned schlimm, es gibt ja heute soooo viele Alternativen... Google sagt, der Käse geht - nein. er geht nicht. Ich habe Milcheiweiss- und ned Laktoseunverträglichkeit...") und die Suche nach dem, wie die Ernährung künftig möglich ist (sorry, aber Milchersatzprodukte sind wirklich einfach nur BÄH!)... *uff*
Doch das war ja nur das erste Symbol auf meinen Würfeln, wie ich bald herausfinden musste... nach dem Käse kam dann etwas, womit ich wirklich nie gerechnet hätte.
Ich grübelte sogar an meinem nächsten Blog zum Thema "Möuch" (Milch für alle nicht-Solothurner) rum, als ich an jenem Samstag Morgen über die Brücke zur Arbeit fuhr. Es war halb neun und die Stadt noch gänzlich ausgestorben. Bis auf die Frau, die vor mir auf den Radstreifen zu Fuss unterwegs war. Das kommt leider sehr häufig vor, obwohl die Brücke einen eigenen FussgängerTeil hat. (Es gibt aber auch jene Velofahrer, die dann dort fahren - eben... die Gesellschaft und ihre Regeln... oder das Ignorieren derselben... *grmpf*)
Ich ahnte nicht, was für ein Krimi auf mich zukam. Die Frau drehte sich in 20m Abstand zu mir um und begann zu schreien. Und auf mich zurennen.
Wie ich eben bin, hielt ich an im Glauben, dass ihr was Schlimmes passiert sei und sie Hilfe braucht. Ich verstand ja nicht was sie schrie (schwerhörig sein ist manchmal wirklich doof).
Als die Frau dann bei mir ankam - griff sie nach meiner Kehle und begann mich zu würgen.
Leider kein Witz.
Sie schrie ständig weiter und ich verstand die Welt nicht mehr.
Als 11 Jährige schon im Selbstverteidigungskurs konnte ich mühelos ihre Hand so halten, dass sie mir nicht wehtun konnte. Ich fühlte, dass ich mehr Kraft habe als sie. Also hatte ich auch keine Angst.
Ich fragte, was los sei... sie schrie einfach nur weiter. Irgendwann spuckte sie mich an und liess los.
Und irgendwann begriff ich, dass sie nicht deutsch sprach - sondern englisch. Ich sprach sie in ihrer Sprache an - erntete aber leider nur ne Bestätigung dass sie englisch spreche und ein weiteres Anspucken. Sie versperrte mir den Weg zur Arbeit. Ich bat, vorbeifahren zu dürfen. Treten gegen das Rad und weiteres Gezeter in den höchsten Tönen.
Irgendwann schaffte ich es an ihr vorbei. Doch als ich am Ende der Brücke das Handy hervorholen wollte um meinen Lebensgefährten und die Polizei zu informieren rannte sie hinter mir her und schrie erneut.
Also Flucht.
In der Praxis musste ich dann merken, dass sich mein Tinnitus in Düsenjetlautstärke übte ... und mein linkes Hörgerät weg ist.
Alles suchen in den Kleidern erfolglos (und ich hatte nicht wenige an wegen der Kälte).
Mit einem Ohr (zudem dem schlechteren) und dem Airbusgebrumme auf beiden Ohren versuchte ich die Polizei zu alarmieren, meinen Liebsten zu informieren und mich bei meiner ersten Patientin zu entschuldigen. Ich musste zurück zur Brücke.
Dort gab es ein Treffen mit der Polizei und meinem Liebsten, derweil 5 Polizeiwagen an mir vorbeifuhren mit Lalülala. Ob ich die wohl ausgelöst hatte? *huch*
Na ja - langer Rede, kurzer Sinn: mir geht es gut, ich habe keine Angst, die Polizei fand die Frau, geholfen wird ihr nicht und das Hörgerät ist und bleibt weg. Jede Suche blieb erfolglos.
Und weil mein Akustiker in den Ferien war und keine entsprechende Filiale von Überlingen bis Singen bereit war auszuhelfen (weil kein genug starkes Leihgerät im Hause) blieb ich auch für eine gute Woche halbseitig taub. Danke.
Da wurde mir wieder mal bewusst, was für ein Improvisationstalent mein Akustiker war, der mir bis jetzt in jedem Notfall (Hilfe, ein Hörgerät ist kaputt!) irgendetwas zusammenbastelte, mit dem ich wenigstens halbwegs was hören konnte.
...und wie verständnisvoll meine Patienten, wenn ich wieder mal völlig hilflos nur selig lächle und nicke, weil ich nichts verstanden habe und es nicht mal merke...
Danach ging es weiter mit Würfel Nr. 3: das Hörgerät ist nicht nachbestellbar weil schon zu altes Modell (4 Jahre!) - ich muss ein komplett neues Hörsystem anpassen. Kostenpunkt: 6200.- aufsteigend.
Na Prost.
Ich sah schon ein riesiges Hickhack mit Polizei, Versicherungen und der Angreiferin auf mich zukommen.
Aber - ein Hoch! - die IV ist kulant und ich darf die Neuanpassung wirklich jetzt schon anmelden, obwohl ich zeitlich noch keinen Anspruch darauf hätte (da ich so abartig schlecht höre, aber arbeite, bezahlen Sie sehr wahrscheinlich beide Geräte vollständig - Härtefallregelung sei Dank).
Dafür muss ich nur wieder 15 Monate in Abklärungen und Neuanpassungen an ein komplett neues Hören investieren... Juhuuu! *Augennachobenverdreh*
Ich hab noch nicht begriffen, warum mir des alles passiert ist - aber bis jetzt hatte ja wirklich alles einen Grund - mal sehen, ob er sich mir noch zeigt...
Der letzte Würfel ist dann netterweise eine Blume.
Habe ich letztes Jahr schon die Magnolienblüte in unserer Hauptstrasse sehr intensiv wahrgenommen (siehe Blog "Duften die?" von 2023) scheine ich als Gegenpol zu all diesen verrückten Erlebnissen dieses Jahr noch deutlicher die Natur im Erwachen des Frühlings zu erleben.
Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass die Jahreskarte von der Blumeninsel hier um die Ecke mich und meinen Lebensgefährten fast jede Woche in unser "Gärtle" lockt - wir haben ja kein Zutrittsrecht für die Gartenanlage unseres Wohnhauses *schulterzuck*.
Auf der Insel sind dann eben die Profis am Werk und zaubern wirklich wunderschöne Beete voller Zeugs, das einem ab Januar dann das erste Lächeln in's Gesicht zaubert, wenn die Kamelien zu blühen beginnen - oder eben jener herrliche Busch im Bild, ein Papierstrauch (irgendein asiatisches Pflänzle) der es tatsächlich im Februar schon geschafft hat so sehr nach Jasmin zu duften, dass mit den ersten Sonnenstrahlen an jedem Ast Bienen und Schmetterlinge rumwuseln. Herrlich.
Einmal mehr wird mir damit bewusst, wie wichtig es ist, die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Es ist nicht nur die Farbe und die Pracht des schönen Bildes, wenn so in einer Ecke pures Leben summt und brummt. Es ist auch der Geruch, das samtige Gefühl von den seidigen Blütenköpfen die einem den Frühling direkt in die Seele tragen.
Nicht selten tun wir zwei beim Anblick der ersten Pflanzen auf der Insel erst mal ganz tief einatmen und seufzen. Einfach, weil es so gut tut.
Mal weg vom Lärm des Alltags, dem Grau, der Unfreundlichkeit der Masse.
Hin zu dem leisen Motörchen der Natur, den Farben und dem Grüssen der anderen Inselbesucher, die ganz selig auf den Wegen herumschlendern.
Ich wünsche mir, dass jeder Zugang hat zu irgendeinem Ort, der ihm das zu Schenken vermag.
Der Winter wird dieses Wochenende noch einmal vorbeischauen - aber in unserem Herzen sehnen wir uns doch schon längst nach dem Frühling.
Sagen wir der Kälte doch ganz freundlich auf Wiedersehen.
Ich wär dann soweit, lieber Frühling.
22. März 2024
Klebernödel!?
Wenn Sie jetzt völlig verständnislos den Titel nochmals lesen und sich fragen was das sein soll wissen Sie, wie es jüngst dem armen Metzger erging, der mich in unserem Stamm-Supermarkt an der Theke (ja, ich habe tatsächlich das Privileg, noch eine echte offene Metzgerei im Laden zu haben - wie schön war das früher, als das normal war!) bedienen wollte. Mein Liebster derweil neben mir kugelte sich vor lauter Lachen - es ist wieder einmal passiert. Aus lauter Konzentration, was ich jetzt bestellen will und Befürchtung, dass ich den 2m entfernten Verkäufer kaum verstehen werde, hat mein Hirn wieder einmal ein neues Wort kreiert. Tatsächlich wollte ich ja bloss zwei von den extremst leckeren Leberknödeln, welche unsere Metzgerei selbst herstellt. Nach dieser Aufklärung musste dann aber auch der Mann auf der anderen Seite der Fleischauslage schmunzeln. Er dachte wohl schon, dass ich ihn auf Suaheli anspreche oder so *kicher*.
Neue Dinge im Alltag können uns Erwachsene ganz schön aus dem Konzept bringen. Umso schöner, wenn man darüber lächeln oder gar staunen kann.
Ich bin mir ja gewohnt, dass meine Wortverdreher mein Gegenüber aus dem Alltag reisst. Doch ich selbst habe vor ein paar Tagen ein wunderschönes Erlebnis in diese Richtung gehabt, das mir wieder einmal bewusst machte, warum ich hierher an den Bodensee umgezogen bin und so ziemlich alles zurückliess, was mein bisheriges Leben war: das Leben am Wasser mit allen Sinnen zu erleben.
Ich sass am Ufer zur Sonnenuntergangszeit - es gibt dort eine Stelle mit ein paar betonierten Steinstufen, die scheinbar keinen Sinn machen, welche aber an diesem Abend für mich der perfekte Ort waren. Die Sonne verabschiedete sich eigentlich recht unspektakulär hinter der Anhöhe von Kreuzlingen und ich blieb etwas sitzen um gegenüber in den östereichischen Bergen und der Steilwand des Säntis ein erstes Alpenglühen à la Heidi zu sehen. Dieses Schauspiel habe ich hier noch nie so bewusst wahrgenommen und plötzlich waren dann Menschen hinter und neben mir, um Fotos von den dafür viel zu weit entfernten Bergen im Dunst zu machen.
Der Zauber währte nicht lange und ich war wieder alleine.
Ich träumte etwas mit dem Blick auf den See und den Steinen vor mir dahin als ich plötzlich eine kleine hohe Stimme vernahm.
Ein sehr junges Mädchen war mit seinem Grossvater unterwegs - erzählte ihm offenbar etwas - und stupste dabei mit den Schuhen den einen oder anderen Stein an. Vor mir blieb sie ohne Scheu einfach stehen - dem Grossvater war dies offenbar nicht recht und er lief weiter und wartete abseits auf seine Enkelin.
Das Mädchen betrachtete fasziniert die Eisdecke, welche sich vor ein, zwei Tagen auf den Steinen am Ufer gebildet hatte.
Ich musste Lächeln. Auch ich habe das hier am See zum ersten Mal gesehen. Das Eis ist glasklar, und man kann die Steine darunter erkennen, die durch anschmelzen und erneut gefrieren aussehen, als würden sie vom Eis ganz zärtlich umrahmt werden.
Dann verblüffte mich das Mädchen komplett.
Es ergriff ein Stück des Eises und drehte es um - es wollte wissen, wie es auf der anderen Seite aussieht.
Ich gab ihr in meinen Gedanken recht - von allen Seiten betrachten was neu ist. Den Gwunder stillen und staunen, was da die Natur wieder einmal gezaubert hat. Und nicht nur sehen und weitergehen.
Dieser Moment war nur sehr kurz, aber ich habe von dieser doch so jungen Dame etwas gelernt: es lohnt sich immer, auch die andere Seite anzuschauen - vielleicht könnte sie einem ja überraschen.
Damit Sie sich jetzt nicht auf die Suche nach Eis auf Steinen bei Gewässern machen habe ich Ihnen die Rückseite eines dieser Eisstücke fotografiert. Es sah witzigerweise anders aus, als ich es erwartete, obwohl mir das Verständnis von Physik und Natur ein Bild in den Kopf malte.
Von der Rückseite betrachtet war das Eis nicht mehr so durchsichtig und winzige Krümel von Erde, Lehm, Moos und sogar einzelne Pflanzenteile waren angeeist und eingeschlossen. Faszinierend.
Wann haben Sie das letzte Mal etwas erkundet, das Sie noch nie gesehen haben?
Wann haben Sie überhaupt das letzte Mal etwas gesehen, von dem Sie dachten, dass Sie es noch nie gesehen haben?
Es gibt nämlich jede Menge davon, unsere Welt ist ja selbst im Kleinsten so unendlich gross ...
31. Januar 2024
Transformation ...
Vor mehr als 18 Jahren begegneten mir diese Buchstaben genau auf dieser Karte im Bild in England. Es war mein Sprachaufenthalt und ich war auf der Suche nach etwas anderem - stiess dabei aber eben auf dieses Wort. Transformation. Als Lateinerin wusste ich, dass es im Deutschen wie auch im Englischen gleich geschrieben wurde. Die Engelsfigur wies mich auch darauf hin, dass ich mit meiner Vermutung, dass es bei der Bedeutung um Umwandlung oder Verwandlung geht richtig war. Trotzdem war und ist dies ein aussergewöhnlich seltsames Wort für mich.
Im Wörterbuch steht: Umwandeln, Umformen, Verwandeln, Verändern.
Ich konnte damals nicht viel damit anfangen, aber Anfang dieses Jahres setzte sich dieses Wort in meinem Kopf fest.
Ich hatte zum Abschied meiner Anstellung und zu Weihnachten das eine oder andere Geschenk erhalten.
Mir fiel auf, dass es wesentlich weniger Geschenke waren als in den letzten Jahren um diese Zeit - was nicht schlimm ist - und dass sich die Schere der Gesellschaft auch hier offenbarte. Die einen Präsente waren schlicht Schokolade (als Physio fürchte ich schon fast die unweigerlich kommenden "Merci"-Packungen) und die anderen waren aber dafür unglaublich herzliche, wohl durchdachte Wünsche in materieller Form. Von meiner asiatischen Patientin habe ich zum Beispiel einen Jade-Anhänger bekommen - der Inbegriff von Glück in ihrer Kultur, eine andere Dame wünschte mir Glück in Form eines quiekenden Stoff-Schweinchens und meine inzwischen ehemalige Chefin schenkte mir gar einen Rucksack mit meinem Praxislogo bemalt und gefüllt mit Gewürzen, Badeölen und sonstigen Leckereien - was für eine Überraschung!
Mir scheint, es findet gerade eine Umwandlung der Menschen statt. Auch ich selbst verändere mich gerade.
Mein Leben als vollständig selbstständige Physiotherapeutin ist doch sehr viel anders als ich dachte. Jeden Tag überlegen, was ich wann und wie tun möchte anstelle von einfach in den Zug steigen und arbeiten gehen.
Plötzlich ist viel mehr Zeit für Nachdenken, Planen und Machen als gedacht. Seltsam. Wie das Wort Transformation für mich eben auch, obwohl doch die ganze Welt aus ständiger Umwandlung und Veränderung besteht - dort nennt man es dann einfach Evolution. Ich bin mit meinem Denken immer sehr naturnah, daher ist es für mich wortwörtlich denkwürdig, dass Evolution nur so durch meinen Kopf flutscht, aber Transformation in meinen Hirnwindungen herumgewälzt wird, wie eine zu schwere Waschladung.
Dabei ist doch gar nichts dabei. Das Wort verrät ja schon, was es ausdrücken will: Trans-formation. Die Bedeunt von "Form" ist ja schon im Alltagssprachlichen eindeutig. Beim Präfix "trans" sagt mir das Internet, dass ich keine falsche Erinnerung an den Lateinunterricht habe: über, durch. Ich hatte mir dies damals gemerkt mit der grossen Tafel an der Kreuzung in Olten, welche ich unendliche Male befahren habe. Da stand in sehr grossen Buchstaben "Transit" - die Durch-gangsstrasse der Stadt. Aber Durch-Formen oder Über-Formen... hä?!
Also verständlich, wenn da meine Nervenbahnen im Oberstübchen revoltieren... *schmunzl*
Aber wie so oft weiss auch hier das Internet rat - die Wortsilbe soll sinngemäss auch jenseits oder hindurch bedeuten... Also sich so formen, dass man jenseits der alten Figur befindet. Das passt dann natürlich etwas besser. Hingemodelt, sogar die Bedeutung, nicht? *grins*
Dass es ein Jahr der Veränderungen wird, ist unbestritten. Sei es nun weltpolitisch oder im Kleinen. Zumindest deutet alles in meinem Umfeld darauf hin, nicht nur meine eigene selbstgewählte neue Zukunft.
Was denken Sie? Steht bei Ihnen auch gerade eine Transformation auf der Türschwelle und klopft an?
Es ist die Natur des Seins, Umwandlung anzunehmen, sich daran anzupassen im besten Vermögen dass man kann. Ich bin gespannt, was daraus noch wird - es ist ja erst Januar...
12. Januar 2024
2023:
The final countdown ...
Der letzte Countdown hat begonnen. Mir klingt der Refrain dieses Liedes aus meiner Kindheit in den Ohren - lauter denn je.
Ja, das Jahr rennt geradezu seinem Ende zu. Aber so manch einer von Ihnen wird auch denken oder weiss es sogar schon: sie hat es getan, sie hat gekündigt. War ich mir im September noch so unsicher ist es nun schon lange Gewissheit und ich habe heute gerade Tag Nr. 3 in meiner Anstellung in St. Gallen beendet. Das letzte Runterzählen. Bedeutungsschwangere Zahlen - dieses 3, 2, 1...
Bald wird es auch wieder laut von allen Menschen auf der Welt gemacht - das Jahr wird zu Ende gehen, der letzte Countdown mit glühenden Augen geflüstert, bejubelt, vielleicht sogar geschrien. Auf dass ein neues Jahr beginnen möge. Ein besseres bitte als das Vergangene.
Das ist auch mein Wunsch. Wie ich in den letzten Tagen von der einen und anderen Stimme vernahm bin ich aber bei Weitem nicht die Einzige, welche im 2024 - oh, diese Zahl ist so mystisch alleine schon beim tippen - einen Neubeginn versuchen wird. Ach was, nicht versuchen, MACHEN *schmunzl*
In Anbetracht der Geschehnisse dieses Jahres kann ich es niemandem verdenken. Seien es nun persönliche Ereignisse oder Weltpolitik - irgendwie schreit es geradezu nach Umbruch und Veränderung.
Ich wünsche mir selbst eine stabile Zukunft mit meinem Lebenstraum (vollständig meine eigene Vorstellung von Physiotherapie auszuleben und nicht nur Teilzeit).
Der Weg dorthin wird noch sehr holprig werden, denn alle Zahlen sprechen dagegen.
Doch ich weigere mich, die Hoffnung aufzugeben und werde im neuen Jahr mit allen möglichen Ideen versuchen, meine Praxis bekannt und rentabel zu machen. Auf dass alle Rechnungen bezahlt werden können! *Hijaaaah!*
Es fühlt sich irgendwie seltsam an, dieses Jahresende 2023. Aber auch spannend, weil die interessantesten Geschichten mir erzählt werden, wenn ich meine Pläne für die Zukunft erwähne.
Was für einen Countdown zählen Sie gerade runter? Ja, Sie. Genau Sie, die jetzt gerade diese Zeilen lesen?
Erzählen Sie mir davon - es gibt ja auf dieser Seite auch die Sparte "Kontakt" - nur Mut!
Und: Versprochen! Ich werde hier nicht darüber tratschen!
Zu Erleben, was für Hoffnungen die Menschen haben ist nicht nur hochgradig begeisternd - es potenziert auch die eigene Zuversicht, seinen Plänen Flügel zu verleihen.
Also auf! Dass unseren Träumen Adlerschwingen verliehen werden! Auf eine Zukunft voller positiver Entwicklungen!
Denn wir haben es in der Hand...
12. Dezember 2023
Vergessene Wege ...
Hm, wollte ich nicht schon im Juli über meine Geschichte die in der Nähe von Pisa begann berichten? Und dachte ich nicht im August daran, die längst überfälligen Zeilen zu schreiben? Nun ja - nun ist es September. Aber der Gedanke an diesen Text lässt mich nicht los. Das Thema wird nicht fallengelassen und was anderes geschrieben , wie schon so oft. Nein. Heute tippele ich endlich in die Tastatur, was mir seit 2 Monaten immer wieder durch den Kopf geht.
Damals, im Juli, machte ich mit meinem Liebsten eine eher aussergewöhnliche Ferienreise. Normalerweise bin ich nämlich immer direkt am Meer zu finden, ohne Kompromisse. Ich brauche dieses Element einfach. Dieses Mal dachten wir, machen wir den idealen Mittelweg: 6km vom Meer entfernt, aber auch mit 6km in nächster Nähe zum Piazza dei Miracoli (nein, nicht die Spagghetti-Packung, die traditionellerweise am Freitag auf den Tisch kommt - ich meine den Ort, wo der schiefe Turm von Pisa steht). Damit wären unserer beiden Bedürfnisse bedient. Mein Schatz ist mit einem Katzensprung mit dem Auto in der Stadt zum Fotografieren und ich mit dem Velo (das unsere liebenswürdige Gastgeberin einfach so ausleiht) mit bereits gewohnter Distanz am Meer.
Na ja - daraus wurde nichts. Das Meer hatte leider sehr viele Pflanzenteile im Transport und machte gerade Frühlingsputz... oder Sommerputz wohl besser. Damit ist für mich - die ich seit neuestem Probleme mit trübem Wasser und Panik habe - leider fertig mit lustig. Also wurden es Ferien mit mehr AutoEinsatz als gedacht. Aber an einem Tag gingen wir getrennte Wege: mein Lebensgefährte um 4 Uhr morgens in Pisa, ich mein eigenes Programm, wann ich dann wollte. Und das ist für gewöhnlich mit dem Rad.
Bei dieser Gelegenheit traute ich mich nicht nur alleine in eine Pasticceria (Himmlisches, was die Italiener da zum Frühstück zaubern!), nein ich machte auch etwas, das ich schon sehr sehr lange nicht mehr getan habe... ich befuhr Wege, die scheinbar von der ganzen Welt vergessen wurden.
Diesen einen Pfad sehen sie im Bild - voller Schlaglöcher und ausgewaschenen Regenpfannen ... nahezu unbefahrbar.
Aber wissen Sie was? Das hat unglaublich gut getan.
Ich war zurück bei dem, was ich früher so gerne mochte. Entdecken, Erfahren - wortwörtlich in allen Facetten dieser Silben.
Ich wurde dadurch an einige Zeilen erinnert, die ich 2008 zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Es war eine Gratulationskarte an einem Geburtstag einer Physioschulkollegin, die mich zur Feier eingeladen hatte. Dieses Fest war für mich doppelte Premiere. Ich lernte dort nicht nur Franz Hohler's "Totemügerli" kennen, sondern auch ein Gedicht von Robert Frost - "The road not taken" (für alle, die des Englischen nicht mächtig sind: die nicht genommene Strasse). Ich kann etwas Englisch und die Sätze gruben sich tief in meinen Kopf ein. Ich versuchte verzweifelt, mir etwas davon zu merken, damit ich zu Hause alles nachrecherchieren konnte. Dabei prägte ich mir den letzten Teil ein: "Two roads diverged in a wood, and I - I took the one less travelled by, and that has made all the difference." (zu deutsch in etwa: zwei Strassen laufen in einem Wald auseinander, und ich - ich nahm jene, die weniger bereist war, und das machte den ganzen Unterschied.)
Diesen Teil des Gedichts wurde also durch meine Abenteuerfahrt über die Felder Pisas wieder in meinem Kopf geweckt.
Ich las nach - und erfuhr, dass Herr Frost die gesamte Bedeutung des Gedichts nicht so interpretierte, wie ich das meinte. Doch das war mir einerlei. Er hat mir mit diesen Worten einen Gedanken gegeben, der mir ein Lichtlein gab. Ich habe nämlich schon seit jeher das Gefühl, dass ich dazu neige jene Wege zu wählen, die andere nicht unbedingt nehmen würden. Zuweilen mag dies zu sehr einsamen Reisen führen, doch dafür sind sie auch spannend und abenteuerhaft. Eben das, was ich als Gefühl in diesem Sommer wieder entdecken durfte.
Und was mache ich jetzt? Jetzt sitze ich in der Gemeinschaftsküche einer Unterkunft am galizischen Ende der Welt. Ich bin in Fisterra. Hier endet der Pilgerweg von Santiago de Compostela und gelangt zu seinem endgültigen Kilometer Null. Dass ich hier bin hat mit diesem Weg nichts zu tun. Es war eher ein Zufall, der aus dem Gedanken heraus folgte, der genau nach dem vergessenen Weg in Pisa entstand. Zurück zu den Wurzeln seines Seins, seines Charakters.
Eigenlich hatte zuerst diesen Gedanken mein Lebensgefährte. Ihm fiel auf, dass ich in unseren Ferien eigentlich gar nie so richtig zur Ruhe und Erholung komme. Ich arbeite täglich mit meinen Ohren und werde immer müder, denn ich bin - wie die meisten Leser von ihnen wissen - hochgradig schwerhörig. Und in den gemeinsamen Ferien redet man eben sehr viel miteinander, weil man ja im Alltag wenig Gelegenheit dazu hat.
Zumindest nicht so wie eben im Urlaub.
Also war meines Liebsten Vorschlag, nachdem er von meinem vor Freude glühenden Gesicht an dem Tag begrüsst wurde, dass ich zurück zu meinen Ursprüngen soll. Eben auch in Sachen Reisen. Alleine, so wie früher, bevor ich ihn kennengelernt habe.
Er meinte es ernst - in Sorge um meine Erholung. Und ich nahm die Gelegenheit wahr.
Da ich ausserdem das Gen eines verrückten Huhn's in mir trage, machte ich bei der Recherche im Internet ein Experiment. Nachdem ich mit "Kanaren" kein Ziel fand, das mich so richtig gluschtig machte, gab ich einfach "Spanien" ein - und als erstes Angebot kam eine Unterkunft in Finisterra. Ich dachte nur: wo zum Teufel ist denn das jetzt wieder?? Nun ja, der Teufel war da tatsächlich nicht weit - Finisterra ist eine Region auf der Hakennase eines Gesichts, das von Spanien in den Atlantik schaut. Zumindest wenn man in einer Landkarte Gesichter und Tiere als Formen sieht so wie ich *schmunzl*
Die Bilder von dort sahen schön aus und so bin ich - eben verrücktes Huhn in Reinkultur - nun am Saisonende bei ständigem Hin und Her zwischen Regen, Sturm, eiskaltem atlantischen Meer und Sonne am Ende der Welt (hier heisst sogar die Stadt Fisterra - Ende der Welt).
Dass in Konstanz derweil schönstes Altweibersommerwetter mit 30 Grad herrscht tut mir Sonnentierchen natürlich im Herzen weh. Aber so ist das nun mal mit den verrückten Hühnern - manchmal ist ein Experiment nicht ganz so erfolgreich wie erhofft.
Dafür bin ich hier an einem Ort, der mich wieder an meine vergessenen Wege erinnert. Einfach los, da hinreisen wo ich noch nie war. Und vielleicht auch kein anderer.
Ich dachte das sei tatsächlich so, als ich auf sehr widrige Umstände bei der Transportorganisation hierher stiess. Nun muss ich erkennen, dass es hier nur so von Pilgern wimmelt!
Die Pfade hier sind schon extrem ausgetreten und es gibt kaum einen, den nicht schon Tausende begangen haben.
Aber ich kenne niemanden, der so verrückt ist wie ich - und hier 9 Tage Ferien verbringt *kicher*
Vielleicht hilft mir dieses "wählen dessen, was sonst eher nicht gemacht wird" in meiner nächsten schweren Entscheidung.
Ich arbeite ja an zwei Orten: in meiner eigenen Praxis in Kreuzlingen und einer anderen, bei welcher ich angestellt und damit dem 30MinutenTakt der "normalen" Physiopraxen unterworfen bin. Das Pendeln und dieser Takt ermüden mich immer mehr und ich würde dort eigentlich gerne per Ende Jahr kündigen. Ich muss mich also bis Ende September entscheiden. Nur spricht das jetztige Pensum in Kreuzlingen sich eher dagegen aus, wenn man mit sicheren Füssen den Schritt wagen will.
Soll ich nun einmal mehr den Weg wählen, den man sonst eher nicht nimmt? Soll ich trotzdem kündigen mit dem Risiko, dass die Einnahmen mit der vollständigen Selbstständigkeit nicht für das Nötigste reichen werden? Ist es zu früh?
Mal sehen, was mir hier die Wellen und Winde am Ende der Welt zuflüstern werden. Genug davon hat es auf jeden Fall *schmunzl*
10. September 2023
Sommer, Sonne satt! ...
Man könnte doch meinen, wenn man da wohnt, wo alle anderen so gerne Ferien machen, hat man selbst immer irgendwie Ferien.
Wenn ich mir die letzten Wochen so vor Augen führe - na ja, fast.
Ich konnte und kann mich vor lauter Aufgaben und Arbeit kaum retten und musste sogar die Dienste einer Kinesiologin in Anspruch nehmen, weil mich der (wie immer grösstenteils selbst gemachte) Stress hinweg zu pusten drohte. Aber Ende Woche geht es endlich, endlich in die langersehnten Ferien. Die Vorfreude nimmt jeden Tag zu und wenn ich ein bisschen über mein Hamsterrad der letzten Zeit hinwegsehe: wow, lebe ich an einem schönen Ort!
Die Velofahrten am Morgen zum Bahnhof oder in meine eigene Praxis tragen das Krönchen eines lauen Fahrtwind-Lüftchens und verwöhnen mich mit der immer wieder aufs Neue bezaubernden Atmosphäre, wie sie nur an Gewässern entstehen kann.
So wie die "Schwaben" - ein Schiff der Bodenseeflotte, welche immer bei meiner geliebten uralten Hafenuhr (wer kennt das Lied, das sie zu jeder vollen Stunde spielt?) vor Anker liegt, wenn ich noch vor den ersten Tagestouristen über das Kopfsteinpflaster brettere. Das wundervolle Lichtspiel der Wellen am Rumpf bezaubert mich jedes Mal und ich könnte stundenlang davor sitzen und einfach nur zugucken.
Aber nene, das geht dann natürlich doch nicht. Der erste Patient wartet schliesslich auf seine Behandlung. Das Bild jedoch gräbt sich in mein Gedächtnis und bekommt einen eigenen kleinen Platz in meinem Herzen. In solchen Momenten bin ich ganz bei mir und überglücklich, es bis hier hin geschafft zu haben.
Ja, der Sommer ist hier vollends angekommen - wie ja fast überall - mit dem unbändigen Glücksgefühl von Sonne auf der Haut. Und manchmal etwas Leiden wegen der doch arg heftigen Hitze. Doch die glühend heissen Temperaturen am Nachmittag lassen sich auf meinem Heimweg locker wegstecken, wenn ich meinen Weg durch die Tagesausflügler bahne und den Duft von Seeluft und Sonne tief einatme.
Bald wird es die Meeresbrise von Italien sein - die mich dann wieder etwas mehr zu mir und dem Blick auf die schönen Dinge des Lebens lenkt.
Dieses Land lehrt mich immer wieder, dass wenig auch extrem viel sein kann. Die Menschen dort haben eine Regierung, die sich äusserst schwierig gestaltet, Zivilisationsverhältnisse, die weit weg von unserem Standard sind - doch ich erlebe in den Gesprächen mit Ihnen einen Stolz auf ein wundervolles Land und eine Genügsamkeit, die mich herrlich runterholen kann von meinem WalkürenRitt durch unsere hektische Arbeitswelt.
Ich wünsche auch Ihnen in diesen wahrlich sommerlichen Wochen eine (oder auch zwei, oder drei... *schmunzl*) Begegnung, die ihnen etwas bella Italia - Lächeln ins Gesicht zaubert. Es ist Sommer! Endlich!
21. Juni 2023
Alles Neu macht der Mai ...
... das könnte man meinen und nach dem ausgesprochen typischen AprilWetter am See (nicht einmal der Regenradar konnte mit den extrem schnellen Wetterveränderungen mehr mithalten) wünscht man sich nichts sehnlicher als endlich, endlich dieses wunderbare Vorsommer-sicher-warm-und-sonnig-Wetter, das der Mai im Bild und in unserem LiederSchatzkästchen aus Kindergartenzeiten verspricht.
Ha! Denkste! Weiter gehts mit trübsten Prognosen, die dann überraschend sonnig-diesig das letzte Wochenende versüssen und den hoffnungsvollen "der Frühling kommt", die dann doch jämmerlich versaufen in einer grauen Wolkendecke und Wasser leider nicht nur im sondern auch über dem See.
Aber was will man machen als gegen diese Trübsal kämpfen, sich mühsam aufzuraffen und das wunderbare Wort "kannst es nicht ändern, dann kümmer dich nicht" verzweifelt anzuwenden versuchen.
Ich gebe zu, ich scheitere im Moment auch kläglich dabei - wir sind nun mal Mensch. Ein Tierchen, das Sonne braucht um die Kraft des neuen Jahres zu entwickeln. Wir sind eben nicht photosynthese-begabt wie die tollen Pflänzchen um uns rum, die trotz allen oder vielleicht gerade wegen den vielen Regentropfen munter vor sich hin wachsen, leuchten, blühen und strahlen.
Jedes Rapsfeld ist für mich die pure Personifizierung dieser Naturkraft, die ich jetzt auch so dringend benötige um Vorwärts zu kommen. Zig Pendenzen, die meine Seelenruhe aus dem Gleichgewicht zu bringen drohen... doch sie ist da, diese Kraft. Man muss sie nur endlich rauslassen. So geschehen gerade heute Abend. Mein Schatz, der arme Tropf, mit Erkältung oder Heuschnupfen oder beidem, früh zu Bett - hatte ich einen geruhsamen Abend nach nicht allzu spätem Feierabend in meiner geliebten Praxis in Kreuzlingen.
Sofa? TV? Ja, aber schon nach kurzer Zeit griff die Rastlosigkeit nach mir. Oh, wie ich sie vermisst habe! Diese Energie, die mich nun zu Wäsche waschen, endlich den alten Kram ablegen, Buchhaltung nachführen, und eben quälende Pendenzen abarbeiten trieb. Und es bleibt sogar ein bisschen Zeit für ein paar Zeilen hier. Juhuu!
Schon witzig, wie es einem manchmal so richtig, richtig unbequem werden muss, damit man den Schwung bekommt, sich dem eigenen Mief entgegenzustellen.
Alles Neu macht der Mai ... stimmt halt doch irgendwie *grins*
10. Mai 2023
Duften die?...
Diese erstaunte Bemerkung einer meiner Patienten letzthin liess mich wieder einmal stutzen... worum es ging?
Ich erzählte - in meinen PhysiotherapieBehandlungen berichte ich meinen Folteropfern oft auch von meinen kleinen wundervollen Beobachtungen des Lebens - von einem Erlebnis in den letzten Tagen.
Ein recht warmer Tag voller Frühlingsregen ging zu Ende und ich hatte auf der Heimfahrt mit dem Velo den Salzberg heimzus hoch eine olfaktorische Sensation - ich roch für einmal nicht die Abgase der Hauptstrasse neben dem Radweg sondern... der schwere verlockende Duft frisch aufblühender Magnolien!
Tatsache: war der Magnolienbaum in Trimbach im Garten eines Arztes das absolute Wunder des Frühlings im Dorf, so werde ich hier nahezu umarmt von lauter verschiedenen Sorten dieser evolutionstechnisch ersten Blüte der Erde in fast jedem Garten!
Ich mag diese Pflanze nicht nur, weil sie in zigfacher Art die Form der Spirale wiedergibt (unbedingt mal eine Blüte auseinandernehmen wer das noch nicht weiss) - mein LieblingsSymbol schlechthin. Nein, ich liebe auch einfach diesen Duft! Er verheisst Wärme, er träumt vom sprudelnden Leben des Frühlings!
Dieser Gedanke brachte mich in's Sinnieren über das Wort Zufriedenheit - welches mich schon in einem älteren Blog beschäftigte (Blog vom 31. Januar 2022 - "Zufriedenheit").
Zu-Frieden-heit, also zum Frieden denken sozusagen... dieses Parfüm der Magnolie bringt meine Gedanken zum Frieden hin. Ein kleiner sinniger Moment in einer so rasanten Zeit.
Wohl deshalb atme ich jedes Mal ganz bewusst und geniesserisch ein, wenn ich an der satten weissen Pracht in den Gärten hier vorbeiradle...
Was bringt Sie zum Frieden hin? Ein frischer Kuchen? Der Duft einer anderen Pflanze? Oder der überraschende Moment, wenn Sie ein Regenbogen am Himmel entdecken?
Wann haben Sie das letzte Mal bewusst einen Gedanken ihres eigenen Friedens erlebt?
"Duften die?" war die überraschte Frage meines Patienten - und nach einigem Nachdenken die bestätigende Erinnerung, ein kleines Fitzelchen in tief verborgener Vergangenheit, als dieser tatsächlich bewusst diesen Geruch wahrgenommen hatte - und dazu das Lächeln in der Erinnerung an einen Duft, der das sprudelnde Leben des Frühlings ankündigt...
25. März 2023
MärzeVeieli ...
Wie war das nun mit meinem Versprechen, wieder regelmässig zu schreiben? *seufz*
Wieder einmal hat es *flupp* gemacht und *plopp* und es war März. Dahin der Januar mit dem Tod meines Vaters (und bevor jetzt jeder von Ihnen eine Mail schreiben möchte um mir zu kondolieren: es geht mir gut damit, denn es war für Ihn eine Erlösung), dahin der Februar mit der schwäbisch-alemannischen Fasnet in Konstanz (Yeaha! Karbatschen und wunderschöne Häs mit Holzmasken! - aber dagegen leider auch das typisch "neue" Gesaufe und Dosenmusikgewummere: bäh!), und dahin auch schon die ersten Eindrücke von Sehnsucht nach Frühling.
Der erste rosa Hartriegel leuchtet schon länger neben der strahlend gelben Forsythie, welche eben erst ihre Blüten geöffnet hat. Am Brückenkopf der Seerheinbrücke und damit jetzt im ersten Morgenlicht (Juhuu! Es ist endlich wieder hell am Morgen, wenn ich zur Arbeit radle!) jeden Tag ein unglaublich motivierender Farbengruss.
Die ersten Schneeglöckchen und Krokusse haben bereits Konkurrenz von den wilden Primeln und es dauert wohl nicht mehr lange, bis die Osterglocken an der Seepromenade in der steifen Bise ihre Köpfe wiegen.
Bis heute gingen mir viele Geschichten durch den Kopf, die ich hier schreiben wollte - und jetzt merke ich, dass keine mehr präsent ist. Mit einem Seufzer der Zeit vorbei und verwischt - vergessen. Haschet den Augenblick - er ist gar zu schnell vorbei! "Dann war es wohl nicht so wichtig..." sage ich dann immer den Patienten und schweige eine Weile, um dem Kopf die Möglichkeit zu geben, sich noch zu erinnern, falls es eben doch wichtig war.
Aber jetzt kommt nichts zurück von den genialen Titeln der letzten Wochen. Dann war es wohl tatsächlich nicht so wichtig. *kicher*
Heute Morgen erzählte mir eine Patientin von den MärzeVeieli, welche Sie erst kürzlich gesehen und sich schaurig darüber gefreut hatte. Ich musste ein paar Mal nachfragen, was für ein Wort sie gesagt hatte. Ich habe diesen Namen leider noch nie gehört obwohl ich genau dasselbe Blümchen zu Fusse von unserem Zwetschgenbaum jedes Jahr herzlichst begrüsste. Eigentlich das ganz normale Veilchen. Nur im Dialekt dieser lieben Dame eben das März-Veilchen.
März. Mei, tut dieses Wort gut.
Märzenbecher - diese eigene Art eines Schneeglöckchens habe ich einmal als kleines Sträusschen von einer anderen Patientin vor vielen Jahren geschenkt bekommen - eine Verheissung nach Frühling, Wärme, Sonne!
Und jetzt das MärzeVeieli - alleine die Erinnerung an dieses kräftige Violett, das den gedeckten Farben des Winters trotzt - in mir ruft es geradezu nach Farben!
Im Gespräch fiel auf, dass jede Jahreszeit ihre Farben hat. Ein Orange findet man eigentlich nur bei Sommerblumen - und umso mehr Gelb, Violett und Rosa neben dem jungen Grün im Frühling. Herrlich, wenn endlich diese Jahreszeit dem Grau des Winters den Garaus macht! Also tauchen wir doch ein in diese Farbenfreude, haschen die Augenblicke, wo wir sie schon sehen können... wie die Meise am Morgen schon sehnsüchtig ruft: „Früehlig, Früehlig, Früehlig!“
01. März 2023
Zwischen den Jahren ... und dann war es dann doch plötzlich 2023!
Ich habe tatsächlich schon eine sehr grosse Weile für meine Verhältnisse keine Geschichte mehr geschrieben. Die Ereignisse haben sich in und nach meinen Ferien letzten Oktober überschlagen und geblieben ist nur das allseits bekannte Hamsterrad und das Strampeln nach etwas Luft.
Ein Idiom, das mein Lebensgefährte sehr gerne verwendet liess mich innehalten - ich wollte unbedingt ein paar Gedanken zu "zwischen den Jahren" wälzen und mich darüber wundern, warum dieser Begriff bei den Deutschen sehr gerne verwendet wird, aber als Schweizerin habe ich ihn eigentlich nie wahrgenommen.
Doch wie es so ist - Flups! - das neue Jahr ist da und noch kein Satz geschrieben.
Nun denn, jetzt bin ich ja an den Tasten. Nach wohlverdienter StillstandWoche zwischen den Jahren, nach einem unglaublich intensiven und turbulenten 2022.
Die Natur belohnte mein Innehalten mit einem wunderschönem Abendrot zu Silvester - allgemein sehr viel sehr willkommene Sonne in der StillstandWoche - und einem PrachtsNeubeginn der Superlative. T-shirt Temperaturen und pralle Sonne am See. Da geht einem die Seele auf!
Und ein kleines bisschen Trostpflaster für die vergangenen Monate im Grau und den Bürokram, der immer noch Sorgen macht.
Doch wenn Licht in Sicht ist, scheint alles weniger schwer und ich merke dieser Tage wieder, wie unglaublich sehr ich ein Sonnenkind bin.
Sonne, Rennen/Radeln und nette Menschen - tadaaaaa! - alles gut.
Manchmal gibt es Momente, in denen drängt sich mir ein Wort auf, das mir dann so überhaupt nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Gerne bei Geburten in meinem Bekanntenkreis - als würde ich einen Wunsch dem neuen Erdenbürger mitgeben.
Nicht selten scheint dann dieses Wort tatsächlich den Menschen in seinem Leben auch zu begleiten... da darf man jetzt natürlich spekulieren ob Zufall, Schicksal, oder einfach Interpretation im Spiel sind. Ich finde es schön und lächle innerlich, wenn ich mich wieder daran erinnere, welches Wort ich damals dachte.
Heuer passierte mir das bei den neumodischen Nachrichten, die man heutzutage per Mobiltelefon verschickt.
Es ist wohl das erste Jahr gewesen, an dem ich nicht zig Glückwünsche versendete. Ich hatte gar keine Zeit dazu, da viel zu sehr damit beschäftigt, selbst zur Ruhe und Erholung zu kommen.
Bei den wenigen Wünschen, die mir gesendet wurden (es waren tatsächlich auffällig wenige), drängte sich mir immer dieses eine Wort auf, wenn ich 2023 schreiben wollte: wohlwollend.
Ja, es soll wohlwollend sein, dieses Jahr, das gerade aus dem Startblock herausgesprintet ist. Mit mir, mit uns allen, mit dem, was passieren wird.
In diesem Sinne: auf ein wohlwollendes 2023 Ihnen allen! Und mit etwas Glück wieder regelmässige schöne Geschichten hierherbringend ... ich freue mich jetzt schon darauf!
02. Januar 2023
2022:
Zurück kann manchmal auch Vorwärts sein!
Es ist Samstag, morgen zur BäckersWeckerZeit geht es los in Richtung Ferien auf der Insel und ein Experiment meinerseits: zwei Wochen offline (wie das heute ja so schön auf Neudeutsch heisst).
Die Ereignisse in den letzten Wochen und speziell in den letzten 3 Tagen überschlagen sich, als würde die ganze Welt ohne von dem Experiment zu wissen unbedingt versuchen mich davon abzubringen, weil es ja soooo ultrawichtig ist, ständig erreichbar zu sein.
Das hat mich zu ein paar Gedanken gebracht, die mich endlich wieder zu einer kleinen Geschichte für Sie hier bringt.
Ist es wirklich nicht möglich, die Handbremse anzuziehen und in ein paar Fortschritten anzuhalten und zurück zu gehen zu dem, was wir doch von damals so toll fanden - freilich natürlich erst jetzt wenn wir es nicht mehr haben *schmunzl*
Ich finde doch. Man kann seine Leute informieren und einfach mal für eine gewisse Weile all diese tollen Apps mal vom Bildschirm löschen und die Benachrichtigungseinstellungen stumm schalten. Ich bin gespannt.
Auch in ein, zwei anderen Dingen habe ich diesen Schritt gewagt und bis jetzt mit äusserster Freude bemerkt, wie einfach das eigentlich ist.
Ich habe endlich ordentlich Gewicht abgelegt und so die Möglichkeit geschaffen, wieder in Laufschuhe zu steigen und mit Joggen zu beginnen. Sie haben keine Ahnung wie sich der Moment anfühlte, als ich vor der Wohnungstüre auf der Treppe sass und mir zum ersten Mal die Schuhbändel band... unbeschreiblich. Allerdings war der zu erwartende Muskelkater am Tag danach auch eher unbeschreiblich *lach*
Oder die Überlegung sich einen dieser neumodischen Fitness-Tracker für die Ferien zu kaufen. Ich habe im Wald bei meinem neuen Zuhause bemerken müssen, dass ich zwar das Pilze Sehen Gen meiner Familie geerbt habe (jesses, gibt es da viele und schöne "Schwümmli"!!), aber die Wege darin doch extrem kreuz und quer laufen und man sich leicht verirren kann. Eine App (schon wieder!) war die Lösung: auf der Karte sehe ich meinen Weg und auch in welche Richtung es zurück geht.
Nun... meine Sommerkleidung hat keine Tasche, wo ich mein Handy während dem Laufen reintun könnte. Wäre aber doch toll, wenn ich auch in den Ferien und später im Sommer wissen würde, wo ich gelaufen bin und wie grosse Distanzen ich in der jeweiligen Zeit geschafft habe... also rumgrübeln... so eine Halterung für den Arm ist ja doof, sich selbst das Blut abschnüren hat man schon im Samariterkurs gelernt: nur im Notfall bitte.
Also so ein schlankes Ührchen, wie es heute erhältlich ist? Eben so ein Fitness-Tracker?
Ein paar Stunden später nach Preis- und Können-Vergleich... ich seh ja da drauf gar nicht, wo ich bin... und überhaupt. Es gibt praktisch kein Gerät, das nicht grad auch noch dokumentiert wie man schläft, und wie der Zyklus von uns Frauen ist! Hä?? Ich check hoffentlich noch selber, dass ich morgens um 2 aufwache und nicht mehr einschlafen kann oder dass sich der ganze Unterleib zusammenzieht, weil sich wieder mal die berühmte rote Woche ankündigt... also bitte!
Mein Lebensgefährte sagte bei diesen Gedanken: du weisst doch, heute müssen wir für alles etwas haben, das uns sagt, wie es ist - am besten in Zahlen... die Leute haben verlernt selbst nachzusehen.
Fazit: ich habe mir eine Armhalterung für 15 Franken gekauft und werde sie wohl die meiste Zeit im Hotelzimmer vergessen.
Ich sehe ja, wie die Strassen angeschrieben sind und für zum Meer muss ich nur der Nase nach...
Zurück ist eben halt doch irgendwie Vorwärts!
15. Oktober 2022
Status: NeuKonstanzerin...
Nun ist es soweit...
Die Kartons sind alle wieder bei den Wichtelmännern (das Umzugsunternehmen hat uns mit seiner Freundlichkeit, Professionalität und Zuvorkommenheit regelrecht vom Hocker gepustet!), das Zeug aus den unzähligen Taschen ist irgendwo in einem Schrank oder einer Schublade verstaut und nach einer MaryPoppinsAktion gestern (alle Böden mal durchgewischt, aufräumen, Deko drapieren, erstes Teelicht in der Laterne entzünden) nenne ich mich in der Wohnung angekommen.
Natürlich - wie könnte es anders sein - ist noch immer nicht alles im Reinen. Der Backofen ist immer noch zweiter Weltkrieg vom Vormieter (der Makler hat uns einen ReinigungsProfi versprochen, dabei ist es bis jetzt geblieben), der Rolladenschalter muss immer noch repariert werden und offenbar sind die Briefkastenschlüssel immer noch beim Vormieter irgendwo in Gelsenkirchen.
Aber... jetzt fühle ich mich so langsam als richtige NeuKonstanzerin. Nach einem ersten Frühstück auf dem Balkon mit Blick auf unsere NachbarBäume und den ersten Wochen als vollautomatische Fremdenführerin in Sachen Velowegnetz im Kern von Konstanz… bin ich im Element.
Am schönsten ist dieser Ort am Bodensee jedoch immer noch am Morgen kurz vor 7 Uhr. Die Sonne blinzelt über die historische Gebäudereihe am Wasser und knipst beim Münster mal das Licht an, die Müllmänner bringen die Stadt in Ordnung und ich grüsse herzlich den wohl letzten Strassenkehrer der Welt. Es gibt tatsächlich einen Mann, der mit einem kleinen Besenwagen herumdüst und die Wege von Hand wischt. Er erinnerst mich sehr an die eine Romanfigur aus "Momo" von Michael Ende. Beppo Strassenkehrer.
Alleine dieser Mensch frühmorgens bringt mir die Gelassenheit von Konstanz in's Gemüt. Selbst wenn ich dann beim Bahnhof merken muss, dass der Zug nicht fährt und ich mit Vollgas über die Hafenpromenade brettere um den Zug in Kreuzlingen zu erwischen - die einzige Chance die dann noch bleibt, um völlig verschwitzt aber pünktlich in St. Gallen meine Arbeit zu beginnen.
Meistens bleibt es nach dieser zauberhaften Szenerie auf dem Kopfsteinpflaster in der Altstadt aber so wie auf dem Bild. In die Sonne blinzeln, den Duft vom Oleander einsaugen und ein Schmunzeln um die Lippen spielen lassen. Mein Leben hat sich nur um 4km verschoben - aber ist ein völlig anderes geworden.
Inzwischen bin ich praktisch jeden Tag im Velosattel anzutreffen - meist zwischen 8 bis 20km sind es dann am Abend.
Und wenn ich wie gestern sturmfrei habe lote ich gerne auch meine Grenzen aus - und besuche alte Rekorde, wie zum Beispiel den kleinen Campingplatz bei Hegne am See - etwa 10km ein Weg. Früher ein Klacks und mal eben an einem freien Schulnachmittag gemacht, heute eine Herausforderung nach der ich glücklich nach unzähligen Jahren einfach mal alleine im Restaurant mit nem Getränk sitze und auf den See rausgucke - umspült von fröhlichen Menschen und dem Gefühl von endlosen Ferien.
29. August 2022
Sag niemals nie ...
Ich kann nicht mehr schlafen und sehe mir von meinem Bürostuhl aus den letzten Sonnenaufgang auf der anderen Seite des Bodensees an. Die Röte der Dämmerung macht unter dem letzten Licht des Morgensterns ein wunderschönes Bild, das schon sehr bald nicht mehr zu meiner Wohnungsausstattung gehören wird.
Etwas Wehmut macht sich in mir breit. Dieser Blick liess mich damals entscheiden in Kreuzlingen in den 3. Stock ohne Lift zu ziehen, um mein Leben im Osten der Schweiz zu beginnen.
Schon zu diesem Zeitpunkt machte ich etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte. Ich kehrte meinem geliebten Tal am Fusse des Hauensteins, in dem ich 40 Jahre gelebt habe, den Rücken. Die Region von der ich immer gesagt hatte, dass ich sie niemals verlassen könnte.
Die Veränderungen in "meinem" Dorf waren so extrem, dass ich mich dort nicht mehr wohl fühlte.
Zu der Zeit war ich auch noch davon überzeugt, dass ich niemals nach Deutschland übersiedeln würde.
Und nun freue ich mich auf die Wohung in Petershausen Ost, das für mich wunderschönste Quartier in Konstanz.
Sag niemals nie ...
Diese allerletzte Geschichte, welche in Kreuzlingen geschrieben wird erinnert mich an eine Kassette (meine Güte, ich musste zuerst überlegen, wie man dieses Wort schreibt!) aus meiner Kindheit.
Nein, ich habe nicht James Bond auf Kassette gehört... *schmunzl*
Tatsächlich habe ich in Erinnerung, dass ich "sag niemals nie..." aus dem Mund von Feivels Vater, dem Mauswanderer, gehört habe. Eine Geschichte, welche eine Mäusefamilie beschreibt, die nach Amerika auswandert - der Animationsfilm dazu wurde 1986 veröffentlicht.
Je älter ich wurde, desto mehr vergass ich diesen Ratschlag - bis heute.
Die jüngsten Entwicklungen lehren mich, nicht so leichtfertig mit definitiven Aussagen zu hantieren.
Ich hätte nie geglaubt, dass ich in meine Ausbildungsstadt (ich wurde in Konstanz zur Physiotherapeutin) zurückkehren würde.
Auch nicht, dass ich jemals wieder Singen würde, nachdem über 90% von meinem Gehör ins Nirvana übersiedelte.
Und nun tue ich beides.
Läck, das get Pfupf!
(Für alle, die sich jetzt fragen, ob meine Tastatur kaputt ist: Wow, gibt das Energie!)
Ich denke, es würde uns allen immer mal wieder gut tun, die Grenzen, die wir uns selbst setzen in Frage zu stellen - und einfach einen Schritt weiter zu gehen.
Es muss nicht immer ein supertolles Ergebnis daraus werden, aber es setzt sehr viel Erstaunen frei (bei sich wie auch bei den Mitmenschen) und lockt uns vielleicht auch ein kleinesbisschen aus dem schönen goldenen Käfig, den wir uns als Erwachsene gerne zusammenbasteln...
22. Juli 2022
Dominanz und Macht ... werden zu Glück!
Ja, diese seltsame Gleichung ist tatsächlich möglich!
Sie ist gestern am Telefon genau um 12 Uhr mittags bei mir und meinem Liebsten eingetreten.
Gefühlt Monate - tatsächlich 6 geschlagene Wochen - dauerte es, bis wir vom Makler unserer Traumwohnung in Konstanz den definitiven Entscheid vernehmen durften.
Tage der Zermürbung liegen hinter uns - schwere Gedanken, Zweifel, die düstersten Hypothesen drückten uns zu Boden - ja richtige Angst, diese eine Beste nicht zu bekommen und bei der Wohnungssuche wieder bei Punkt Null zu stehen - einen Monat vor Mietende in Kreuzlingen.
Dieses Thema gewann so viel Dominanz und Präsenz in unserem Leben, dass alles andere - aber auch wirklich alles - völlig ausgeblendet wurde. Wir vergassen die simpelsten Dinge, waren unkonzentriert, fahrig und dachten den ganzen Tag nur darüber nach, was geschehen würde wenn es nicht klappen sollte.
Düstere Wolken über dem See ...
Das Kennenlernen des Besitzers unserer Traumliegenschaft letzten Samstag endete mit gemischten Gefühlen. Einerseits ein sehr vielfältig interessierter Mensch mit einem sehr turbulenten und interessanten Leben. Andererseits spürten wir aber auch etwas, das nicht immer gut ausgeht: dieser Mensch hat sehr viel Macht.
Nicht gerade förderlich für unsere Schwarzmalereien. Und obwohl ich ja im Grunde genommen immer versuche sehr positiv zu denken, wurde mir doch mulmig.
Und dann heute Mittag die komplette Umkehr: Wir bekommen die Wohnung!
Zunächst fiel unser Körper wie ein nasser Waschlappen zusammen ... bis sich so ganz langsam dieser eine Gedanke im Kopf festsetzte: wir haben es tatsächlich geschafft!
Wir bekommen das, wofür wir jetzt mehr als einen Monat gekämpft haben.
Als ich begann denjenigen Bescheid zu sagen, die in den letzten Wochen mit mir gefiebert haben, Trost aussprachen, Hoffnung gaben, mithalfen mit Beten, Wünschen oder was auch immer wurde mir aus den Reaktionen eines klar: ich habe ein unglaublich grosses Glück, Sie als Leser zu haben. Als Mitmensch, der an meinem Leben teilnimmt (und ich auch ein bisschen an ihrem).
Dafür möchte ich Danke sagen - denn es hilft ungemein, aus der dumpfen Zermürbnis herausgeschüttelt zu werden durch die herzlichsten Gratulationen und Mitgefühle von Ihnen!
Vor mir und meinem Lebensgefährten liegen jetzt noch ein paar Wochen vollster Anstrengung - von Packen bis Papierkrieg. Aber nun haben wir ein glasklares Ziel vor Augen: eine Wohnung, die wir gesehen haben - die so ist, wie wir unsere Zukunft uns erträumten.
Yeaha! Auf in unser neues Leben!
30. Juni 2022
Sommer am See ...
Kaiserwetter, eine warme Brise um die Nase und keine Verpflichtung, der man nachkommen muss - das sind Ferien.
Dieses Foto scheint das doch recht gut zu transportieren, gestern in Litzelstetten in Richtung Mainau aufgenommen.
Dass ich in einer Feriengegend wohne merke ich spätestens dann, wenn ich den Horden von Touristen ausweiche während ich in meiner Wohngegend meine Velofahrten mache. Egal ob ich zu meinem neusten Hobby gehe (ich habe einen Gesangslehrer gefunden, der genug verrückt ist, es mit einer Schwerhörigen aufzunehmen, die nur noch 10% hört - YEAHA!), oder ob es Strassentests sind zum Abschätzen ob eine potentielle Wohnung noch nah genug zum Bahnhof liegt, damit ich zeitgerecht in St.Gallen zur Arbeit komme ... IMMER, so scheint es, hat es hunderte von Fahrradfahrern auf den Strassen, die sehr eindeutig nicht ortskundig sind.
Deren Merkmale? Ganz einfach: fahren mit dem Motor ihres E-Bikes ohne auch nur einmal die Pedalen zu berühren den Salzberg (ist wirklich steil) mit unter 5 km/h hoch und sind verwundert, wenn ich sie mit meiner alten Tretmühle hinter ihnen darum bitte doch endlich einmal selbst zu treten weil ich sonst im leichtesten Gang nicht mehr hochkomme.
Oder andere Variante - weitaus sympathischer: stehen mitten auf der Radspur auf der Seerheinbrücke (wo man kaum Platz hat für die sich kreuzenden Radspuren), machen Fotos vom See oder schauen sogar auf der Karte nach, wo sie jetzt hin müssen...
Letzteres entlockt mir dann immer ein Schmunzeln - und lässt mich den Fremdenführer spielen.
Die Gelassenheit der Einheimischen - zu denen ich hoffentlich auch bald gehören werde - lässt in dieser Situation eben nicht die Gemüter hochkochen, sondern noch ein "Viel Spass" nachrufen, wenn die Ausflügler dann happy die Strasse wieder unter die Räder nehmen.
So gerade gestern mir selbst passiert - als ich einen Autofahrer in der Landwirtschaftszone im Nirgendwo zwischen Waldsiedlung Reichenau und Litzelstetten nach dem Weg fragte und damit einen anderen Radler zwang zu warten (der Weg war gerade mal 2m breit und beidseits mit hochwachsender Natur bestückt).
Solche Momente bestätigen mir, dass ich in die richtige Richtung gehe. Da frohlockt die Seele während der Gespräche mit völlig fremden, aber unglaublich netten Mitmenschen.
Eben Mensch sein.
Der Leser mag mir verzeihen, dass ich mich schon mehr als einen Monat ob diesen wunderschönen Erlebnissen nicht mehr gemeldet habe ... so sehr ich mich freue, nach Konstanz umzuziehen, so zeitintensiv und nervenraubend ist die Suche nach einer Wohnung - respektive das Erkämpfen eines Mietvertrages.
Dass dem so ist wusste ich ja bereits vorher, aber die vielen Bewerbungen, kaum Besichtigungen und dann die Probleme mit den grenzüberschreitenden Infos ... uff ...
Als ReinSchweizer kann man sich das fast nicht vorstellen. Will man eine Wohnung, braucht es noch den Strafregisterauszug und gut ist.
In Deutschland ist allerdings das entsprechende Pendant die SchuFa - Auskunft. Daher können die jeweiligen Vermieter nicht prüfen, ob ich als Schweizerin solvent bin. Und dass der Strafregisterauszug eben dieselbe Aussage hat verstehen die wenigsten.
Dazu wird gerne mal ein Lohnausweis verlangt, zusätzlich ein Beweisdokument, dass man die Miete pünktlich gezahlt hat in den letzten Jahren etc. etc.
Also weitaus pingeliger als die pingeligen Vermieter in der Schweiz.
Dafür darf man dann in Konstanz leben - dem Ort, in dem man dann Reiseführer für Touristen spielt, weil es einfach Spass macht.
Also mit Vollgas in die Pedalen und weitersuchen, informieren, und hoffen ... Daumen drücken dass wir bald einen Mietvertrag unterzeichnen dürfen!
18. Juni 2022
Alea iacta est.
Dies mag wohl ein Sprichwort sein, das jeder in irgendeiner Art schon mal vor die Linse bekommen hat.
Offenbar wurde im alten Latein jeweils nur mit einem Würfel gespielt, zumindest wurde das berühmte geflügelte Wort in der Einzahl überliefert, obwohl es gerne mal mit "die Würfel sind gefallen" zitiert wird.
Manchmal bekomme ich in meinem Leben so ein ganz kleines bisschen das Gefühl, dass da tatsächlich jemand mit so einem Dingens herumspielt... die Bezeichnung dafür ist sehr vielfältig und oft Glaubenssache. Egal ob man von Schicksal spricht, "Arschengeln" oder göttlicher Vorsehung, ob man an Zufall glaubt oder kosmische Energien... letzthin war wieder mal so ein Moment an dem ich dachte - offenbar muss es sein.
Nach unseren Ferien - eigentlich schon sehr kurz davor (so ungefähr 20 Stunden vor Abflug) - zeichnete sich durch Bauprofile vor dem Balkon ab, dass nichts Angenehmes in den künftigen Monaten in's Haus stehen würde. Ohne jegliche Vorankündigung durch die Verwaltung flatterte irgendwann später dann eine Orientierung in den Briefkasten betreffend Wärmedämmung und Balkonvergrösserung.
Nun ja, eine Nachbarin gratulierte über die Strasse hinweg. Wir - mein Lebensgefährte und ich - waren allerdings eher weniger erfreut darüber. Seit einem Jahr herrscht in der "absolut ruhigen Quartierstrasse" Verkehr und Lärm von der HauptstrassenSanierung nebenan. Da diese jetzt endlich weitergewandert ist wäre es etwas ruhiger, mal abgesehen davon dass offenbar zu jeder Tageszeit, 7 Tage die Woche, irgendjemand einen Hund zum bellen reizt, Rasen mähen oder mit dem Laubbläser was erledigen muss. Wir haben uns bis dahin mit der wunderschönen Aussicht nach Meersburg getröstet. Doch die Aussicht darauf erneut 6-9 Monate mit Baugerüst, dementsprechend Lärm bis in die Knochen und Schutznetz vor der Nase hausen zu müssen... menno...
Auch eine Aussicht auf Mietenreduktion war wenig vielversprechend und nur im Nachhinein einforderbar.
Diese schwere Entscheidung - bleiben oder gehen - führte schliesslich zu einem skurilen Ende. Die Verwaltung kündigte uns die Wohnung.
Alea iacta est.
Eigentlich bin ich ja heilfroh. Das mag seltsam anmuten. Doch ich bin froh geschubst worden zu sein und nicht selbst das Schwert zur Trennung ziehen zu müssen.
Denn in einem Punkt waren ich und mein Liebster uns vorher schon einig. Wenn wir gehen, dann gleich nach Konstanz. Das Ziel, das uns damals in Trimbach zu weit und zu komplex war, rückt nun sprunghaft in nächste Nähe.
Manch einer tippt sich an die Stirn, da eher Deutsche unbedingt in der Schweiz wohnen möchten. Aber für uns ist und bleibt meine Ausbildungsstadt ein Traum zum Leben. Dort sein dürfen, wo andere Ferien machen.
So also nicht nur ein vorsichtiges "ich tunk mal vorsichtig meinen Zeh in den Bodensee", sondern gleich ein "ich Hüpf von Imperia's Arm direkt in das Konstanzer Hafenbecken".
Seither rauchen natürlich unsere Köpfe. Mit einem erneuten Umzug nach bereits 15 Monaten hatten wir nicht gerechnet und stehen nun nonstop in den Startblöcken zu allen möglichen Themen.
Aber es hat auch etwas: Energie. Und wie!
Die Aussicht darauf etwas völlig Verrücktes zu tun, von dem ich immer sagte, dass es für mich unvorstellbar sei... *WAAAAAAH!*
Es gibt da so eine kleine Story, die ich mal irgendwo aufschnappte. Leider ist mir der Autor entfallen - er möge mir verzeihen wenn ich ihn hier ohne Namensnennung zitiere:
Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht.
06. Mai 2022
Himugüegeli ...
Gleich vorneweg für all jene, welche beim Lesen des Titels ein "Himu... was???" hervorgestossen haben: es Himugüegeli ist ein Marienkäfer auf berndeutsch *schmunzl*
Warum der jetzt ausgerechnet auf Ihrem Bildschirm herumwuselt hat zwei Gründe:
Zum einen war ich ja mit meinem Liebsten in den Ferien - auf Teufel komm raus und wider aller finanziellen Vernunft. Aber die zwei Wochen waren für uns bitter nötig und goldrichtig. Während unserer zahlreichen Abenteuer auf Lanzarote war ein Erlebnis omnipräsent: Vulkanismus ist was superbuntes und eigentlich kaum was, in dem man Leben findet - ausser Flechten, welche den Boden urbar machen und dem Geheimnis des Lebens Pate stehen. So kann es sein, dass man mitten in einem riiiiesigen Feld von zerklüfteter Lava steht - der sogenannten Mala Terra (oder zumindest so ähnlich - das war alles soooo eindrücklich, dass ich die genauen Namen der verschiedenen Phänomene des Vulkanismus nicht behalten konnte). Und mitten in dieser Landschaft, in der scheinbar gar nichts gedeihen kann stehen dann Dornenbüsche, Hauswurzähnliche Pflanzen und... man glaubt es kaum: wilde Geranien.
Doch was mich wirklich vom Hocker runterholte war das fragende "Schaatz...?" von meinem Lebensgefährten auf der Tour mit dem schlimmsten wackligsten Boden meines Lebens.
Er war mit der Fotokamera im Anschlag hinter mir in die Hocke gegangen und zielte auf ein Dornengestrüpp am "Wegrand", sofern man das Weg nennen wollte - es war begehbarer Lavakies, der sich bei jedem Schritt bewegte.
Als ich etwas genauer hinschaute war da doch tatsächlich ein... Himugüegeli!
Ich schüttelte den Kopf. Hä?! Was macht dieses Tierchen fernab von jeglichen tierischen Lebens hier auf diesem "Ichüberlebgradmalsoknapp"-Dings?
Das Glückskäferchen liess sich von meinem Staunen nicht stören, es kletterte mit unglaublicher Energie auf der kargen Pflanze rum, als hätte es gerade nen Sechser im Lotto gehabt.
Deswegen ist auf dem Foto auch nur die Pflanze scharf *kicher*
Es mag vielleicht seltsam anmuten, dass ich und mein Lebensgefährte wegen einem Sechsbeiner einen solchen Aufstand veranstalten, aber wir sind nun mal extrem begeisterte Beobachter der Natur. Und ein solches Erlebnis hat nicht nur eine Bedeutung. Das direkte Erkennen und Erfahren, wie sich Natur Leben in eine Ödnis zurückholt ist für uns etwas sehr Imposantes und offenbar war dieses eine Tier nicht das einzige, das die Mala Terra interessant fand. Wir waren wohl die einzigen Touristen am Vulkan Caldera Blanca, welche schliesslich eine ganze handvoll Marienkäfer bemerkten - auf Steinen und eben diesen Dornenpflanzen direkt am präparierten Pfad. Und schliesslich ist ein Himugüegeli DAS Symbol des Glücks - eines kletterte sogar auf dem gelben T-shirt meines Liebsten rum. Das praktisch jedes Tierchen meinen Lebensgefährten zum Knuddeln findet bin ich gewöhnt, aber vom Glück selbst umarmt zu werden... *ganzganzbreitesgrins*
Aber ich sagte ja dass es zwei Gründe dafür gibt, dass ich so auf dieses Himugüegeli anspiele. Der zweite Gedankenanstupser ist das Wort selbst.
Ich lebe nun seit etwa 546 Tagen in Kreuzlingen... ich dachte immer es sei Wurst mit Senf und Ketchup wo ich in der Schweiz wohne, da ich sowieso durch meine Schwerhörigkeit alle Dialekte miteinander vermische und auch gemixt wiedergebe. Aber alleine dieses Käferchen - mein spontaner Ausruf "es Himugüegeli!!" mitten im Nirgendwo auf einer Insel im Atlantik und das darauffolgende "ein was??" von meinem Liebsten, der als gebürtiger Stuttgarter für gewöhnlich kein Problem mit schweizer Dialekt Verstehen hat... alleine dieser Moment machte mir bewusst, was ich am anderen Ende in der Schweiz am Bodensee vermisse. "Meinen" Dialekt. DialektHeimweh sozusagen.
Bloss kann man damit nicht zu einem Arzt gehen - das wissen wir spätestens seit Heidi in Frankfurt.
Nö.
Da muss andere Hilfe her. Nämlich alte Heimat besuchen. Allerdings dann nach den Ferien *kicher*
Aber auch das wieder... eindrücklich. Wie eine Sprache das Gefühl von Heimat und WurzelnSpüren vermittelt.
Einmal mehr verstehe ich, warum es für meinen Liebsten so heftig ist, hier kein Schwäbisch zu hören.
Und ja - ich habe ihn sehr ermuntert, endlich nach über einem Jahr wieder in seine Stadt zu reisen - Heimat auftanken. Wieder etwas Leben in die eigene Seele aufzusaugen.
Danke Himugüegeli.
30. April 2022
Habla español?
Es ist kurz vor 6 Uhr morgens und die Tasse Schoko-Koffein lässt gerade mein Herz etwas zu schnell bumbern... aber auch die Vorfreude auf meine bevorstehenden Ferien lassen es schneller schlagen. Ich bin seit 4 Uhr wach und übe für den Start morgen um 3 Uhr, damit ein pünktliches Ankommen am Flughafen gelingt.
Ich bin nicht stolz auf meinen letzten Text - viel zu viel moralapostelig und so gar nicht meine Schreibe wie sonst - Sie mögen mir deshalb verzeihen, dass ich jene auf meiner "Hallo, ich habe wieder mal etwas geschrieben"-Liste nicht darüber informiert habe. Doch die Gedanken mussten raus und so hat es wieder etwas mehr Platz in meinem Kopf für das, was ich hier so gerne wiedergebe: der Genuss des Leben erleben.
Wieder einmal einen "Lehrplätz" (für alle nicht Dialektler: Lernerfahrung) gab es diesbezüglich gerade kürzlich für mich. Dieses Mal war ein Lernprogramm schuld, das ich seit letzem Jahr benutze, um mich meiner 5. Sprache anzunähern, damit ich den Menschen in meinen Ferien mehr Respekt zollen und die Freude in ihrem Land sein zu dürfen in ihrer Sprache ausdrücken kann: Spanisch.
Nicht gerade ein leichtes Unterfangen, oder haben Sie schon einmal versucht ein Wort in einer fremden Sprache zu verstehen, während Sie Kaugummikauen und gleichzeitig laute Musik auf den Kopfhörern haben? So in etwa können Sie sich meinen Schwerhörigen-Alltag vorstellen, nur dass ich die Musik nich leiser stellen kann.
Aber ehrlich gesagt macht es Spass und ich freue mich, wenn in dieser "Schule" ein Beispielsatz gezeigt wird, den ich offensichtlich in den Ferien benutzen kann.
In den letzten Tagen wurde mir aber bewusst, dass auch hier eine Falle lauert, die jeden Enthusiasmus beseitigen kann. Diese Falle heisst Wettbewerb.
In dem Programm gibt es eine Hitliste - mit jeder Lektion bekommt man Punkte und Ende der Woche gibt es eine Belohnung für den Erstplatzierten.
Nicht wirklich - nur ein lustiges Bild mit Hurra und so. Aber allein diese Liste animiert zum Lernen... so könnte man meinen.
Da aber die Repetition alter Lektionen mehr Punkte gibt, als Neues zu erarbeiten können Sie sich vorstellen was passiert?... genau: wieder klebt man am Bildschirm und töggelet ewig am alten Zeug rum, um ja den ersten Platz zu erwischen. Anstatt sich mit Freude auf's Neue einzulassen, wird zwar das Erlernte gefestigt, aber schliesslich nur noch automatisch und so schnell wie möglich runtergespuhlt.
Ich musste mit aller Gewalt mich innerlich davon distanzieren und meinen Blick auf mein ursprüngliches Ziel lenken: eine neue Sprache kennenzulernen und im besten Fall in den nächsten zwei Wochen anzuwenden.
Es gelang mir, und seither ist eine sehr seltsame innerliche Unruhe plötzlich verschwunden - jo waaaas!? *schmunzl*
Ausserdem wird auf mich gezählt: mein Lebensgefährte hat mir schon mit einem Stockzahngrinsen angedroht, dass er in den Ferien kein Wort sprechen wird und ich die gesamte Konversation mit den Einheimischen führen werde - weil ich ja jetzt fliessend Spanisch spreche... jaja... mal sehen ob ich über ein verlegen-entschuldigendes Lächeln hinauskomme und vor lauter Durcheinander mit Italienisch-Englisch-Spanisch in meinem Kopf überhaupt einen Satz rausbekomme.
Aber auch das lässt mich jetzt kichern und mein Herz noch ein bisschen höher schlagen... Ferien sind echte Muntermacher.
19. März 2022
Wintersonne...
Es ist schon wieder eine ganze Weile her, seit ich hier die letzte Geschichte hinterlassen habe - Sie mögen mir verzeihen. Der Grund ist leider so simpel wie erfreulich: die Sonne scheint. Und zwar nicht zu knapp!
Jeden Tag öffne ich den Fensterladen vom Schlafzimmer um in einen wunderschönen Sonnenaufgang hineinzublinzeln, manchmal auch in eine vollends erstrahlte Lichtkugel, welche mir herausfordernd zuzurufen scheint: na du Schlafmütze? Raus aus den Federn!
Herrlich für meine Sonnenanbeter-Seele und äusserst wohltuend nach so vielen Monaten Lichtmangel.
Dadurch habe ich jede freie Minute draussen verbracht und schon fleissigst Sommersprossen gesammelt - im Februar!!
Auch wenn dieses Wetter natürlich nicht so toll ist betreffend ersten Dürre-Meldungen und dementsprechend Feuergefahr in Tessiner Wäldern... aber lieber die Minustemperaturen kombiniert mit Regen? Neee, danke. Dann gerne morgens früh am Bahnhof das Füdli anfrieren während der erste rosa Schleier über dem See einen fantastischen Sonnentag verspricht.
Wobei das mit dem ganzen Klima als Diskussion mich ja schon auch beschäftigt.
Spätestens seit den Ferien in Mallorca vor ca. 5 Jahren wurde mir bewusst, wie laut die Alarmglocke schon schrillt, als ich lauter Plastikfetzen am Strand antraf statt schöner Muscheln und Steinchen und was sonst so die Brandung nach einem Sturm anspühlt... das Thema Plastik ist natürlich nur ein kleiner Teil der gesamten Problematik.
Von saurem Meer aufgrund der lecken Tanker und sonstigen Chemikalien welche immer noch täglich im Wasser landen ohne dass sich jemals jemand darum kümmern würde über unser Konsumverhalten wie Kleider aus Billigproduktion welche nach kürzester Zeit im Schredder landen, Lebensmittelverschwendung durch Falschbestellungen der Händler oder Fehlkäufe von Privaten undsoweiterundsofort bis hin zur politischen Reaktion auf die Klimaveränderung in Form von Geldabgaben (Filtern die mit den Moneten die Abgase?) anstelle von Reformbestrebungen in der Wirtschaft gibt es da ganz viele Dinge, die man dringendst hätte anpacken sollen - und zwar schon vor 20 Jahren.
Damals haben wir nämlich in der Schule darüber gesprochen und nebst dem anderen Müll auch die Zigrattenstummel akribisch vom Pausenplatz gesammelt, weil jeder Stummel 1000 L Wasser vergiftet und dazu durch den Plastikfilter höchstens in Mikroplastik zerfällt - hesch gwösst?...
Seit dem Erlebnis dort am Strand versuchen ich und mein Lebensgefährte die Verwendung von Plastik zu minimieren. Es ist erstaunlich wie viel weniger Abfall jede Woche zum Abtransport wartet und immer noch erschreckend, wie viel davon reines Plastik ist!
Dabei überrascht mich immer wieder wie meine direkten Kontaktpersonen scheinbar alleine dieses Thema überhaupt nicht auf dem Schirm haben.
Zig Plastiktaschen die nicht benutzt werden und in der Wohnung herumliegen.
Hamsterei an der Gemüsetheke von den dünnen Säckchen (wofür???).
Plastikaufbewahrungsbehälter werden immer noch hergestellt trotz vorhandener Alternativen!
Weist man jemanden darauf hin, dass er bitte seinen Müll vom Boden wieder aufheben soll wird man angemotzt.
Oder was mir auch aufgefallen ist: die in der Physiotherapie sehr häufig verwendeten Massagelotionen oder -öle bestehen meistens aus Paraffinöl. Ein Erdölprodukt genauso wie Plastik. Das heisst also, dass wir uns Erdöl auf die Haut schmieren und das Zeug auch in Erdölprodukten lagern. Ein Material das auf äusserst umweltschädliche Art aus der Erde herausgeholt wird, endlich ist und gerade jetzt durch die weltpolitische Situation zu einem riesigen Diskussionspunkt wurde.
Völliger Verzicht ist in der heutigen Zeit unmöglich geworden. An manchen Orten ist Plastik ein Segen - oder möchten Sie dass die Strasse vor ihrem Haus immer wieder saniert werden muss, weil alle Leitungen eben erodieren und zerfallen? Dort ist es super, wenn das Zeug, das unsere Kloake und Energien transportiert eben nicht verrottet. Aber ansonsten gibt es ganz viele Orte, wo ich es eben nicht sehen will. Zum Beispiel in meinem Essen, oder in meiner Haut. Schon mal versucht ein Dusch oder Shampoo zu finden, das nicht in einer Plastikflasche steckt, welche zwangsläufig Weichmacher und Mikroplastik abgibt? Doch es gibt sie tatsächlich - melden Sie sich bei mir, falls Sie wissen möchten wo.
Oder warum wird nicht überall Gemüse nur mit kompostierbarem Säckli verkauft so wie damals in den Ferien in Italien wo ich äusserst erstaunt feststellte, dass dort sehr viele Verpackungen mit sehr viel Hintergrunddenken existieren.
Wann haben Sie das letzte mal eine Stofftasche aus ihrem Schrank benutzt, statt ein Gemüsenetz zu kaufen das aus Polyester besteht (übrigens ein anderes nettes Wort für Plastik)?
Natürlich lohnt sich auch der Gedanke, was für Kleider man kauft, und wie sorgsam man allgemein mit den Dingen umgeht, die man in den Händen hält...
So viele Dinge, die wir mit etwas Aufmerksamkeit selbst tun können. Und damit der Wirtschaft mit unserem Handeln einen Wegweiser geben, in welche Richtung es gehen soll. Denn noch immer bestimmt Nachfrage die Produktion.
Einer muss nun mal anfangen.
Machen Sie mit?
14. März 2022
Zufriedenheit
Ganz ehrlich: wann haben Sie für sich das letzte Mal das Wort Zufriedenheit benutzt?
Der Satz "ich bin es zufrieden" ist zwar etwas altertümlich, und ich scheute mich sogar auf Geburtstagskarten neben Glück, Gesundheit und Erfolg auch Zufriedenheit hinzuschreiben, weil dieses Wort schnell auch lehrerhaft erscheinen kann. Sei gefälligst zufrieden mit dem was zu kriegst - so in etwa.
Doch dieser Tage gab es einen Moment, nachdem ich meine letzte Patientin aus meiner eigenen Praxis verabschiedet habe, als mir dieses Gefühl bewusst wurde.
Ich stand bei Oskar (meinem Skelett in der Ecke vorne beim Fenster) und blickte einen Moment über meinen gesamten Praxisraum - eigentlich um abzuschätzen, ob ich noch etwas vergessen habe, bevor ich gehe. In diesem Augenblick fühlte sich aber alles richtig an - wirklich alles.
Seit vielen Jahren suche ich eigentlich nach dem Arbeitsplatz, an dem mir allumfassend wohl ist. Gute Chefs hatte ich, nette Arbeitskollegen auch, über den Lohn kann man immer streiten... aber etwas fehlte immer. *grmpf*
Ich höre schon die ersten Einwände von Ihnen. Ja, es gibt keinen perfekten Arbeitsplatz, wie es auch kein perfektes Leben oder keinen perfekten Menschen gibt. Es wäre damit auch schrecklich langweilig auf der Welt, seien wir ehrlich.
Aber es fehlte immer etwas sehr grundlegendes an meinen vorherigen Orten: ich war nicht zufrieden - mit mir selbst.
Und als ich letzthin eben so über meine Riesenpflanze blickte, welche nach einem bösen Unfall im Treppenhaus auf dem Weg zur Praxis Schaden nahm und doch wieder neu austreibt, über die Liege, welche mir viel zu laut ist und deren Lieferant jetzt sogar einen Servicetechniker zu mir schickt und mir damit zeigt, dass er mich als Kunde ernst nimmt, über die herrlichen Leinwände, welche aus der Kamera meines Lebensgefährten stammen und mit einigen Hindernissen ihren Weg an die Wände fanden, über die einzelnen neuen und sehr vielen alten Möbel, die ich für diesen Raum ausgewählt habe um mich wirklich darin aufgehoben und wohl zu fühlen (und hoffentlich auch meine Patienten) erkannte ich, dass es Zufriedenheit ist, die mich besuchte.
Ich bin es zufrieden, diesen Raum geschaffen zu haben, diese Praxis aus kleinen Samenkörnern und sehr hartem Boden herauszukitzeln. Ich bin es zufrieden an einem Punkt in meinem Leben angekommen zu sein, an dem ich ja sagen kann: ich bin zufrieden.
War schon extrem lange her das letzte Mal, ich kann mich nämlich nicht mehr daran erinnern.
Dabei ist es so einfach, wenn man danach sucht.
Glaube ich, denn ich habe es ja jetzt geschafft, dann ist wohl immer alles scheinbar einfach.
Ich bin es zufrieden, an einem Ort wohnen zu dürfen, wo die Möwen um's Haus fliegen und ich den See vom Fenster aus sehen kann in all seinen Farben.
Ich bin es zufrieden, einen Lebensgefährten gefunden zu haben, der sich um mich sorgt, wenn es mir nicht gut geht und der mich unterstützt, egal welche verrückten Ideen ich gerade auf den Tisch bringe und mich auf den Boden zurückholt, wenn ich dabei abzuheben drohe.
Ich bin es zufrieden, an Orten arbeiten zu dürfen, wo meine Art geschätzt wird und mein Wunsch Wissen zu teilen auf offene Ohren stösst.
Ich bin es sehr zufrieden, die Zeit geschenkt zu bekommen, meine Kreativität ausleben zu dürfen - bei der Arbeit, in der Beziehung wie auch in meiner Freizeit.
Klingt verblüffend nach kitschigem Moralapostel, gell!? *kicher*
Natürlich ist meine Zufriedenheit nicht allumfassend - gerne darf sich etwas an meinen viiiielzuvielen Pfunden was ändern, an den Schmerzen im Knie, der ständigen Sorge im Finanzbereich mit einer neuen unbekannten Praxis... natürlich gäbe es da noch sehr vieles. Ich bin ja nicht perfekt - wäre ja eben langweilig.
Aber dieses Gefühl mal zu fühlen, anstatt nur davor zu zögern es zu schreiben ist eine sehr wohltuende Erfahrung...
31. Januar 2022
Wenn plötzlich kein Widerstand mehr da ist...
Haben Sie manchmal auch das Gefühl, als würden Sie gegen Windmühlen ankämpfen?
Gut, die Metapher passt nicht unbedingt in mein Leben, ich bin bisher Windmühlen nur in den Ferien begegnet - und musste da natürlich auch nicht gegen Sie kämpfen... *schmunzl*
Doch dieser Tage beobachte ich an mir selbst etwas, das mir bewusst macht, dass ich da einige Dinge in meinen letzten Jahren ständig in meinem Weg hatte und dagegen arbeitete. Denn ich bin jetzt superflach auf die Nase gefallen, weil sie nicht mehr da sind.
Ich habe mit der neuen Arbeitsstelle eine sehr freundliche und herzliche Arbeitgeberin erwischt, in meiner eigenen Praxis läuft es auch auf kleinster Flamme und ich habe dadurch so viel Freizeit wie noch nie in meinem ganzen Leben (höchstens vielleicht als ich im Kindergarten war).
Das Ergebnis: ich bin plötzlich in dieses Vakuum hineingeraten, das einem nichts mehr fühlen lässt, und in dem man im Rückblick merkt, dass man stundenlang... nichts... gemacht hat.
So flutschen nun Tage, sogar Wochen durch, zum Teil mit sogar schönem Wetter und ich frage micht, warum ich es nicht geschafft habe das zu tun, was ich früher bei solchen kostbaren Gelegenheiten immer tat: sie nutzen und das Leben geniessen.
Nicht dass mir langweilig wäre - im Gegenteil. Ich könnte Stricken, Lesen, Steine bemalen, Freunde besuchen, Schreiben (immerhin das habe ich soeben geschafft) oder das, was früher mein Motor war: raus in die Natur und Wandern.
Stattdessen stellt sich eine gewisse "Bääh"-Laune ein. Das hat jetzt nichts mit Ziegen zu tun - die netten Tierchen sind ja ganz emsige Krautvernichter und stets auf Zack. Nein eher dieses "Bäh, mich macht überhaupt nix an...".
Die Sonne scheint, die eine Hälfte in mir will raus, die andere Hälfte sagt "mag ned". Doof irgendwie, denn meistens gewinnt die Zweite.
Mir bewusst, dass dies durchaus Frühlingsmüdigkeit sein könnte, der Schock nach den letzten Monaten nonstop Behandlungen zu geben oder der innere Schweinehund habe ich begonnen, mein gutes altes Motivationsbuch zu lesen.
Kennen Sie "Fish!"? Ist ne tolle Geschichte von einem Fischmarkt in Seattle, der eine ganz eigene Philosophie lebt, um es schöner am Arbeitsplatz zu haben.
Nicht dass meine Arbeitsplätze nicht schön sind. Die Tipps aus dem Buch lassen sich auf alle Bereiche des Lebens übertragen. Also wieder mal lesen Frau Bösse. Wohl zum 50. Mal seit ich die Bücher im Jugendalter gekauft habe.
Ich bin ehrlich - ich bin noch nicht viel weiter. Gerade jetzt scheint die Sonne herrlich über einem Wolkenband und ich habe mein Vorhaben den Maestrani Fabrikladen endlich mal zu besuchen da ich jetzt in dessen "Nähe" wohne doch wieder nicht umgesetzt und stattdessen mich in der Wohnung verkrümelt.
Wenigstens habe ich eine Apfelwähe gebacken, Wal- und Erdnüsse geknackt und sitze jetzt an diesen Zeilen. Auch eine Art von Freizeitgestaltung. Aber eben - wieder nicht draussen an der Sonne.
Ein Argument dagegen: nur direkt an der Sonne ist es warm. Der Winter hat auch hier in Kreuzlingen immer noch saukalte Füsse.
Ausreden! Ruft da jetzt jemand im Hintergrund...
Ich weiss. Aber diese träge Müdigkeit, irgendetwas zu Machen ist übermächtig.
Also fleissig weiter an kleinen und kleinsten Schrittchen arbeiten, um aus diesem Nichts ein Etwas zu machen.
Eben... Apfelwähe zum Beispiel. En Guete!
21. Januar 2022
2021:
Erkenntnisse eines Morgens...
Heute scheint ein seltsamer Tag zu werden. Begonnen hat er mit einer Entdeckung, die mich eigentlich - nun ja, wie soll ich das sagen - dankbarer werden liess?
Ich machte mir mein Morgenessen, das an Arbeitstagen eher profan aussieht: Schüssel mit Schokodingern drin von einer Firma, welche auf ihrem Hauptprodukt nen Gockel hat (direkt darf man ja heute nix mehr sagen, sonst gilt es als Werbung und ich kann verklagt werden. *seufz* ist leider nicht mehr so wie früher wo man ein Ding einfach beim Namen nannte).
Sie kennen die von heute Morgen bestimmt auch, als Teenie war ich davon begeistert, weil der gepuffte Reis oder was das ist, knisterte, wenn man die Milch hinzugab.
Nun ja - heute stellte ich sehr sehr sehr erstaunt fest, dass ich dieses Knistern höre.
Mit 90 dB Hörverlust im Sprechbereich eine echte Leistung, die mich fast Hallelujah sagen lässt.
Diesem Genuss durfte ich aber nicht allzulange fröhnen, weil ich ja hurtig zur Arbeit fahren musste.
3 Baustellen später stellte ich fest, dass gestern zwei meiner Patienten abgesagt haben und so eine Lücke nach meinem ersten Patienten von 75min entstand - aber niemand in der Praxis meinen ersten Patienten anrief um zu fragen, ob er später kommen könne, geschweige mich darüber informierte. Warum auch. Für die Lücke bekomme ich keinen Lohn und wenn ich nichts darüber weiss, kann ich auch dementsprechend nichts dafür mitnehmen (Strickzeug, Rätselheft, Buch... wäre genug zu Hause da, um mir die Zeit zu verkürzen). Stattdessen lässt man mich jetzt Däumchen drehen.
Nach anfänglichem Adrenalin (ich habe wirklich unglaublich liebe Patienten! Danke an alle, die mir dann schmunzelnd zuhören und mich damit erinnern, dass wir alle Menschen sind) bin ich zu der gelassenen Erkenntnis gekommen, dass ich von meiner Praxis nichts mehr anderes erwarten kann, da ich sowieso per Ende Jahr gekündigt habe und haue stattdessen jetzt auf diesen Tasten hier rum...
Fazit: ein Morgen voller Nebel muss nicht immer doof sein. Mit den richtigen Gedankengängen freue ich mich lieber daran, dass ich die Dinger in der Müslischale noch knistern höre...
Guten Appetit! *schmunzl*
15. Dezember 2021
Aufräumen zum Ende des Jahres hin...
Zuweilen überrascht mich mein Geschreibsel selbst. Ich habe seit dem letzten Eintrag hier (und auch schon öfters davor) immer wieder zündende Ideen gehabt für eine Geschichte - "das wäre perfekt!" - so ungefähr. Doch wie Sie lesen können (nein, sie müssen nicht runterscrollen) - kam keine zu Papier.
Es mag das Leben sein mit seinen vielen Prioritäten, keine Zeit oder einfach auch den Kopf dann doch zu voll haben mit anderen Dingen...
Nun denn, heute war einer jener Tage, über den eine meiner Patientinnen mal sagte: "einfach zum aus der Agenda streichen!"
Irgendwie war der Tag selbst perfekt mit Sonne zwischen ein paar Wolken... und doch... schlecht aufgestanden, pünktlich zum Termin parat, dann überrascht von Glatteis im gesamten Quartier inkl. komplett zugefrorenem Auto, Termin funktionierte nicht... etc. etc.
Das nervte mich derart, dass ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause ging, statt die Dinge in der Stadt zu erledigen, welche ich vorgehabt hatte.
So kam ich zu ein paar Stunden freier Zeit heute morgen und siehe da - endlich packte ich mal den Stapel mit den Dingen zum Ablegen an, der schon seit 3 Monaten das Bild auf meinem Schreibtisch beherrscht. Genau richtig.
Und plötzlich habe ich ganz viel Luft und setze mich an den Labtop für diese Zeilen!
Was Aufräumen für Energie schafft! Unglaublich.
Die Situation lässt mich etwas über das Hier und Jetzt sinnieren.
An einem Sonntag letzthin stand ich noch im Schneegestöber auf einem Weihnachtsmarkt und wurde mir bewusst, dass in diesem Moment eigentlich genau das war, was ich mir viele Jahre zuvor schon gewünscht hatte: Dezember, heimelige Marktstimmung, aufgeräumte und freundliche Leute, Schneegestöber (!!!)... und doch konnte ich keinen Moment davon in mich hineinlassen.
"Krass!" höre ich da im Hintergrund jemanden sagen, den ich sehr gut kenne. *schmunzl*
Doch die Empfindung ist ernst und erschreckend. Die vergangenen Monate - und es sind deren viele - haben mich gelehrt, nicht nur gegenüber meinem Beruf mich innerlich abzugrenzen. Es gleicht einem Drahtseilakt als Therapeut an der Geschichte eines Patienten teilzunehmen, mitzufühlen, aber das alles nicht so weit in sich hineinzulassen, dass man um 3 Uhr morgens aufwacht und beginnt herumzustudieren, wie man Frau Meier und Herrn Müller besser helfen könnte. Ich habe das Gefühl, dass mir dieser Tanz in den letzten Jahren recht gut gelang - ich liege zumindest frühmorgens nicht wegen meinen Patienten wach, eher wegen anderen Themen. *kicher*
Nichtsdestotrotz hat die "omnipräsente Nr. 1 Situation" dazu geführt, dass etwas anderes im Leben irgendwie nicht mehr existent sein darf. So scheint es zumindest.
Kaum ein Gespräch, das nicht irgendwann in die Richtung abschwenkt, selbst wenn man es bewusst vermeiden möchte.
Der heutige Tag hat mir wieder mal klar gemacht, dass es noch etwas anderes gibt.
Glatteis zum Beispiel.
Sie mögen jetzt Schmunzeln, aber das ist ein herrliches Thema bei einer Therapiesitzung!
Oder Sonne. Tatsächlich war heute der erste Tag im Jahr, als der Sonnenaufgang hier am See für eine Vollbeleuchtung unserer Clematis im Herbstlaubkostüm sorgte. Was für ein goldenes Licht in unserer Wohnung! Und sofort dazu eine richtig heimelige Wärme, die mich innerlich kuscheln lässt.
Oder eben das Aufräumen.
Ich bin ein Listen-Mensch. Bei mir existieren auf dem Pult meistens zwei Listen: "Jetzt" und "Später". Sozusagen mein externes Hirn. Die Listen werden manchmal unendlich lang und ich muss aufpassen, dass mich die Masse an Buchstaben nicht demotiviert. Zur Zeit sind sie aber schön überschaubar und irgendwann ist es dann so weit, dass ich diesen sehr sehr ungeliebten Posten "Ablegen" abarbeite.
Das Glücksgefühl danach ist immer wieder eine Überraschung und ich frage mich wirklich, warum ich dann nicht ständig dafür sorge, dass dieser doofe Stapel gar nicht erst entsteht.
Was auch immer es ist, ich kann mich noch so sehr bemühen, ich schaffe es einfach nicht.
Nun denn... ein Argument dafür ist der Serotonin-Spick danach... der mich ja jetzt auch wieder dazu animiert hat, diese Zeilen an Sie zu schreiben.
Aufräumen ist aber auch noch etwas, das ich mit Jahresende verbinde.
In meiner Vergangenheit war es Brauch, zu Weihnachten hin nicht nur 27 Sorten Guetzli zu backen und als Geschenkteller zu verteilen, sondern auch aufzuräumen: das Klavier abzustauben und mit Möbelpolitur zu pflegen, die Spinnweben unter der Ecke der Sitzbank zu entfernen - was meistens meine Aufgabe war, weil ich keine Angst vor Spinnen habe und dazu gelenkig genug um die hinterletzte Kurve in das uralte Möbel zu klettern.
Damals waren es Pflichten. Heute muss ich innerlich Lächeln, wenn ich daran denke, wie viel Spass mir das Rumwurschteln bereitete, um wirklich nicht nur das Aussen, sondern auch das Innen sauber zu kriegen.
Heute ist dieses Saubermachen vor einem neuen Schritt etwas, das ich plötzlich bewusst zelebriere.
Feierlich die Herbstdeko verräumen und das Möbel abzustauben, bevor die festlichen Dinge zur Adventszeit aufgestellt werden.
Die Tasche leeren und waschen, welche mich den Sommer über zur Arbeit begleitet hat und jetzt für das wilde Wetter am See zu wenig wasserdicht ist.
Meine Gedanken aus dem Kopf räumen, die um die Arbeitsstelle jetzt kreisen und sich vorausblickend auf den Neuanfang freuen, der sich just zum neuen Jahr auftun wird.
Weihnachten hat so dieses Jahr für mich eine völlig neue Bedeutung erhalten.
"Es esch heiligi Zyt" (für nicht Dialektler: "es ist heilige Zeit") - sagte meine Mutter oft mit verdrehten Augen, wenn wieder mal die Menschen um einen rum in der Adventszeit sich aggressiv und gehetzt verhielten.
Davon entferne ich mich heuer ganz bewusst. Jetzt ist nicht die Zeit für Geschenke erbeuten. Hier und Heute ist die Zeit, in der ich auf mich selbst blicke - auch versuche in mich zu blicken und herausfinden versuche, aus diesem Hamsterrad, in das ich so leicht hereinkomme, wieder auszubrechen. Wahrzunehmen, was um mich ist und dankbar dafür zu sein. Aufzuräumen. Auch in mir selbst.
07. Dezember 2021
Hurra! Der Nebel ist weg!...oder zumindest für einen Tag...
Zurück aus der warmen Sonne Mallorca's erwischte uns die Schweizer Bise eiskalt - war ja klar...
Ich bin dank meiner eigenen Praxis inzwischen recht viel mit dem Velo in und um Kreuzlingen unterwegs (ich mache auch Hausbesuche auf ärztliche Verordnung) und wundere mich etwas, dass ich offenbar sehr wohl in der Lage bin bei Temperaturen unter 10°C herumzusausen ohne gleich Ohrensausen zu bekommen - das war nämlich in all meinen Lebensjahren zuvor nicht möglich! Und nein, ich habe nicht andere Kleidung als sonst.
Daher erlebe ich diesen Herbst besonders intensiv, nämlich wortwörtlich hautnah, und ich muss zugeben: es macht tatsächlich Spass das Wetter so unmittelbar zu erleben.
Mein neues Outdoor-Erlebnis ist geboren: mit dem Rad zur Arbeit. Ein Traum geht in Erfüllung. Hat ja auch lange genug gedauert, immerhin bin ich schon seit 2009 Physio, hatte bisher aber nie das Glück in Velonähe zu arbeiten.
Was auch pures Glück ist: am See zu wohnen und mal Herbstsonne abzukriegen. Der See ist zwar wundervoll... aber auch ein wundervoller Nebelgenerator. Da lobe ich mir solche Sonntage wie den letzten: Sonne pur beim Aufstehen, zu Mittag das letzte bisschen Dunst weg, zum Nachmittagslauf um's Konstanzer Seebecken dann richtige Postkartenromantik mit den Östi's ihren Bergen hintenrum. Da kriegt man wieder Kraft in die Waden und pure Lebenslust als Tüpfelchen auf dem "i" obendrauf!
Es wurden dann auch nahezu 13km an dem Tag... meine Haxen reklamieren heute noch. *schmunzl*
Wundern tut es mich nicht - schon lange, lange, seeeeehr lange her die letzte Tageswanderung allein mit meinen Kraxlpömps an freien Arbeitstagen... (ja verrücktes Huhn da drüben in Mittenwald, ich hab diesen Namen für Wanderschuhe nie wieder vergessen! *kicher*)
Doch jetzt, jetzt rückt mein Leben so ein ganz kleines bisschen da hin, wo ich schon lange wieder hin wollte. Zwar werde ich weiterhin 6 Tage die Woche arbeiten, um meine Praxis neben der Anstellung als Therapeutin ordentlich aufzubauen, aber die Lust nach Luft und Draussen ist wieder voll da und bekommt erneut mehr Priorität.
Nun denn... auf in den November! Und möge er noch ein paar solche wunderschönen Tage bringen - ich lechze danach!...
02. November 2021
Motivation auf Mallorquí...
Tut mir wirklich und ehrlich leid, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. In den vergangenen zwei Monaten drehte sich in meinem Leben alles um Arbeit und Problembewältigung. Aber jetzt, jetzt haben sich mein Lebensgefährte und ich uns wieder in unser Paradies geflüchtet - mit viel Einsatz und Kampfgeist dieses Mal - und so habe ich endlich wieder Zeit meiner Passion zu frönen: Drauflostippeln *schmunzl*
Was dieses Mal völlig anders ist in meiner geliebten Ecke auf meiner Trauminsel? Nun ja - alles andere ist wohl noch so wie immer - ausser dass man merkt, dass im Hotel massiv an Personal gespart wird und so eine 60% Belegschaft über 300 Personen beim Abendessen bedient, was einer Auslastung von 95% entspricht. Leider Realität, was aber unserem Genuss, dieses phantastische Essen, Wetter und die unglaublich lieben und herzlichen Leute um uns zu haben keinen Abbruch tut.
Aber ich bin anders. Respektive wir. Nämlich... nuevo... nosotros hablamos espagñol - oder zumindest tun wir so *kicher*
Die Motivation, tatsächlich mit 40 und meinen läppischen 10% Resthörvermögen zusätzlich zur Arbeitsbelastung eine 5. Sprache zu lernen ist echt mallorquinisch.
J.J. ist nämlich schuld. Der eine Koch im Hotel, der es schafft mitten im irrsinnigsten Getümmel noch zu lachen, mit den Gästen Spässe zu machen und auf die leckersten Spezialiäten des Abends hinzuweisen, spricht... nur Spanisch.
Er hat uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, was für uns das i-Tüpfelchen von jeden Ferien ist: Das Erleben der Menschen im jeweiligen Land. Das Spüren und Beteiligt sein an deren Kultur, Sprache und Herzlichkeit.
Ich kann zwar etwas Italienisch und wir beide, mein Geliebter und ich, sprechen mehr oder weniger gut Englisch - er eher sehr gut ich eher weniger gut - aber das hilft uns nur durch die touristisch organisierten Stellen. Auf den Märkten und gegenüber den meisten Angestellten im Hintergrund des Hotels braucht es mindestens Espagñol, besser noch Mallorquí.
Viel zu spät waren wir wieder dran mit Lernen wollen, gute App finden und Zeit zum Lernen haben, aber immerhin haben wir es geschafft zu beginnen - und lernen so fleissig an unseren Ruhetagen im Garten des Hotels spanische Vokabeln in der Hoffnung, irgendwann auch was davon zu verstehen, was P. uns jedesmal so goldig an spanischen Erzählfluten am Tisch vorträgt, wenn wir unser Trinken zum Abendessen bestellen. Oder eben was J.J. uns sagen möchte, wenn er wieder begeistert vor einem herrlich duftenden Gericht herumtanzt.
Was allerdings auch mit minimalstem Wortschatz halb spanisch - halb englisch über die Bühne ging, war das Ende von einem 3 jährigen Projekt.
2019 waren mein Lebensgefährte und ich ohne es zu wissen zum letzten Mal auf dem grossen und wundervollen Markt in Sineu, als noch alles in Ordnung war. Die Sineu Brothers (geniale Musiker mit Didgeridoo und Schlagzeug!) rockten die alten Burgmauern und die Menschen wuselten um hunderte Marktstände mit freundlich lächelnden Händlern und fantastischen Waren. Mein Liebster ist passionierter Fotograf und erwischte eine wirklich unglaublich schöne Aufnahme von einem älteren Herr, der dort seine Mandeln verkaufte - die wirklich sehr sehr lecker waren.
Wir bewahrten die Datei dieser Aufnahme mit dem innigen Wunsch, diesem Herr mal das Foto geben zu können.
Was aber nach dem Herbst 2019 kam weiss jeder.
Hatten wir es nach Mallorca geschafft, waren die Märkte noch geschlossen oder wir hatten keine Kraft, grosse Ausflüge zu machen (Sineu ist in der geografischen Mitte der Insel, unser Paradies Cala Mesquida am östlichsten Punkt).
Doch letzten Mittwoch war alles bereit. Die Fotos vorsichtig im Rucksack verstaut, damit sie keinen Knick bekommen, flanierten wir zu der Stelle in den engen Gassen der uralten Gemäuer, wo der Tisch mit den Mandeln war.
Auf dem Weg mussten wir feststellen, dass die Sineu Brothers einsam und ohne Instrumente auf dem Platz sassen wo sie seit über 10 Jahren jeden Mittwoch zwischen 9 und 13 Uhr ihr Konzert gegeben hatten. Neu zugezogene Bewohner haben sich erfolgreich über Ruhestörung beschwert - wegen 4h Musik pro Woche, die nonstop ein begeistertes Publikum anzog. In direkter Nachbarschaft von einem wummernden Markt, der sich heimlich der Grösste der Insel nennt.
Wir haben für solche Dinge nur ein Kopfschütteln übrig und die besten Wünsche für diese wunderbaren Musiker, die ein solches Amtsverhalten nicht verdient haben.
Aber dann, dann kam die Kurve in der Innenmauer. Er trug eine andere Mütze. Und ist sehr deutlich sehr viel älter geworden, auch wenn es nur drei Jahre waren. Aber er war da - unsere schlimmste Befürchtung, dass der Tisch mit dem herzlichen Mann dahinter verschwunden sein könnte wurde zum Glück nicht bestätigt.
Jedes Wortes beraubt, das in diesem Moment hätte sinnvoll sein können, lief ich einfach mit den Fotos in der Hand auf den Mann zu und lächelte. Er blickte auf das Foto, dann auf mich...
Ich glaube, sie verstehen was ich meine. Die Situation war und ist noch immer so herzergreifend. Zwischen irgendwelchen Brocken Deutsch, Spanisch und Englisch konnten wir ihm erklären, dass das Foto 3 Jahre auf ihn gewartet hat - und kauften gleich nochmals eine grosse Tüte Mandeln. Die nur von Ihm so lecker schmecken.
Was mich an dem Ganzen am meisten erstaunt ist, wie viel Motivation und Enthusiasmus mir dieses Land mit seinen Menschen gibt. Sei es eine Sprache zu lernen, um im nächsten Jahr J.J., P., den Mandelmann in Sineu und all die anderen auf Spanisch ansprechen zu können - oder auch nur die Herzlichkeit des Mensch-Seins weiterzutragen und zu leben, egal wo ich bin und wie Grau der Rest der Welt auf mich zutritt.
In diesem Sinne: Hola!! E hasta luego!
28. September 2021
Flutsch...
Nein, nein... keine Angst, ich berichte nicht über den absolut verregneten Sommer und die unglaublichen Unwetter, welche alle mehr oder weniger überrascht haben. Auch wenn es verlockend ist, da ich wirklich sehr schockierende Bilder aus meinem ehemaligen Heimatdorf im Solothurnischen zu Gesicht bekam die auch sehr einfache Weise gezeigt haben was passiert, wenn die Erde sich weigert, auch nur noch einen Tropfen mehr zu schlucken als ohnehin schon.
Nein, das haben Sie alle irgendwo selbst schon gesehen und sich Gedanken darüber gemacht, davon bin ich überzeugt.
Das *flutsch* ist mir gerade entschlüpft, als ich das letzte Datum sah, an dem ich Ihnen geschrieben habe - schon wieder mehr als einen Monat rum!
Mag sein, dass es am "Nichts ist los, wir können nicht so wie sonst" liegen mag. Dass es daran liegt, dass ein Mangel an Erlebnissen unweigerlich dazu führt, dass die Zeit nicht mehr bewusst wahrgenommen wird und deswegen scheinbar sich im Nichts auflöst.
Bei mir mag es aber eher daran liegen, dass die vergangenen Wochen gezeichnet waren von Arbeit, Arbeit, Arbeit - in der Praxis in der ich angestellt bin, in meiner eigenen Praxis damit ich endlich loslegen kann und an meinem Fuss, der sich doch jetzt endlich dazu bequemt, so langsam gesund zu werden.
Entschleunigung?? Irgendwie ist das etwas, das es die letzten zwei Jahre nicht in mein Leben geschafft hat...
Aber jetzt - ja jetzt ist eben nach dem *flutsch*.
Ich habe gestern einen Putz- und Aufräum-Marathon hingelegt und endlich mal wieder die Wohnung auf Vordermann gebracht, damit es sich darin ausruhen lässt ohne dass man beim Anblick der Wüstenbusch-grossen Staubflusen gleich die Putzwut kriegt *schmunzl*
Neues sonst? Na ja, ich habe mich unglaublich gefreut, in den Thurgau gezogen zu sein wo alles noch ein bisschen ländlicher, mehr urschweizerisch erscheint - um zu merken, dass mein geliebtes 1. August - Fest auch hier eher dem modernen "ich bin nicht so sehr Patriot" gewichen ist. Mal abgesehen davon, dass die Kreuzlinger immer noch jegliche Verantwortung oder Organisation scheuen und mit "wir können uns eine Bundesfeier unter Corona-Bedingungen nicht vorstellen" eine ziemlich faule Ausrede in die Zeitung gebracht haben, um auch diese Veranstaltung (wie alle anderen die zwei Jahre zuvor) abzusagen. *seufz*
Ja, ich weiss - Sonntag wird es sowieso den ganzen Tag regnen... aber trotzdem. Wo ist mein geliebtes "mit Fähnchen schmücken!!!!" geblieben, das mich jeden 1. August aus dem Bett gejagt hat, sobald die Sonne aufgegangen ist? Der "Wilhelm Tell" von Cabaret Marcocello, das dem Anlass dieses gewisse Schmunzeln und die eine Lachträne in den Augenwinkel gezaubert hat?
Manche Traditionen mögen veraltet sein, und ja - es lohnt sich mal auch diese etwas genauer anzuschauen, ob sie in der jetztigen Zeit von Klimadiskussionen noch mit gutem Gewissen durchführbar sind.
Aber vermissen tue ich diesen Kontakt zur direkten Umgebung massiv.
Damals... als das halbe Dorf zur Brücke gekommen ist, um das Feuerwerk der Nachbarstadt anzugucken - und man stundenlang mit rechts und links geschwatzt hat, während das Feuer auf dem Ponto runterbrannte - und der letzte Funken der Startschuss für die erste Rakete war...
Und dann, auf dem Weg zurück nach Hause - weiterplaudern mit anderen Leuten, die auf derselben Strasse liefen, bis die Sterne hinter den Feuerwerkswolken wieder hervorkamen.
Auch wenn es jetzt eher so aussieht, dass es das nie mehr geben würde.... wünsche ich mir, dass wir auf irgendeine Art wieder so eine Tradition gestalten, die uns nahe bringt - egal ob wir uns schon kennen oder noch nicht...
30. Juli 2021
Erinnerungen an fast perfekte Sommer...
Vor etwa 2-3 Monaten kursierte in einem sozialen Medium ein Video mit Erinnerungen an meine Kindheit. Da kamen Bilder darin vor von Süssigkeiten, die es heute nicht mehr gibt, aber auch kleine Denkanstupser wie "Barfuss im Rasen laufen ohne Angst vor Insektenstichen oder gar Glasscherben" und "auf Bäume klettern ohne dass die Eltern vor Angst bibbernd daneben stehen".
Ein Bild liess in mir drinn Etwas hochhüpfen: da war ein Foto von einer Mini Milk! Ich glaube zumindest das Eis hiess so (das Video habe ich leider irgendwann mal dann gelöscht unklugerweise). Und das war nämlich viiiiiiiel leckerer als die Milk'is, die später im selben Laden als Ersatz zu kaufen waren und noch sind.
Ich schwelgte mit dem Bild vor Augen in Erinnerungen an heisse Sommer, die warme Luft in der Nase, der Geruch von frisch gemähtem Gras und dem Gefühl von Schulferien - zusammen mit dem Holzstengel in der Hand. Das Milcheis mit dem Hütchen aus feiner Schoggi. Genug klein, damit wir Kinder nicht gerade einen Kälteschock bekamen, genug gross, damit wir das Gefühl von echtem Glück und Paradies hatten. Denn damals war ein Glacé noch wahrer Luxus.
Und dann... als ich dieser Wochen mit meinem tennisballgross angeschwollenen Knöchel zu Hause auf dem Sofa meine Tage verbrachte und mein armer Lebensgefährte alles im Haushalt selbst erledigen musste... brachte er mir was vom Wocheneinkauf mit? Mini Milk! Den Beweis sehen sie auf dem Foto!!
Natürlich heisst es heute nicht mehr so und der Laden ist auch nicht jener von meiner Kindheit... aber es ist genau DAS Glacé von damals. Dieselbe Form, derselbe Geschmack, dieselbe leckere Schoggi! Nur nicht mehr dieselbe Grösse - das mag aber auch daran liegen, dass ich inzwischen ein paar Jahrzehnte älter geworden bin und mein Mund dementsprechend grösser *schmunzl*
Was für eine Geste, was für ein Genuss. So doof das zu Hause bleiben war, so hatte mir mein Liebster das wohl grösste Geschenk des Jahres gemacht: ein Stück Vergangenheit, das man geliebt hat, in die Gegenwart gebracht...
24. Juni 2021
Vollbremsung – oder wie eine Flunder auf der Treppe geht…
Ein grosser Aspekt meiner Arbeit als Physiotherapeutin ist das Motivieren meiner Patienten zur Selbstverantwortung und Eigeninitiative.
Dabei fällt mir immer wieder auf, dass manche Leute gerade nach einem Unfall so richtig in eine Falle der Lethargie fallen. Eine Art Ohnmacht, aus der sie gar nicht so einfach wieder herausfinden und wo dann eben ich auf die Bühne trete und mit einer Las Vegas-bunte Lichtblitz-Aktion dann versuche wieder etwas Lust und Laune in das Leben dieser Leute zu bringen.
Natürlich passe ich das Programm auf die jeweiligen Personen an. Mit Menschen muss man behutsam umgehen und zuerst herausspüren, was derjenige gegenüber überhaupt gebrauchen kann und ob zu viel Glitzerflitzer ihn eher noch tiefer in die Grube drückt oder nicht.
Jetzt ist allerdings wieder einmal eine Zeit gekommen, wo ich die Seite gewechselt habe.
Hin und wieder habe ich das Talent, so perfekt eine Flunder hinzulegen, dass es meinem Lebensgefährten kalt den Rücken runter läuft und ich wieder einmal austesten kann, wie es sich denn so als Patient anfühlt. Auch wenn da mein Liebster diese Meinung überhaupt nicht teilt, sind das jene kostbare Momente, in denen ich Lehren und Studien für mein Einfühlungsvermögen in die Leute sammle.
Erst wenn man weiss, wie sich ein komplett aufgeschürftes Knie anfühlt, kann man Mitgefühl für den kleinen Kerl auf der Liege haben, der in der Nacht wachliegt, weil es so unglaublich fies weh tut. Erst wenn man das halbe Bein voller Blutergüsse hat und jede Bewegung ein Stechen ist, kann man nachvollziehen, wie mühsam dann die Treppe zur Wohnung zu bewältigen ist und plötzlich ist jede Türschwelle zuerst ein Nachdenken, wie man da drüber kommt ohne aufzujaulen. Und erst wenn man dann das alles spürt weiss man, wie einem dann diese Lethargie überfällt, weil einfach alles Adrenalin irgendwann weg ist und man nur noch sich hinlegen und schlafen möchte.
Flunder?... fragen Sie sich jetzt vielleicht.
Nun ja, der arme Fisch kann ja nichts dafür, aber manchmal komme ich mir so vor wie dieser superflache Meeresbewohner. Da ist eine Treppe, oder ein Loch im Asphalt… und wenn es die Umstände wollen… kann ich wirklich wie „Hans guckt in die Luft“ gemütlich genau an dieser Stelle, die soooooo offensichtlich ja eine Gefahr darstellen könnte einfach umknicken und hinfallen.
Tatsächlich, keine Lüge.
Und das schon seit frühester Jugendzeit. Damals sogar noch mit dem Rad. Ich vergesse niemals das entsetzte Gesicht des Autofahrers, als ich direkt vor ihm einfach so auf die Strasse kippte – mitten in der Fahrt und natürlich im Mittagsverkehr, wo es jeder etwas pressant hatte. Zum Glück fuhr der Mann so langsam, dass er rechtzeitig bremsen konnte.
Bis heute weiss ich nicht, das jeweils zu diesen Unfällen geführt hat.
Heutzutage mit den FussUmknickern ist es meistens ein Zusammenführen von sehr viele Dinge noch „schnell“ machen müssen... vielleicht kennen Sie das ja.
Und wenn Sie jetzt endlich wissen wollen, was ich dieses Mal angestellt habe… ich hab die letzten zwei Stufen unserer Aussentreppe als Rutschbahn missverstanden und eine seitliche Flunder über den linken Fuss daraus gemacht – flunderflutsch eben. Das fand mein Sprunggelenk allerdings nicht so toll. Dieser akrobatischen Bewegung nicht gewachsen knickte es um – wieder mal. Bloss eben ein bisschen viel heftiger als sonst. Gebrochen ist zwar nichts, was mir meine Ärztin auf dem Röntgen bestätigen konnte, aber dafür dürften jetzt wirklich alle Bänder futsch sein. Ja, ist aua.
Aber auch das wird verheilen und ich werde nie wieder die Schmerzen und Probleme eines Patienten unterschätzen, dessen Unterschenkel wie Gorgonzola aussieht….
25. Mai 2021
Neuanfang... schon wieder...
Mai... es ist geschafft, der Frühling scheint wirklich jeglichen Schnee hinter sich gelassen zu haben.
Zwar sind die Eisheiligen noch nicht alle durch mit ihrer Präsentation, aber es scheint so, als würde die kalte Sophie dieses Jahr nicht mit Eisblumenkleid auftreten...
Die ersten Blumen spriessen aus dem Rasen unseres Wohnblocks und wir lassen sie stehen, weil sie uns so gefallen, derweil die ganze Nachbarschaft schon alles wieder raspelkurz geschnippelt hat.
Neuanfang, nicht nur für die Natur. Ich habe einige typische Lampenfieber- und SuperGAU-Szenarien durchgespielt... und dann doch unterschrieben.
Wenn Sie jetzt ein "?" vor den Augen haben: es geht um einen Plan, den ich seit mehr als einem Jahr mit mir rumtrage und letzten Oktober gar gänzlich über den Haufen geworfen habe, aber nicht aus dem Blickfeld verlor - meine eigene Praxis als Physiotherapeutin.
Nun endlich schienen alle Weichen und Zeichen passend. Ich habe genügend Abstand zu meinem Arbeitsort als Angestellte, um keine Patienten gluschtig zu machen, in meine eigene Praxis abzuwandern. Ausserdem ist der künftige Vermieter sehr klar im Auftreten und versteckt keine Floskeln im Vertrag .
Und mit dieser Unterschrift habe ich zum ersten Mal mit meinen Ideen ein Datum vor der Nase: 12. Juli 2021.
An diesem Tag soll es losgehen. Da soll alles bereitstehen - und wenn alles normal wäre, sogar Tag der offenen Tür mit ganz vielen Leuten vom Haus in dem der Praxisraum ist und von den Leuten, die irgendwie von meinem Vorhaben was mitbekommen haben.
Natürlich rotieren jetzt bei mir sämtliche Rädchen und Ferien sind auch noch!
Denn so nebenbei haben mein Lebensgefährte und ich nächtelang Gedanken und Hotels gewälzt - um dann zum Schluss zu kommen, dass wir doch alles tun möchten, um wieder in unser liebstes Hotel in Cala Mesquida zu kommen - und verschieben darum sogar unsere Ferien noch einmal eine Woche weiter in's Jahr.
Momentan also alles Glückswelle und mit Wow-Effekt.
Die Probleme werden kommen, aber dafür bin ich ja zertifizierte Alle-Krisen-Bewältigerin. Muss nur noch gucken, wo ich den Fetzen hingelegt hab *grübl*
06. Mai 2021
Zebra!...Zebra???...
Mein Liebster macht am liebsten Scherze. Oft. Seeehr oft.
Dies nur mal schon zu meiner Verteidigung.
Gestern war einer jener Tage, an denen wir in ungezählten Geschäftern standen und nichts von dem bekamen, das wir eigentlich suchten. Na ja, zum Schluss dann schon, aber das ist nicht das Thema hier.
So fuhren wir mit dem Auto unter anderem aus Kreuzlingen raus, den Hügel hoch in Richtung Thurgauer Schokoladenduft, als mein Liebster neben mir sagte: "Zebra!"
Hier muss man wissen, am Wochenende bin ich meistens Beifahrer. Schont die Nerven. Wessen, verrate ich hier nicht *zwinker*
Also sah ich nicht, was mein Liebster meinte und viele Meter weiter vorne behauptete er immer noch, dass da Zebra's gewesen seien. Und ich glaubte immer noch, dass er mich wieder mal verkohlte, weil wir erstens nicht in Afrika wohnen und es zweitens in Kreuzlingen keinen Zoo gibt.
Also wendete mein Lebensgefährte um zu beweisen, dass er durchaus manchmal keine Scherze machte.
Sie glauben es nicht.
Da waren tatsächlich Zebras! Das Beweisfoto haben sie ja oben links stehen.
Die waren zwar unterwegs wie im Zirkus aus meinen Kindheitstagen (selber Geruch, genauso untätig), aber schafften es natürlich mich einfaches Pflänzchen wieder in totaler Verzückung herumzutigern zu lassen und Fotos zu schiessen und "Jööööööö!" und überhaupt...
Mein Liebster schmunzelte bloss... warum wohl?
11. April 2021
Frühling!... oder doch nicht!?...
Irgendwie steht die Welt heute Kopf *grübl*...
Ja, gestern war wirklich grausiges Wetter - kalt, windig - man mochte so gar nicht rausgehen. Aber dass es in der Nacht horizontal schneit und jetzt auch immer wieder Flocken auf dem Moos unter den BonsaiKastanien meines Liebsten landen... irgendwie komisch.
Vorgestern sind wir noch in der prallen Sonne den Hohentwiel hochgelaufen - ein hübscher Ort über Singen - ein Vulkankegel, der eigentlich nur noch die Magma-Füllung des eigentlichen Vulkans ist, wie ich eben am Sonntag gelernt habe.
Und auch sonst war so alles eigentlich schon eingestellt auf Frühsommer.... Frühling auf jeden Fall. Mit erstem Abendessen auf dem Balkon, Fotostrecken von den aufplatzenden Kastanienknospen und dem Beobachten unserer Bienenschar, die uns völlig überrumpelt hat.
Ja, Bienen. In Trimbach hatten wir ein Wildbienenhotel bauen lassen und ganz im Gegensatz zur Billig-Motel-Variante vom Discounter, wurde das von einem passionierten Pensionär gebaute Edelhotel sehr rege bestückt und wir freuten uns über jedes Lehmdeckelchen. Ohne zu wissen, was für eine Überraschung uns dieser Tage blühte.
Wir zügelten die Hotels hierher an den Bodensee. Mit schwacher Hoffnung, die Tierchen würden überleben und in der Gegend auch Nahrung finden.
Aber hallo... als ich letzthin eines späten Morgens in der einlullenden Wärme auf den Balkon kam war da eine ordentliche "Sauerei" auf dem Boden mit lauter Lehmbröckchen. Ein Summen lag in der Luft von teilweise fünf-sechs Bienen auf einmal im Anflug auf das Häuschen. Das machte mir nichts aus, denn ich weiss ja, dass die "Sumsi's" kein Interesse an mir haben und mir auch nichts antun würden. Erst als beim Müllbeutel füllen mir eine auf den Kopf fiel guckte ich genauer hin... und fiel fast von den Socken.
Die schlüpften! und zwar nicht nur eine, sondern in Massen. Jetzt fiel erst der Groschen was da vor sich ging.
Einige fielen erst mal auf den Boden und erholten sich da von der Ausgraberei, flogen aber nach kurzer Zeit in der Sonne schon auf und zogen in ihr Leben weiter.
Dann, als ich das ganze Szenario noch ein bisschen mehr beobachtete, sah ich etwas, das ich nicht gedacht hätte. Die hatten Hebammen! Die Schwärmerei um das Haus waren nicht etwa Zimmersuchende Neuankömmlinge... die klugen Tierchen halfen den Ausgrabenden aus den Lehmkammern zu kommen, und zogen sie sogar raus. Da war ich dann doch etwas baff.
So kann Frühling sein - eine ganze Horde von "neuen" Wildbienen zogen von unserem Balkon in die Welt hinaus. Herrlich!
Und jetzt - keine Biene lässt sich blicken, denn der Schnee fällt dicht und es ist so richtig kalt. Mein Liebster fand das nicht so lustig, aber ich genoss die wahrscheinlich letzte Fahrt durch den Schneefall hindurch für dieses Frühjahr.
Das ist Leben, das ist Energie!
Aber jetzt ist langsam Zeit für Sonne da oben, gell Petrus... *schmunzl*
06. April 2021
Zimtfladen und Segeltörn...
Der Vorteil meines Berufes ist, dass ich wirklich alle möglichen Menschen kennenlerne. Das führt dazu, dass auch die Gesprächsthemen in sehr interessante Richtungen gehen können. Gelegentlich erfahre ich kleine und grosse Geheimnisse, manchmal epische Lebensgeschichten, recht häufig Fachkenntnisse aus verschiedensten Berufen und ab und zu geht's um kulinarische Leidenschaften.
So durfte ich vor einigen Wochen einen original-abgewandelten Toggenburger Zimtfladen kosten, der mir so sehr schmeckte, dass ich nach dem Rezept fragte - und es auch bekam.
Jene, welche mich persönlich kennen werden jetzt schmunzeln weil sie ahnen, dass es nicht wirklich lange dauerte, bis ich mich selbst in das Labor - ähm, in die Küche natürlich - begab um mein Glück zu versuchen. Es war nicht nur das Foto, das vom Ergebnis gelang.
Was das nun mit einem Segeltörn zu tun hat?
Nun, es war just einer dieser Tage wo die jüngste Zukunft (Erforschen von den Traditionen in meiner neuen Lebensumgebung) mit meiner Vergangenheit zusammentrafen. Am Nachmittag radelte ich mit einem Teil vom Zimtfladen nach Konstanz.
Dort wohnt nämlich eine Freundin, welche ich 2013(!) während einem Segeltörn mit lauter Schwerhörigen auf dem Ijsselmeer kennenlernte - und seither ausser einem kleinen Besuch ganz am Anfang nie mehr gesehen habe.
Doch dann, als ich zu "meinem See" zurückkehrte erinnerte ich mich an das lustige Mädel, das in der Koje unter mir während einer der verrücktesten Wochen meines Lebens nächtigte und nahm erneut Kontakt auf.
Die Welt ist manchmal klein. Auf dem Segeltörn waren junge Menschen aus allen möglichen Gegenden von der Schweiz und Deutschland. Niemand wohnte in meiner Region - ausser eben mit den jetztigen neuen Koordinaten die Konstanzerin.
Das gemeinsame Schmunzeln blieb über die lange Zeit ungebrochen und ich freute mich sehr auf das Wiedersehen.
Es wurde ein sehr süsser Nachmittag - nicht nur wegen dem Zimtfladen. Es waren auch einige traurige Töne dabei - nicht immer lacht die Sonne, und zu manchen Zeiten fragt man sich, ob sie denn noch jemals wieder scheinen wird. Auch diese Dinge erzählten wir uns und es tat gut, wie es nun bei Menschen so ist.
Gerade durch meinen Beruf ist mir dieses einander Erzählen und Zuhören sehr bewusst. Manche Patienten entschuldigen sich sogar bei mir, da es bestimmt nicht so interessant ist, wenn sie immer von ihrem Leben reden und ich doch ihrem Körper helfen soll. Das ist dann immer den Moment, wo ich dann davon erzähle, wie schön mein Leben ist, eben weil mir so viel Vertrauen von den Menschen geschenkt wird und ich die wunderschönsten und schrecklichsten Geschichten zugetragen bekomme.
Und gerade deswegen kommt dann ein Toggenburger Zimtfladen mit einer Matrosin aus dem Ijsselmeer zusammen...
21. März 2021
Oskar ist in den Thurgau gezügelt!...
Meine Patienten aus Schönenwerd kennen Oskar bereits bestens, andere vielleicht von meinen Erzählungen oder noch von ganz früher im Dachzimmer meines Elternhauses.
Er ist mein bester Kollege aus PhysioSchulzeiten - zeigt alles was er kann, um den Leuten den menschlichen Körper etwas verständlicher zu machen und macht sich nie lustig, wenn man mal etwas nicht weiss.
Noch Fragezeichen im Kopf?
*schmunzl*
Oskar ist mein Skelett, das ich damals als Schülerin zu vergünstigten Konditionen (aber immer noch empfindlich teuer) kaufte, um die Knochen und Muskelansätze besser lernen zu können. Schlussendlich machte ich das nie, dafür hat Oskar mit mir so manchen Tango heimlich aufs Parkett gelegt, jede PhysioTechnik als Patient mitgemacht und mich mitten in der Nacht aufschrecken lassen im Glauben, ein Mensch stehe in meiner winzigen 1 Zi-Whg im Industriequartier von Konstanz weit weg von zu Hause.
Nach meiner Ausbildung wanderte Oskar in eine Ecke meines "Ateliers" im Elternhaus wo meine Mutter darauf bestand, dass anständige Kleidung angezogen wurde, da sie jedesmal beim Anblick des Skeletts zu Tode erschreckte.
Ein weisses Laken und die verrückte St.NikolausMütze vom Konstanzer Weihnachtsmarkt liessen sie damals so sehr schmunzeln, dass es bei den Kostümen von Oskar blieb - auch als er später eben in Schönenwerd in meinem Arbeitszimmer seine Bestimmung als Patientenhelfer fand.
Mein Vorteil: ich musste nie die über 200 Knochen abstauben und die Tigerfinken fanden alle so zum Schiessen komisch, dass ernste Information über Anatomie plötzlich ein Kinderspiel wurden.
Mein wildes Leben im 2020 führte dazu, dass Oskar in den Bastelkeller wandern musste - kein Platz in der Wohnung und die Arbeitsplätze ungeeinet, da nicht ständig meine Räume.
Doch jetzt - seit in Sirnach ein kleiner Traum von schönem Therapieren wahr wurde - habe ich aus lauter Sehnsucht nach einem Ort, der so eingerichtet ist wie es mir gefällt, angefangen meine Sachen umzuziehen.
Oskar durfte zwar aus Platzgründen nicht wie sonst auf dem Beifahrersitz auf die Autobahn, aber er hat es auch so bequem in den Thurgau geschafft - sehr zur Begeisterung meiner Patienten.
Die Kommentare über meinen neuen alten Zimmergenossen blieben nicht aus, gerade bei der Jungmannschaft. Und es kam sogar schon die erste ängstliche Frage, ob denn die Knochen echt seien... hier zur Beruhigung: es stand zwar mal (gemäss Hersteller) ein echter verstorbener Mensch Pate für die Knochenformen, aber Oskar und seine Kumpanen sind aus Plastik für die Ewigkeit gegossen *zwinker*
Und so habe ich zur Zeit einen echten Cowboy zum Duellieren für die Patienten, welche sich hinstellen müssen, damit ich mal sehen kann, was da alles schief steht - was alles etwas angenehmer macht als vor einer Steckdose zu stehen und sich fragen, was die Tante da im Rücken alles gerade anstarrt.
Selbst ein Haufen Plastik - obwohl ich dieses Material versuche aus meinem Leben so sehr es geht rauszuhalten - kann ganz schön nützlich sein.
01. März 2021
Werden und Vergehen...
Dieser Tage verriet mir mein Lebensgefährte ein kleines Geheimnis: er hatte die erste Primel gefunden. Die ersten Fühler des Lebens zeigen sich dieser Tage dem suchenden Auge. Die ersten Spitzen von Narzissen und Schneeglöckchen, die leuchtend gelben Äste der Weiden, die förmlich in den Startlöchern stehenden wolligen Knospen der Sternmagnolien... sie ist bereit, unsere Natur und wartet nur darauf, endlich wieder den Lauf des Lebens zu zelebrieren.
Gleichzeitig hatte ich heute ein Telefonat, das den Tod meiner Tanne zur Folge hat. Durch einen sehr freundlichen Schreiner habe ich den Tipp bekommen, sie bis Mitte Februar zu fällen, weil dadurch der Saft noch in den Wurzeln bleibt und das Holz danach besser zu verarbeiten ist.
Warum ich sie fällen muss? Sie ist das letzte Puzzleteil meines Lebens auf dem Grundstück meines Elternhauses - und genau so alt wie ich.
Da die Überbauung des Platzes beschlossene Sache ist habe ich nur die Wahl die Tanne mitzunehmen, oder dem Räumungspersonal zum Schreddern zu überlassen.
Ein weiterer sehr lieber Schreiner hat mir letzten Sommer von seinem Baum erzählt, der jetzt in Form einer Hühnerfeder sein Büro ziert und dadurch weiterlebt.
Und so werde ich nächste Woche meine Tanne in einen langen Schlaf schicken - eine gute und liebenswürdige Freundin hat ein schönes Plätzchen für mein Dornröschen parat. Ein Jahr Lagerung hat der Fachmann gesagt. Dann werde ich sie für einen neuen Abschnitt des Daseins wiederbeleben. Was ich daraus machen will weiss ich schon ungefähr. Sie dürfen sich überraschen lassen - in 15 Monaten oder so werde ich Ihnen davon erzählen... *schmunzl*
Werden und Vergehen - oft so nahe beieinander. Manchmal ist es schwer, das zu akzeptieren, aber wenn es gelingt beginnt man zu geniessen, was da im Neubeginn entsteht...
09. Februar 2021
1 Jahr Herumgetippel...
Letzthin ist mir aufgefallen, dass sich dieser Tage mein Start mit Homepage gestalten jährt. Im Rückblick auf die vergangenen Monate bleibt vor allem eines: nach 40 Jahren darf man meine Schreibe zum ersten Mal öffentlich lesen.
Klingt jetzt nicht gerade weltbewegend.
Für mich persönlich ist dies allerdings schon etwas sehr Besonderes.
Ich habe tatsächlich in meiner Kindheit mit Aufsätzen Seite um Seite gefüllt - sehr zur Anstrengung meiner armen korrigierenden Lehrer.
In meiner Jugend wurden es dann ganze TageBücher, welche ich mit Geschichten füllte - selten mit Berichten des Tages, vielmehr mit regelrechten Vorstellungen von einer Handlung, die man für Film oder Buchdeckel hätte nutzen können.
Doch ich wollte nie, dass sie jemand liest. Ein einziges Mal gab ich eine Geschichte meiner ältesten Freundin zu lesen - und hatte danach ein ganzes Jahr den Stift nicht mehr in der Hand. Auch war es mir damals unmöglich, meine Ideen in eine Tastatur zu hämmern. Ich konnte nur Schreiben, wenn ich einen Füller oder Kuli in den Fingern hatte.
Eben - manchmal bin ich wohl doch etwas seltsam *schmunzl*
Es dürfte etwa in der 5. Gymnasiumklasse gewesen sein, als mein damaliger Deutschlehrer mich nach einem Aufsatz bei der Korrekturbesprechung persönlich darauf ansprach.
Sehr zu seinem Leidwesen hatte ich wieder mal anstatt der geforderten 2-3 Seiten in einer Doppelstunde 10 Seiten auf Papier gebannt. Er fand, dass ich eine typische Romanschreiberin wäre - blumige, ausschweifende Sätze - und ich im Berufsleben Schwierigkeiten haben werde, mich kurz und prägnant auszudrücken. Ausserdem meinte er, ich soll dieses Schreiben unbedingt als Hobby behalten.
Ich sah diesen Lehrer zum letzten Mal im Januar 2001 - an meiner Maturafeier.
Dieser Tage erinnerte ich mich wieder an dieses Gespräch mit ihm - und musste Schmunzeln. Es kam mir vor wie eine Prophezeiung, die er damals abgab.
Und ja! In beiden Fällen hatte er recht!
Wie sehr viel es mir in all den vergangenen Jahren als Physiotherapeutin schwer, den Ärzten kurz und fast stichwortartig den Therapieverlauf eines Patienten zu berichten! Wie sehr musste ich mich jedes Mal verbiegen, wenn ich einen Bericht schreiben musste - und haderte, weil ich fand, dass der Text zu wenig Aussage gab.
Und ich behielt das Schreiben in meinen TageBüchern bei. Die Bücher wurden manche Jahre überdimensional dick, weil ich mehr Schnipsel und Postkarten einklebte, die ich nicht wegwerfen wollte, als dass ich einen vernünftigen Satz schrieb. Doch ab und zu brach wieder die Schreibe aus mir heraus und ich klebte mit der Nase tagelang auf dem Papier, um zu Wort zu bringen, was mein Hirn sich so vorstellte.
Das fand abrupt ein Ende, als meine Eltern krank wurden und ich meinen Lebensgefährten kennenlernte. Es blieb keine Zeit mehr für Schreiben, ich erzählte höchstens etwas.
Und dann, letzten Januar, begann ich wieder zu bannen, was sich da in meiner Phantasie so zusammenbraute - und zwar für alle, die es lesen wollten.
Also erfüllte sich auch der zweite Teil von dem Orakelspruch meines Lehrers.
Für mich Grund genug, dass ich ihm danken sagen wollte.
Ich nahm allen Mut zusammen und schrieb ihm vorgestern eine kleine Karte. Wer weiss, vielleicht liest er sogar gerade jetzt diese Zeilen... falls ja: *winkewinke* DANKE, von ganzem Herzen!
Lehrer, die einem Mut machen, seinen Weg zu gehen. Die erkennen, was schlicht korrigiert werden muss, und was Charakter des Schülers ist, sind unglaublich wertvoll - und selten. Ich habe das Glück, einige davon erwischt zu haben.
Ich hoffe nur, dass ich in den nächsten Tagen kein Korrekturschreiben von meinem Lehrer erhalte - uiii, das würde wohl übel aussehen! *schmunzl*
Und während ich hier so an meinem neuen Geschreibsel rumtippel nippe ich an einer Tasse BuckelwiesenTee aus Mittenwald und werde damit daran erinnert, dass ich ohne Sie - meine Leser - diesen Schritt wohl nie gemacht hätte. Denn dieser Tee hat mir eine sehr liebe Freundin geschenkt, mit welcher ich so manches verrücktes Abenteuer durchgestanden habe. Sie wie auch viele andere, welche immer wieder meine Texte lesen und ab und zu auch ein Feedback abgeben, motivieren mich immer wieder mit meiner Ansicht der Welt andere zum Lächeln zu bringen, oder zum Nachdenken, oder zum selbst die Welt etwas anders zu sehen, oder was auch immer. *grins*
Und deshalb hier auch ein Danke an Sie! Genau, Sie die gerade diese Zeilen lesen. Denn es macht unglaublich Spass, Ihnen Geschichten zu erzählen.
24. Januar 2021
2020:
...es weihnachtet sehr...
Heiligabend, es ist Weihnachten. Habe ich gestern noch bis nach 17 Uhr gearbeitet - ab Morgenmitte nur noch komplett gestresst mit nur einem Ohr, weil ich mit Schrecken feststellen musste, dass ich keine Hörgerätebatterien mehr in der Praxis hatte - und kam dann völlig fern von jedem weihnachtlichen Gefühl nach Hause, empfing mich mein Lebensgefährte mit duftendem ToastHawai, Kerzenschein und einer warmen Umarmung. So einfach kann Glück sein.
Heute packten wir die Gelegenheit von trockener Wärme noch am Schopf und machten unsere letzten Einkäufe zu Fuss, da der See dunkelblau zu uns rüberblinzelte und sogar richtig Sonne schien. Auf dem Weg grüsste uns die Kreuzlinger WischmoppVariante vom Samichlaus im Park und liess uns lachen. Trockenen Fusses schafften wir es mit unserer WeihnachtsMenüKostbarkeit, die wirklich nur ganz frisch zubereitet werden kann, nach Hause.
Das gemeinsame Schmücken unseres allerersten Weihnachtsbäumchens mit Lametta füllte uns dann vollends mit dem besinnlichen Gefühl diesen besonderen Tages.
Nüsse, Äpfel, Clementinen und einen heissen Tee lassen jetzt die Stimmung während einem gemütlichen Kartenspiel in Richtung Entspannung wandern und erinnern uns daran, wie sehr wir doch GenussMenschen sind.
Draussen hat der tobende Sturm inzwischen richtig kalten Regen gebracht und gibt uns noch mehr Bestätigung, dass diese Weihnacht - unsere Weihnacht - so richtig schön wird.
Meine Gedanken wandern etwas ab. All die Probleme - egal ob jene, die unter dem Mikroskop untersucht werden oder jene, welche auf dem Papier drohen - sind jetzt in weiter Ferne. Umgekehrt zu gestern.
Dieses kleine bisschen Pause von all dem Wüsten und Grübelnden erhoffe ich mir auch für Sie.
Es tut gut, einmal etwas anderes zu fühlen als das, was einem die Stirne kraus ziehen lässt und den Schlaf raubt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wundervoll besinnliche, ruhige und friedliche Weihnacht...
24. Dezember 2020
Schnee!...
Es ist passiert!
Tatsächlich hat Petrus meinen heimlichen Traum vom Advent mit Schnee nach so vielen Jahren wieder einmal erfüllt.
Nicht dass sich jetzt jemand religiös auf die Zehen getreten fühlt. Petrus ist in meiner persönlichen, vielleicht manchmal etwas kindlichen Auffassung mein direkter Ansprechpartner, wenn es ums Wetter geht - schliesslich war er ja Fischer und kennt sich deshalb mit Wasser bestens aus.
Vielleicht ist es auch einem kleinen Verslein zu verdanken, dass dies so ist. In einem Büchlein aus dem Jahre 1958, das ich von meiner Grossmutter erben durfte, hat ein gewisser Ernst Balzli wunderschöne Weihnachtsgedichte veröffentlicht. Mein liebstes erzählt von meiner ureigensten persönlichen Symbolik, was Advent beinhaltet:
Sankt Peter rysst es Blettli ab
vom grosse Wandkaländer:
Du liebi Zyt, was muess i gseh!
Dezämber - u keis Schüümli Schnee
uf Bärge, Wald u Länder!
Was dänke d'Burschli ächt vo mir
da unten uf der Ärde?
We d'Wiehnacht vor der Türe steit
u 's het no geng kei Flocke gschneit,
muess eis ja truurig wärde! -
Er winkt de grosse Wulcheschiff,
e längi, längi Reihe.
Die fahren us i alli Wält -
un über Bärge, Wald u Fäld
tuet's herrlich afah schneie.
Für alle, die kein schweizerdeutsch verstehen und jetzt entsetzt auf den Bildschirm starren: Petrus ist schockiert, als er bemerkt, dass im Dezember noch kein Schnee gefallen ist, plagt sich, was die Jungs da unten jetzt von ihm denken (damals wurde es noch nicht als frauenfeindlich angesehen, wenn man die Frauen nicht jedesmal separat ansprach) und holt dies schleunigst nach - in einer herrlichen alten lyrischen Sprache.
Ja, und so kam es diesen Montag, dass ich völlig verzückt durch einen stockfinsteren Morgen zur Arbeit fuhr mit den sanften hellen Vorzeichen rechts und links der Strasse, dass alles in mein so geliebtes Winterweiss getaucht ist.
Manchmal hat das Universum ein bisschen Gnade für einen übrig: mein Arbeitsplan war überraschend nicht vollständig gefüllt und ich hatte das wundervolle Glück, eine halbe Stunde früher Feierabend haben zu dürfen.
Dadurch brach die Dämmerung auf der Rückfahrt erst herein und ich konnte die Pracht in aller Imposanz geniessen.
Das ich zuweilen etwas sehr begeistert bin von der Natur, dürfte Ihnen schon in der letzten Geschichte aufgefallen sein.
Dieses Mal war es ein Phänomen, das ich noch nie in meinem Leben beobachtet hatte. Nebelschwaden über Schneefeldern... diese Mystik auf meinem Heimweg liess mich innerlich Glühen... und ganz leise und verzückt flüsterte ich auf jeder Anhöhe, die ich erklomm: "Schnee!..."
08. Dezember 2020
Die 4 am Rücken...
Jüngst hatte ich doch tatsächlich Geburtstag, ja, wirklich. Und nicht nur das, es war auch noch ein runder. Seit neuestem habe ich eine 4 auf dem Rücken und gehöre damit wohl zu der nächstälteren Altersgruppe in den meisten Studien...
Da ich es nicht so mit Party und vielen Leuten habe und da Corona zur Zeit mir in diesen Belangen sogar etwas hilft (man soll sich ja nicht treffen), bin ich meinem Wunsch nach Sonne gefolgt und mit meinem Lebensgefährten für zwei Tage in den Süden, genauer ins Tessin, gefahren. Praktisch, wenn man da seinen Liebsten gleich als Chauffeur einstellen kann und sich die Gegend in aller Ruhe angucken kann.
Tatsächlich war irgendwie alles neu: Das Gefühl aufzuwachen und liebevoll Geburtstagswünsche zu erhalten mit dem Gedanken, dass man jetzt vierzig ist.
Völlig unbekannte Strassen, auf welchen man in die Sonnenstube der Schweiz pilgert (sonst war es ja immer der Gotthard, jetzt lernte ich den San Bernardino kennen - und zuvor noch den Blick in das Fürstentum Lichtenstein.... Premiere!!).
Die Rückblicke in vergangene Reisen, welche ich noch damals in solo gemacht habe - wie der Blick sich verändert, wenn man viele Jahre später dieselbe Viamala noch einmal betrachtet, dieselbe Madonna del Sasso erwanderet - und plötzlich merkt, dass man damals auf den Treppen irgendwie fitter war...
Dieses Neue hatte aber auch etwas fast ehrfürchtiges - mir wurde bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, solche schöne Orte besuchen zu dürfen, die Kraft und Gewalt der Natur zu erleben. Die Begeisterung für die Dinge welche ich sehe, ist ein ungebrochenes Feuer. Und indem ich sie vor wenigen Tagen in einem völlig anderen Winkel und Zusammenhang erneut erleben durfte - jene Natur, welcher ich vor einigen Jahren schwor, dass ich zurückkehren werde, irgendwann - wurde mir klar, dass es ein Geschenk ist, solche Versprechen einlösen zu dürfen.
Wir sind vielen Einheimischen begegnet, welche in Panik vor coronabedingten Folgen sich zurückziehen, die Gegend ist gezeichnet von den Veränderungen der letzten Zeit. Meine geliebten Kastanien bei der Kirche von Madonna del Sasso sind gefällt, das Quartier Orselina ist zugekleistert mit hässlichen quaderförmigen Neubauten, wie sie bereits in der ganzen Schweiz überall auftauchen, und das zwischen all den ehrwürdigen alten wunderschönen Villen des Tessins.
In Sonogno, mein geliebtes Dorf am obersten strassenzugänglichen Punkt der Verzasca hat mittlerweile einen riesigen Parkplatz der mir verrät, was hier im Sommer los sein muss - und mich graust davor.
Für die wenigen übrig gebliebenen Bewohner des Dorfes ist der Tourismus wichtig und ich mag es ihnen gönnen, dass so wenigstens ein Teil der wunderschönen Siedlung aus Granit erhalten werden kann.
Und trotzdem ist uns bewusst geworden, dass manche Dinge nie mehr so sein werden wie damals. Damals als ich alleine entlang der Verzasca wanderte. Damals als wir zusammen Lucca, Florenz und Pisa für uns eroberten.
Es wird nie mehr sein wie zuvor.
Umso wichtiger, den Moment jetzt ganz in sich aufzunehmen und zu geniessen.
Gar nicht so schlecht, vierzig zu sein.
01. Dezember 2020
Ein Leben am See beginnt...
Als ich heute Morgen früh aus dem Fenster linste registrierte ich etwas überrascht, dass ich tatsächlich Raureif vor mir hatte.
Logisch - hätte ich den Wetterdienst mal im Augenwinkel beachtet, wäre das natürlich keine Überraschung gewesen. Es war auch nicht die Tatsache, dass es jetzt wirklich mit den Temperaturen Richtung Nullpunkt geht sondern vielmehr das Bewusst werden, dass der Herbst bereits praktisch vorbei ist und ich schon fast zwei Monate am See verweile.
Das Leben hier ist wohl nicht viel anders als andernorts. Ich quäle mich wie sonst auch vor sechs Uhr morgens aus dem wunderbar kuschligen Bett und tappe erst mal schlaftrunken in der Wohnung rum bis ich schliesslich hellwach hinter dem Steuer sitze und mich auf den Weg zur Arbeit mache.
Und nach einem erfüllten Tag mit unterschiedlichsten Patienten fahre ich dann wieder im Dunkeln heim - es ist ja schliesslich auch bereits wieder die entsprechende Jahreszeit.
Und trotzdem ist hier alles irgendwie anders. Angenehmer.
Vielleicht bin auch ich das selbst. Meine Einstellung zu den Dingen hier. Und doch fällt es mir auf - nicht gerade wenig.
Da wäre zum einen mal der Arbeitsweg: nicht wesentlich kürzer als das letzte halbe Jahr und doch komplett anders. Ich fahre immer noch über die Dörfer um die Autobahn zu meiden, die mich müde werden lässt. Aber hier hat jedes Dorf irgendeine Besonderheit, auf die ich regelrecht warte, wenn ich durchfahre. Der riesige Bäcker mit der fröhlichen Bedienung, das unglaublich grosse Holzlager neben der Strasse, das Plateau mit den besonderen Restaurants, das "Kurvendorf" wie ich es nenne, wo in einem Hofladen sogar selbstgemachtes Eis angeboten wird und der kleine Vorplatz eines Hauses vor der Birke an der Strasse, wo ein Warenstand mit handgefertigten Holzfiguren und -Spielsachen zum Verkauf steht.... und so vergeht die Zeit ratzfatz. Ich bin jeden Abend bei der Heimkehr so fit und fröhlich, dass ich die drei Stockwerke zu unserer Wohnung fast hochrenne (und atme oben natürlich immer noch wie ein Walross).
Aber es ist nicht nur dieser Weg. Die Kontakte, die inzwischen hier entstanden sind... unser über 80 Jahre alter Hausmeister, der immer noch hellwache Augen hat und mit sehr viel Sinn, Verstand und Herzlichkeit sein Amt ausführt. Sieht man sich, entsteht meistens ein kleinerer oder grösserer Schwatz. Die Kassiererin beim favorisierten Wocheneinkaufsladen - sie kennt uns zwar noch nicht beim Namen, aber die Spässe und kleinen Diskussionen - während sie routiniert und schnell aber ebenso respektvoll und vorsichtig unsere Waren über den Scanner zieht - herrlich!
Natürlich... der Zauber des Neuen ist noch am Wirken. Für gewöhnlich hält die Begeisterung ein halbes Jahr, dann beginnt man sich langsam an den ersten Dingen zu stören.
Aber jetzt bin ich noch völlig am geniessen - und wie ich von meinem Lebensgefährten höre auch er.
Manchmal ist das Aufgeben von alten eingetretenen Wegen und sich überlegen, suchen und schliesslich finden, wonach man sich eigentlich sehnt ganz schön Energie freischaltend.
22. November 2020
Umzug! Etappe 6... eine neue Wohnung nimmt Gestalt an...
Nach Etappe 5: endlich die Wohnung in Trimbach nach einer RiesenPutzAktion abgeben und die leidigen Verwalter loswerden sind nun schon einige Wochen vergangen und langsam kann ich mit meinem Lebensgefährten Etappe 6 abschliessen... der letzte Umzugskarton wurde vor kurzem feierlich entsorgt (danach waren wir allerdings zu k.o. um noch anzustossen) und langsam, aber immer deutlicher wird unsere Wohnung heimelig, gemütlich und ohne Stolperfallen.
Inzwischen habe ich die zig Listen und Stapel auf meinem Schreibtisch dezimiert und es bleiben erleichternd kleine Resten zurück wie es im "normalen" Leben üblich ist.
Heute ist tatsächlich der erste freie Tag an dem ich nicht schon seit Stunden für Entsorgungen, Amtsdingen und Wohnung einräumen unterwegs bin.
Der erste Tag, an dem ich wirklich meinen Kopf freibekomme und daran denken kann, wie wunderschön wir gelandet sind.
Da wäre zum einen mal der See... ja ich weiss, der wird dann irgendwann vielleicht nicht mehr so besonders sein, wenn man jahrelang direkt daneben wohnt. Aber das sind Dinge, die ich jetzt nicht glauben mag, denn diese grosse Pfütze da vor meinem Esszimmerfenster hat jeden Tag etwas Neues zum Gucken für uns parat. Und ich gebe diesem übergrossen Eimer voll Wasser die Schuld, dass hier die Leute scheinbar alle eine unglaubliche Ruhe in sich tragen. Mann, tut das gut!!
Zum anderen wäre da noch ein Verhalten auf der Strasse, das ich nach meiner PhysioAusbildungszeit in Konstanz schon fast vergessen hatte: wenn man hier als Fussgänger unterwegs ist, hält jedes Auto das auch nur ein bisschen erahnen kann, dass man über die Strasse gehen möchte SOFORT an - und damit meine ich auch sofort.
Ist schon paarmal passiert, dass wir überrascht wurden und schon fast peinlich berührt über die Strasse eilten bis wir irgendwann begriffen, dass das hier normal ist. Gegenüber Autofahrern ist es dann nicht so extrem aber dennoch - hier schaut man noch aufeinander... und hilft.
10. November 2020
Umzug! Etappe 4... das KamikazeWochenende...
So sieht es aus, wenn man extra ein grosses Auto für die erste Etappe des Umzugs mietet... und dabei den Bettrahmen vergisst!!! *kicher*
Ist uns tatsächlich passiert - Ehrenwort. Gemerkt habe ich es allerdings erst, als wir auf der Autobahn an Safenwil vorbeifuhren und ich wie die Mutter aus dem Film "Kevin allein zu Haus" verzweifelt darüber sinnierte, ob ich was vergessen habe... nun ja - wegen den Bettbalken haben wir ja das Auto gemietet....
Fortan muss mein Schatz nur das Wort Bett erwähnen und wir brechen in schallendes Gelächter aus!
Inzwischen haben wir sogar Etappe 4 hinter uns... das absolute Kamikaze-Wochenende mit RiesenAuto. Naja, 4x2x2m Ladefläche, ICH habe bisher noch nie so eine grosse beladen...geschweige denn wieder ausgeräumt... höchstens vielleicht in der Feuerwehr nach nem grossen Einsatz...aber da hat man für gewöhnlich mehr Helfer...
Dadurch, dass die Wohnung am See im dritten Stockwerk ohne Lift liegt, waren wir paar Leutchen gezwungen, sämtliche Möbel, gepackte Taschen und die unzähligen Kartons (die irgendwer sackeschwer vollgestopft hat...hm...wer war das bloss......) zu Fuss die 62 Stufen zu unserem neuen Paradies hochzutragen, - wuchten - irgendwie hinzukriegen...
Fitnesstraining? Personaltrainer? Physiotherapie?
Ich sage Ihnen - sparen sie sich das Geld! Ziehen sie nur in eine Wohnung im dritten Stock ohne Lift aus den 80er Jahren und sie werden schneller Muskeln zulegen und schmerzfrei sein, als sie gucken können!!
Ernsthaft.
Das Geheimnis scheint an der Architektur der Treppen zu liegen. Breites Treppenhaus mit jeweils nur 7 oder 8 Stufen am Stück. Dadurch haben die Beine immer wieder kurze Pausen und wir beide - mein Lebensgefährte und ich - haben nach den geschätzten 3000 Treppenstufen des letzten Wochenendes tatsächlich keinen Muskelkater!
Wie es den anderen Helfern geht, weiss ich allerdings nicht *schmunzl*
22. September 2020
Abschied...
Wenn Sie zu den Menschen gehören, die etwas näher mit mir Kontakt haben, wissen Sie bereits, dass ich tatsächlich so verrückt bin nach 40 Jahren mein Heimatdorf zu verlassen und am Bodensee einen kompletten Neustart mache.
Einerseits tut es weh, nach so vielen Jahren hier einfach alles hinter mir zu lassen. Meine geliebten Hügel, die Nase von der Geissfluh, die Strassen in denen ich aufgewachsen bin... doch ich sehe auch, wie mein Dorf nicht mehr mein Dorf ist. Gemeindeplanungen und -entscheidungen, mit denen ich überhaupt nicht einverstanden bin, Menschen welche mich fremd anschauen wenn ich sie anlache und grüsse - so wie ich seit ich sprechen kann jeden im Dorf grüsse.
Auch beruflich ist die Situation recht fies. Habe ich hier doch in verschiedenen Regionen in den letzten 12 Jahren einen Ruf als Physiotherapeutin, den ich eigentlich diesen Dezember in einer eigenen Praxis einen Schritt weiter bringen wollte... doch nun setze ich meine Segel in Richtung völlig anderer Gewässer, wo mich noch niemand kennt.
Inzwischen bin ich auch eine sehr beliebte Trainerin der Senioren und Bewohner eines grossen Wohn- und Pflegeheims im Emmental. Dort werden mich sehr bald an die 300 Leute vermissen. Und nicht nur sie mich - ich lasse einen nicht allzu kleinen Teil meines Herzens dort.
Also eigentlich kein leichter Abschied von "meinem" Mittelland inklusive Umgebung...
Doch mein Lebensgefährte und ich haben uns nach einigen Gedanken und Ereignissen dazu entschieden, unsere Pläne für's Pensionsalter vorzuziehen und "unseren" See jetzt schon zu unserer neuen Heimat zu machen.
Jetzt. Jetzt, wo wir noch die Kraft haben und die Energie, so grosse Dinge in Angriff zu nehmen.
Auf bald also... von der drittgrössten Pfütze Mitteleuropas aus...
22. September 2020
Wenn einer eine Reise tut...
Eigentlich... ja eigentlich wollte ich hier in meinen Ferien in Cala Mesquida (östlichster Zipfel Mallorcas - wie sie auf dem Bild erkennen - ein Paradies) davon berichten, wie toll es mir geht, der Arbeitsvertrag endlich zu Hause auf dem Stubentisch liegt und die Ferien nicht nur von Landes und Leute wegen ein Traum sind, sondern auch in meinem Herzen - weil einfach alles gerade mal so richtig gut läuft.
Ja - EIGENTLICH, würde ich auch gerade jetzt am Freitag 21.08.2020 um 13 Uhr langsam mein Gepäck in's Mietauto laden und die Heimreise ganz gemütlich starten - mit einem Zwischenhalt auf dem Castell de Bellver über Palma.
Nur, dass dieses eigentlich am letzten Dienstag vom BAG in ein Schnellschuss-WirmüssenHeim-Szenario umgewandelt wurde. Wären wir nicht bei der Umbuchung um einen Tausender ärmer geworden und bereits am Mittwoch gelandet, hätten wir jetzt 10 Tage in Quarantäne verbringen müssen - unbedingt. Da hätte kein Test und nix was daran ändern können. Und damit wäre das Zügeln von meinem Liebsten und Neustarten am Bodensee eine zerplatzte Seifenblase gewesen.
Der Sinn - es gibt keinen. Höchstens, dass jetzt die Swiss um einiges reicher ist durch die vielen Umbuchungen und Mallorcas Tourismus-Menschen gar keine Perspektive mehr haben, den Winter zu überleben.
Denn... in Mallorca waren weniger Neuinfektionen zu vermerken, als irgendwo sonst.
Speziell in unserer Region war sowieso nix, da dort Party und Komasaufen kein Thema ist. Im Gegenteil: Maske überall ausser beim Sport (Wandern - man ist sowieso auf Kilometer alleine unterwegs), am Strand und beim Essen. Auch in der Hotelanlage wurde das strikt durchgezogen - fanden wir auch richtig. Hände desinfizieren bei jeder Gelegenheit und Schuhe (!!!) desinfizieren bevor man in ein Restaurant geht... mit einer Aerosolübertragung für mich als Gesundheitsfachperson ein Witz - aber in Mallorca wird es gemacht um auch wirklich jede Wahrscheinlichkeit von Virusübertragung zu minimieren.
Ein solcher Effort, damit die Menschen mit einer verkürzten Saison in Teilzeitarbeit wenigstens soviel verdienen, dass sie knapp und knappstens durch den Winter kommen.
Und jetzt? Jetzt führt die Panik von Europas Zivilisationspolitikern dazu, dass wir innert 36h Umbuchen, in einem übervollen Flieger zurückreisen (in dem übrigens Essen verteilt und auf weniger als 30cm Abstand zu fremden Passagieren verzehrt wurde - natürlich OHNE Maske...) und in Zürich im Zug auf defekte Klimaanlagen und maskenlose Menschen treffen, welche sich natürlich NICHT um die 1.5m Abstand kümmern - und die Konduktörin sich auch nicht dafür interessiert (ausser dass sie die Personalien aufnimmt). Und das alles an dem Tag, als die Schweiz 311 Neuinfektionen vermelden musste - ein Viertel mehr als in der Vorwoche übrigens.
Ich fühle mich immer mehr im falschen Film.
Inzwischen sind die Koffer ausgepackt und die 5. Ladung Wäsche in der Maschine... ich und auch mein Lebensgefährte trauern um die Mallorqui, welchen jetzt der Boden unter den Füssen weggezogen wird - wegen ein paar rücksichtslosen Säufern, die keine Regeln akzeptieren und der Politikmaschinerie, welche ihr hysterisches Verhalten nicht ablegen mag und immer weiter an der Spirale dreht.
Und wir schauen uns die Fotos an vom Paradies, das wir in unserem Herzen tragen.
Versprochen - in den nächsten Zeilen erzähle ich Euch davon. Von dem herrlichen Grün-Türkis in Cala Mesquida und den Menschen, die es so Besonders machen.
21. August 2020
Ir Ysebahn sitze die einte ä so,…
Kennen Sie dieses Lied? Es ist von Mani Matter und beschreibt eine Zugfahrt, welche in Rorschach endet… und damit ist auch schon erklärt, warum heute ein unscharfes Bild meinen Text ziert *schmunzl*
Im Moment sitze ich seit sehr langer Zeit wieder einmal in einem Zug… wohl zum ersten Mal in meinem Leben werde ich den letzten Teil meiner Hinreise heute in dem Zug sitzen, der tatsächlich nach Rorschach fährt. Irgendwie lustig, denn Mani Matter’s Lied begleitet mein Leben seit der Primarschulzeit, doch erst heute ist es mir spontan eingefallen… bis ich vorhin bemerkte, dass ich sogar in Richtung Rorschach fahre. Nicht nur das. Ich arbeite zur Zeit im Kanton Bern und Herr Matter war ja auch aus diesem Kanton… manchmal ist die Welt schon ganz schön klein.
Der Grund meiner Reise heute ist ein Vorstellungsgespräch. Die meisten von Ihnen werden bereits von mir erfahren haben, dass ich bald mit meinem Lebensgefährten an den Bodensee ziehen werde und ein grosses Abenteuer starte: einen kompletten Neuanfang meines Lebens. Damit verbunden sind bereits einige Wochen mit Fahrten an den See am Samstag – zig Kilometer auf der Autobahn für Wohnungsbesichtigungen und Vorstellungsgespräche. Wenn alles gut kommt, wird es heute meine letzte Vorbereitungsreise sein. Wegen dem Berufsverkehr mit dem Zug. Spannend für mich – gibt es mir doch die Möglichkeit eben diese kleine Geschichte zu schreiben und Euch auf dem Laufenden zu halten.
Diese Reisen im Zug in Richtung Bodensee haben in meinem Leben schon einige Male stattgefunden. Öfters um meine Schwester am Rheinfall zu besuchen, doch noch viel öfter um nach Konstanz zu kommen, wo ich meine Ausbildung zur Physiotherapeutin geniessen durfte und jeweils nach den Wochenenden zu Hause mit frischer Wäsche bepackt zurück zum See fuhr, zu „meiner“ Stadt am See. Es waren wunderschöne Jahre und auch wenn ich oft Heimweh hatte, wurde meine kleine Wohnung im Industriegebiet zu meiner zweiten Heimat.
Nun, nach zwölf Jahren als Physiotherapeutin, werde ich wieder dorthin zurückkehren. Dort, wo man mit dem Fahrrad überall hinkommt und das ganze Jahr eine Atmosphäre von Ferien über der Erde schwebt.
Mein Lebensgefährte und ich hatten eigentlich den Plan, das im Rentenalter zu tun. Doch in den letzten Monaten passierte so einiges, nicht nur Corona, was uns zum Schluss brachte – „warum nicht schon jetzt?“.
Die Reaktion der Leute in meiner Umgebung – von Ihnen – zeigt mir, dass es zwar ungeheuer Mut braucht, einfach sein Leben an einen komplett anderen Ort zu verlegen und mit mehr oder weniger allem neu anzufangen, aber eigentlich sagen alle dasselbe: Ja, mach das, das wird gut. Ist das so, weil insgeheim jeder auch manchmal einfach von Vorne beginnen, den Zauber und die Energie eines Neubeginns wieder spüren möchte? Warum tun wir so etwas nur so zögerlich und meistens gar nicht?
Bei dem Aufwand, den ich gerade betreibe, damit alles einen sauberen Abschluss und Start hat, glaube ich, dass viele gerade diese Arbeit scheuen. Denn es ist wirklich sehr viel Geschäft. Viel Recherche, viel Informationen einholen, Packen, Planen etc. etc. Das weiss im Grunde genommen jeder - und wird es wohl scheuen angesichts der Tatsache, dass unser aller Alltag bereits recht anstrengend sein kann.
Doch das, was lockt, ist für mich und meinen Schatz jetzt so stark und kraftgeladen geworden, dass wir sogar eine Wohnung mit 50 Stufen ohne Lift ausgewählt haben - nur um unseren Traum von einem schönen Leben am See zu verwirklichen. Sind wir nicht verrückt? *kicher*
27. Juli 2020
Die Bittersüsse des Lebens...
Es ist schon eine ordentliche Weile her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe.
Die Gründe dafür sind vielfältig, doch hauptsächlich liegt es daran dass ich mich in meinen neuen Job reinknie, wie ich es schon so oft getan habe in meinem Beruf. Wenn ich arbeite, dann mit voller Seele und Energie, um das Beste herauszuholen. Leider muss mich dann mein Lebensgefährte manchmal daran erinnern, dass ich mich dabei nicht völlig verliere. Auch dieses Mal war wieder die Notbremse nötig.
Der heutige Tag ist Pause. Da etwas aufarbeiten, damit ich gut in die Woche starte, dort etwas das Büro aufräumen, damit ich wieder meinen Schreibtisch sehe, etwas Laufen gehen. Aber vor allem: Pause. Pause von dem Gefühl, etwas unternehmen zu müssen. Pause von dem Pflichtbewusstsein, unbedingt alles perfekt parat zu haben. Pause von sich selbst.
Das Leben ist manchmal bittersüss. Im Höhenflug, die Blüte steht kurz vor dem Höhepunkt, ignoriert man, dass da jede Menge Dornen, Stacheln und Nebenwirkungen sind - und Schaden bereits entsteht. Dann ist es gut, wenn Freunde da sind, die einem das sagen und zeigen, bevor es zu spät ist.
Die Tasten sind sperrig heute, die Worte fliessen schlecht - braucht wohl noch etwas Pause... darum... bis bald... *schmunzl*
21. Juni 2020
Danke.
Heute wollte ich eigentlich hier nichts schreiben. Doch die Ereignisse der letzten Tage treiben mich dazu.
Der Text wird nicht so fröhlich sein wie sonst und auch nicht von der Natur handeln, wie Ihr es sonst von mir bereits wohl etwas gewohnt seid. Nein, heute bin ich nachdenklich.
Angefangen hat es wohl schon vor einigen Jahren. Damals war ein Disput mit einer Frau, welche davon ausging, dass ich ihr das Vortrittsrecht im Kreisel nahm (ich war im Kreisel, sie in der Zufahrtsstrasse dazu) und danach schon gar nicht auf der Hauptstrasse anzuhalten habe (ich wollte jemanden aus der Seitenstrasse rauslassen, da Zügelwagen, und bemerkte nicht, dass der dort noch parkte).
Das Streitgespräch mit dieser Frau verlief leider sehr sehr emotional mit allem was dazu gehört - Keifen, Schreien, Beschimpfen, Aggressionen und Adrenalin bis zum Abwinken.
Und leider, nicht zu meinem Ruhm, machte ich mit. Ich liess mich anstacheln - genützt hat es mir nichts. Ich wurde natürlich zutiefst "verbal verprügelt" - denn es gehört nicht zu meiner Natur Streit zu führen oder schlagfertig zu sein.
Solche Momente gehören zu den zum Glück sehr raren Dingen, welche mich aus dem Lot bringen können. Doch dafür heftigst. Nächtelang nicht schlafen, Unruhe, Jahrelang die Situation im Kopf hin- und herwälzen. Ich komme von solchen Sachen ganz schlecht los. Da hilft mir meine Kinesiologin, welche Sie vielleicht schon in meiner Unterrubrik "öbrigens" auf der Physiotherapie-Seite gefunden haben. Doch im Moment selbst würde ich am liebsten im Erdboden versinken.
Nun - genau wieder ein solches DisputGespräch durfte ich ausgerechnet an Auffahrt erleben. Ich freute mich sehr auf den freien Tag und wollte ihn geniessen. Nun - wurde ordentlich vermiest, diese Freude.
Was da genau war, ist nicht wichtig hier und auch nicht der Grund, warum ich diesen Text schreibe. Es ist etwas anderes dieses Mal passiert, was mich äusserst dankbar gegenüber dem Leben macht - einmal mehr.
Als erstes nahm mich mein Lebensgefährte einfach in den Arm und versuchte mich zu trösten. Er schlug vor, einen Ausflug zu machen und schliesslich liefen wir 12km der Aare entlang. Dort trafen wir sehr viele Leute - es war schönes Wetter und Sonntag. Diese Leute grüssten uns alle, obwohl wir niemanden kannten. Manche hielten sogar einen kleinen Schwatz mit uns. Das tat so gut.
Trotzdem war die Nacht schrecklich - ich schlief sehr schlecht und zum Teil gar nicht. Doch am Tag danach - am Arbeitsplatz - sprach ich mit einer Arbeitskollegin, sie war sehr nüchtern und freundlich: du warst im Recht, die Anfeindungen an dich waren grundlos.
So simpel sagt es sich. Danach erzählte sie mir von den Problemchen ähnlicher Art, welche ihr schon begegnet sind. Das tat nochmals soooo gut.
Darauf sprach ich mit ein zwei Patienten darüber, welche mich fragten, wie ich den Feiertag verbracht hatte - und auch da erhielt ich Seelenbalsam in ähnlicher Art und Weise.
Meine Schwester meldete sich auf mein WhatsApp, das ich mitten in der Nacht ihr schrieb und versuchte guten Rat zu geben, auch sie berichtete von ihren Erlebnissen in diese Richtung.
Die Kinesiologin meldete sich am Abend mit einem weisen Satz: es ist nicht bei dir, lass los. Wälze nicht die Probleme anderer.
In dieser Nacht konnte ich gut schlafen.
Ich münze es darauf, dass ich mich verstanden fühlte und Zuspruch von verschiedenen Seiten bekam - aufgefangen wurde von meinem sozialen Netzwerk, das nicht einmal Leute beinhalten muss, die ich kenne. Es kann auch die Person sein, welche mich im Vorbeigehen anlächelt und grüsst. Ja, ich bin ein Landei, aber genau dieses Kontakt aufnehmen und einen guten Tag wünschen oder nur unser ach so simples "Grüezi!"... hat unglaublich starke Wirkung.
Heute Sonntag kam die Fortsetzung des Disputs von Auffahrt. Doch, oh Wunder... dieses Mal hatte ich mein Adrenalin unter Kontrolle. Ich konnte mein Gegenüber sogar dazu bringen, ruhig zu sprechen, mir auch zuzuhören und mich nicht ständig zu beleidigen und zu behaupten, ich täusche meine Schwerhörigkeit nur vor.
Ich bekam schliesslich, was ich wollte. Ich konnte mich erklären.
Was daraus jetzt wird, ob mein Gegenüber mir glaubt oder was sonst geschehen wird, liegt nicht in meiner Hand. Braucht es auch nicht. Ich durfte sagen, was mir wichtig war. Und so ist es für mich erst mal gut.
Dank den Leuten, die mir in den letzten Tagen zugehört hatten und Zuspruch gaben, dank den Leuten, welche mir freundlich auf dem Weg ein "Grüezi" zuwarfen.
Deshalb hier ein Danke:
Danke für das Grüssen.
Danke für das Zuhören.
Danke für das Anteilnehmen.
Denn es hilft, mehr Besonnenheit und innere Zufriedenheit zu erlangen.
Danke.
24. Mai 2020
Die kleinen Wunder des Lebens...
Mein Lebensgefährte und ich haben uns angewöhnt, dass wir am Wochenende immer eine etwas grössere Strecke laufen gehen - sofern es das Wetter irgendwie zulässt. Dieses Mal probierten wir einen Weg aus, den wir das letzte Mal aus Zeitgründen uns nur vorgemerkt hatten.
Bereits an der Bahnlinie entlang zu unserem Ziel, das doch nur der Beginn einer noch interessanteren Strecke zu werden versprach, blieb ich abrupt stehen und zeigte aufgeregt vor mir in die Luft. Ein Schwalbenschwanz flatterte auf uns zu. Einfach so.
Und all jene, die jetzt einen Blick auf das Bild beim Text werfen und die Stirne runzeln - nein, DAS ist kein Schwalbenschwanz. Das ist ein schönes Exemplar, das vor ein paar Wochen für mich posierte. Der Schwalbenschwanz, der uns begegnete war natürlich jenes zartgelbe Exemplar, das vom Aussterben bedroht ist und ich schon seit einigen Jahren nicht mehr als Flattermann gesehen habe, obwohl im Garten meines Vaters regelmässig die Raupen froh darüber waren, dass wir ihnen etwas Dill pflanzten, auch wenn Papa keine Salzgurken mehr mit dem Kraut einlegte.
Wir standen einige Minuten da in der grillenden Sonne und beobachteten dieses wunderschöne Stück Natur. Das Tierchen war viel zu schnell, um es auf ein Foto bannen zu können. Ausserdem war der Moment viel zu kostbar, auch nur einen Moment an die Kamera zu denken.
Ich stosse mit solchen Erzählungen immer wieder auf Verwunderung, was auf meiner Seite auch wieder Verwunderung auslöst. Mag sein, dass ich zu einer Generation gehöre, welche noch die kleinen Dinge des Lebens schätzen und kennengelernt hat. Für mich sind unsere Läufe an den Wochenenden kostbarste Nahrung für die Seele.
Etwas später gerieten wir auf einen steilen Pfad, auf dem ich schliesslich nur noch ungefähr erahnen konnte, wo wir sein könnten - und landeten an einem winzigen Bächlein mitten im Wald, das durch den lehmhaltigen Boden nicht versickert und dadurch sichtbar bleibt. Märchenhafte kleine Kaskaden schlängeln sich dort zwischen den Bäumen hindurch. Und gleich dahinter... standen wir plötzlich mitten in einer Wiese.
Ich war noch nie in dieser Ecke von Trimbach. Umso herrlicher, haben wir diese paar Kilometer reine Freude an der Natur gefunden.
18. Mai 2020
Sonntag...
Kennen Sie das auch?
Ich habe wahrlich keinen Putzfimmel, aber ich mag es, wenn es sauber und anständig aussieht. So dass es einlädt zum leben, aber nicht an ein Spital anmutet oder einen Raum, in dem man nichts anfassen darf.
Heute ist wieder mal einer dieser Sonntage, wo ich früh aufgewacht bin und vor lauter Tatendrang nicht mehr liegen bleiben konnte. Also raus aus den Federn!
Leise habe ich die Schlafzimmertür geschlossen und gleich meine Hörgeräte angezogen, um nicht versehentlich Lärm zu verursachen, der meinen Liebsten wecken würde - denn der schlief noch tief und selig.
An solchen Tagen ist für mich die Welt in Ordnung und voller Frieden. Alle schlafen noch und nur die nassen Pfützen erinnern an das schlechte Wetter in der Nacht. Am Horizont reissen die Wolken bereits auf und geben noch nicht preis, was der Tag bringen würde.
Gemütlich das Licht in die Wohnung lassen, die Wäsche zusammenlegen, die nächste Ladung wieder aufhängen, im Bad (zwei Türen, die Geräusche dämpfen zum Schlafzimmer hin) staubsaugen, den Frühstückstisch decken, meine Büroarbeit abhaken und alles erledigt haben, noch bevor ein leises Tappen hinter mir verrät, dass der Rest der Wohnung ausgeschlafen hat ist für mich pures Glück. Dann kann ich mich entspannen, weil ich alles in meinem Rhythmus machen konnte und der Tag noch mehr als genug Zeit übrig hat, um meinen Lebensgefährten, das Wetter und die Natur zu geniessen.
Und während nach dem Frühstück mein Schatz die Küche aufräumt, bin ich weiter mit Staubtuch und Sauger in den nächsten Zimmern unterwegs bis ich ein richtig zufriedenes Gefühl in mir trage. Jetzt ist mir wohl und die Freude an einem wundervollen Tag erfüllt mich.
Putzteufel? Nein, aber wenn alles sauber ist und der Tag noch lang, ist das Glück so leicht und erfrischend wie ein Sommerregen auf dem Gesicht.
10. Mai 2020
Cucú, cucú, l'aprile non c'è più...
Kennt noch jemand dieses kleine italienische Frühlingslied, das den Winter und damit den April verabschiedet und mit dem Kuckucksgesang den Mai begrüsst?
Ich liebte und liebe es immer noch und wenn ich es so fröhlich vor mich hin summe fällt mir öfters auf, dass es viele Leute nicht kennen, was mich etwas erstaunt - wie so vieles, das für mich selbstverständlich ist, aber offenbar eher selten zu sein scheint.
Der Mai hat für mich eine besondere Bedeutung. Es ist der Monat, in welchem mein Vater Geburtstag hat - er wird heuer stolze 91 Jahre alt - und es ist der Monat, in welchem der Flieder bei meinem Elternhaus blüht - pünktlich zu eben dem Tag hin. Es ist auch der Monat in dem ich nach der Blüte früher immer meinem Vater beim Schnitt geholfen habe und jeweils in Fliederduft gebadet wurde, wenn ich die Leiter hielt. Und später, als mein Vater nicht mehr hochklettern durfte, zwischen den Ästen der "Bäume" kleine weisse und hellgrüne Krabbenspinnen fand.
Für jene, welche mich noch nicht kennen - ich habe Spinnentierbiologie an der Universität Basel bei einem genial-herzlichen Professor als Wahlfach geniessen dürfen...und bin seither begeistert von den Fähigkeiten und Eigenschaften dieser Achtbeiner... *schmunzl*
Mit etwas Wehmut wird mir bewusst, dass es wohl das letzte Mal ist, dass ich "unseren" Flieder fotografieren und riechen kann - das Haus muss verkauft werden und nach dem Willen der Gemeinde wird eine 30m hohe Ringumbauung darauf zu stehen kommen.
Ja, Papa Staat lässt einem das Eigentum nicht wenn man alt wird - es sei denn, man hat sehr viel Geld auf dem Konto...
Aber das Thema ist traurig und der Frühling doch so schön, also lasse ich es einfach mal da stehen und wende mich der Sonne zu.
Kündigung zu Pandemiezeiten sei Dank war es mir vergönnt genau in den zwei Wochen zu Hause zu sein (und wie wild Bewerbungen zu schreiben), in denen der Frühling mit aller Kraft Einzug hielt. Was für ein Erleben!
Auf dem Balkon konnte ich jeden Tag beobachten, wie die Wildbienen unser Hotel bestürmten. Die Clematis, welche ich aus meinem Elterngarten auf den Balkon retten konnte, ging in einem Dutzend blauen Sternen in die Blüte. Die Bonsai-Kastanien von meinem Lebensgefährten explodierten in einem Blättermeer. Unsere Nektarine musste wieder gezähmt werden, so viele Früchte mit bereits roten Bäckchen streckten sich schon nach den ersten warmen Tagen dem strahlenden Frühlingswetter entgegen. Aber nicht nur unsere Balkonpflanzen, auch die Natur um unser trautes Heim zeigte einmal mehr, dass sie sehr wohl noch die Kraft hat gegen Dürre und klimabedingten Veränderungen zu trotzen. Wie ein Schachtelteufelchen rausspickt wurde innerhalb weniger Tage die Welt in ein saftiges Grün getaucht - mit bunten Tupfern lauter Blumen.
Ich glaube, ich habe selten so intensiv dieses Erwachen erlebt - und bin dankbar dafür.
03. Mai 2020
Und es ward Ende April...
Diese ganze Sache mit Corona, Sars Cov-2 und Covid-19 hat mir vor allem eines gebracht - meine Kündigung. Doch so wie die Natur in diesem Monat vollends erwachte und trotz Dürre uns die neuen Blätter und Blüten entgegenstreckt, so setzte auch ich mich ans Werden und versuchte in dem Zukunftswirrwarr meinen Weg zu erkennen.
Sehr pragmatisch lief das ab - ich sah ein Strassenschild.
Auch wenn dies etwas komisch klingt, doch ist mir auf einer Velofahrt tatsächlich im Dorf dieses Schild ins Auge gesprungen wie noch nie zuvor.
Im Schild war ein Vorname enthalten, der eigentlich eine Ortschaft ist. Und es ist der Vorname meiner zukünftigen Chefin.
Ich kenne Sie schon sehr lange, doch jetzt suchte nicht nur ich sehr dringend eine Stelle, sondern auch sie sehr dringend jemanden der zu ihr arbeiten kommt.
Tataa... so schnell kann es manchmal gehen und plötzlich erscheint das undurchdringliche Dickicht vor den Augen nur noch als ein strahlendes frisches Grün voller Leben.
April 2020
Hurra! Ich habe eine Domain!
Ich habe es mir reiflich überlegt - genau zwei Tage!
Sie mögen lachen, aber es geht um den Namen der Domain dieser Seite.
Wenn Sie meine bisherigen "s'Nöjscht"-Beiträge gelesen haben wissen Sie, wie ich am Anfang über alle Stolperfallen einer neuen Website gstürchlet bin.
Aber ich denke, ich habe jetzt eine URL, die anständig rüberkommt.
Und damit komme ich auch meinem Projekt mit meiner eigenen Physiotherapiepraxis ein kleinesbisschen näher - denn jetzt kann ich den Leuten eine Homepage nennen, die man sich nicht zwingend aufschreiben muss, weil sie so lang und kompliziert ist, dass man sie nicht einfach im Kopf behalten kann.
Hurra! Die ersten Leute werden meine Zeilen lesen - vielleicht. Und hoffentlich dabei nicht einschlafen! *schmunzl*
April 2002
Eine Seite nimmt Gestalt an
Nach einigen Überlegungen in den letzten 24 Stunden bin ich mir sicher, dass ich hier die richtige Lösung für mein Domain-Problem gefunden habe.
Mein Lebensgefährte fand nach einer ersten Sichtung mit einem Stockzahngrinsen: wenn du nicht die Freundin eines 120 Artikel auf einer Blogseite - Mann wärst, wäre es ok.
Er meinte wohl damit, dass 3 Seiten auf einer Homepage noch etwas dürftig daherkommen im Vergleich zu meiner bereits recht ausgebauten Seite von Lyb & Seele.
Aber ich habe ja auch erst angefangen und heute bereits das eine und andere angefügt und ausgebaut...
Schon witzig - das Herumgetippele macht so sehr Spass, dass ich wohl in einem anderen Leben den IT-Bereich nach der Matura in's Auge gefasst hätte. Wer weiss....
Doch in diesem Leben bin ich mit meinen Physio-stehen-niemals-still-Händen völlig zufrieden.
April 2020
Der 16. April 2020...
Nun ja - EIGENTLICH wollte ich ja nur eine Homepage für mein Projekt 2020 gestalten - meine eigene, kleine, putzige Physiotherapiepraxis in Aarau...
EIGENTLICH, so sagte man mir, sei das mit Jimdo gaaaaanz einfach.
Ist es auch, eigentlich. Bloss kommt es verkehrt raus wenn man ganz zu Anfang den falschen Knopf drückt.
Und so ist es jetzt wie es ist: meine wunderschöne Homepage der Physiopraxis ist zwar fertig, aber kann wegen einer bestimmten Grundstruktur bei Jimdo nicht die gratis-Domain erhalten, welche ich möchte. Alternative: ganzer Vertrag kündigen und alles neu anfangen.
Der Aufwand wäre ja ok für mich, doch die lieben "Batzeli", welche damit flöten gehen würden wären deren viele... aaalso Plan B: ich mache mit meiner falsch gewählten Website einen schönen persönlichen Auftritt von mir, wo sie allerlei finden - aus meinem Leben oder demjenigen anderer Leute die ich mag. Und dazu den Link zu meiner eigentlichen Hauptwebsite mit meiner geplanten Praxis als Thema.
16. April 2020